Eine Million Euro: Ein unmoralisches Angebot

Geld oder Leben?

Das Leben steckt voller Unsicherheiten. Bis zum Ende. Von dem sagten schon die alten Römer: Mors certa, hora incerta - es kommt zwar ...

... mit tödlicher Sicherheit, wann, ist aber ungewiss. Es wäre deshalb ein ausgesprochen unsicheres Geschäft, ein Lebensjahr für eine Million Euro zu verkaufen. Vielleicht ist das irdische Dasein ja morgen schon beendet - oder der Euro ist nichts mehr wert, Hellas und den anderen europäischen Finanzstrategen sei's gedankt!

Trotz all dieser Unwägbarkeiten wäre aber jeder fünfte Deutsche bereit, für eine Million Euro ein Jahr früher zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Emnid-Studie im Auftrag des Magazins "Reader's Digest". Bei den als besonders sparsam geltenden Schwaben würde sogar jeder Vierte das Geld nehmen. Vermutlich werden sie kühl kalkulieren, dass ihre angeborene Arbeitswut sie ohnehin früher als biologisch vorgesehen ins Grab bringt - ohne je eine Million erreichen zu können. Auch Jüngere würden in der irrigen Annahme, über nahezu unbegrenzte Zeit zu verfügen, dem Geschäft eher zustimmen. Windiger als die meisten Börsengeschäfte ist dieses unmoralische Angebot schließlich auch nicht.

Menschen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stimmten dem Handel am wenigsten zu. Außerdem würden mehr Männer (23 Prozent) als Frauen (17 Prozent) auf den Deal eingehen, ebenso eher Reiche als Arme. Das kann getrost als Beleg für die alten Lebensweisheiten gelten, dass Geld zumindest partiell den Charakter verdirbt und allein nicht glücklich macht.

Natürlich ist es misslich, wenn alles Geld weg und noch viel Leben übrig ist. Den Alltag nach Gusto zu gestalten wird dann schwieriger - aber es ist immerhin noch möglich! Und wer es bisher im Leben nicht geschafft hat, glücklich zu sein, wird es vermutlich auch mit einer zweifelhaft erworbenen Million nicht hinbekommen.

Als sicher kann dagegen gelten, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, sprich, ein Toter keine Ersparnisse mit auf die letzte Reise nehmen kann. Über die freuen sich dann höchstens die Erben - falls sie sich nicht zerstreiten. Kein gläubiger Christ, Anhänger einer Wiedergeburtsreligion oder Mensch mit Nahtoderfahrung hat jemals behauptet, über die irdische Existenz hinaus Geld zu brauchen. Darum: Vergesst die Million, denkt ans Leben!