Aufgabe von Männerbastionen

"Das ist nicht mein Ding"

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Fußballer und Politiker haben ihre Männerbastionen längst aufgegeben - und jetzt auch ein Torero aus Mexiko-Stadt.

Wer auf der Suche nach den letzten verbliebenen Männerbastionen ist, muss lange suchen: Der Fußball ist schon lange keine mehr; nicht nur, weil die deutsche Nationalmannschaft der Frauen zwei WM- und sieben EM-Titel angehäuft hat. Auch die DFB-Herren werden gleichberechtigt von Mann und Frau angefeuert. Und im Kanzleramt sitzt eine Frau die Krisen aus, auch wenn das die "Tagesschau" vor wenigen Wochen ("Bundeskanzlerin Kohl ... Merkel") nicht wahrhaben wollte.

Wo also dominiert noch der Mann von Schrot und Korn, barbarisch, primitiv und zum Einzelkämpfer überhöht? Im Stierkampf vielleicht? Mitnichten. Die von Macho-Legende Ernest Hemingway in mehreren Büchern verklärte "Corrida de Toros", einst Sinnbild des Kampfes zwischen Mann und Nahrung, ist zwar immer noch eine völlig überflüssige Tierquälerei, aber ansonsten auch nicht mehr das, was die "Tauromaquia" mal war.

Das ist keine Anspielung auf die 1993 in die Arena stolzierende spanische Matadora Cristina Sánchez, sondern auf eine aktuelle Nachricht aus Mexiko-Stadt: Christian Hernández, 22-jähriger Nachwuchs-Torero, flüchtete angesichts des Rindviehs, begleitet von Spott und Johlen der Zuschauer, panisch aus der Stierkampfarena.

Seitdem ist er für viele Mexikaner ein rotes Tuch und wurde angeblich sogar wegen Vertragsverletzung kurzzeitig festgenommen. Dabei ist seine Begründung für den Sprung über die Arenabande nachvollziehbar: "Das ist nicht mein Ding." Und ab.

Ja, überall flüchten die Männer aus den Bastionen, aus den Arenen, aus dem Rampenlicht. Kevin Kurányi verließ in der Halbzeit die Arena und damit die Nationalmannschaft, Horst Köhler machte in der zweiten Amtszeit den Lafontaine, und auch Kohls ... Merkels "Gurkentruppe" ist latent fahnenfluchtgefährdet und Michael Schumacher steigt bestimmt bald aus seinem Mercedes-Gurkenlaster aus.

"Das ist nicht mein Ding" scheint sogar die Devise vieler aktueller WM-Kicker zu sein. Genervt vom Vuvuzela-Krach verlassen sie reihenweise den Rasen, zur Not mittels roher Gewalt. Uruguay ist eine Ausnahme, bei denen gehört Treten zum guten Ton, ansonsten scheinen die Spieler aller Teams außer der deutschen Elf förmlich um ihre Auswechslung zu betteln, so schlecht sind die bisher gezeigten Spiele.

Vorbei die Zeiten, als sich Spieler sogar selbst einwechselten, so wie Günter Netzer im DFB-Pokalfinale 1973: "Ich spiel dann jetzt", sagte er. Und machte sein Ding.