Medizin-Soaps haben manchmal fatale Folgen

Vorsicht, House-Arzt!

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Erste Hilfe kann kompliziert werden. Da flüchtet die Oma mit ihrem Rollator vom vereisten Gehweg auf die Fahrbahn, stolpert ...

... dennoch - und zehn Meter entfernt versucht der Fahrer eines 30-Tonners voll Streusalz die Vollbremsung. Wer versorgt dann den Mann, der am Fenster alles mit ansehen muss und einen Herzinfarkt erleidet?

Zehn bis zwölf Minuten braucht der Notarzt in Deutschland, bis er am Einsatzort ist und fragt: "Privat oder gesetzlich?" Minuten, in denen die Gattin des Infarktopfers geistig alle Notfälle des Erbrechts durchgeht. Dann legt sie ihm die Füße hoch. Das würden nach einer Studie der Techniker Krankenkasse sechs von zehn Befragten tun. Doch diese Nothilfe führt in neun von zehn Fällen sicher zum Tod.

Schaut die Gattin regelmäßig Arztserien, steigen die Chancen des Notfall-Patienten. Nach einer britischen Studie leisten Konsumenten von Medizin-Soaps im Fernsehen viel beherzter Erste Hilfe als Otto Normal-Linkshänder. 20 Prozent der Zuschauerinnen trauen sich gar eine Herzmassage zu. "Hol den Notarzt, ich brauch jetzt keine Massage", ist jedoch eine oft gehörte Entgegnung undankbarer Männer ab 42.

Andere Forscher kamen zu einer anderen Diagnose: Wer regelmäßig "Dr. House" oder "Emergency Room" schaut, tendiert im Ernstfall zu lebensverkürzenden Fehlern. Nach Durchsicht von 327 Folgen urteilten Notfall-Experten, dass in der Hälfte der TV-Fälle schwere medizinische Patzer begangen wurden. Die American Academy of Neurology würde für Dr. House-Arzt keinen Preis verleihen, sondern den Totenschein ausstellen.

Schon die Beatles sangen im Erkennungslied aller eingebildeten Kranken "Help": "I need somebody. Help! Not just anybody. Help!" Also nicht irgendwer soll helfen, sondern der Fachmann. Wie ernst die Deutschen diese Botschaft nahmen, zeigte schon die Übersetzung des Klassikers, der auch verfilmt wurde: "Hi-Hi-Hilfe". Darauf wäre nicht mal Dr. House gekommen.