Verse, für die man sich schämen muss

Fuchs, du hast den Reim gestohlen

Am 27. November wurde Franz Beckenbauer mit einem Gedicht seines Freundes Karl-Heinz Rummenigge als Präsident des ...

... FC Bayern München verabschiedet, das so ging: "Ich danke dir, ich danke dir sehr./ Ich danke dir, das fällt mir nicht schwer./ Ich danke dir, dank dir ganz doll,/ weiß gar nicht, was ich sagen soll." Und, als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, ging das Gedicht auch noch weiter: "Ich danke dir, du bist ein Schatz,/ dies sag ich dir in einem Satz,/ ich danke dir, das fällt nicht schwer:/ Danke, danke, danke sehr."

Als ob es mit diesem Elend noch nicht genug gewesen wäre, meldete sich eine Lyrikerin, Frau Pfeiffer-Klärle aus Rödermark (ich schwöre, dass ich mir weder Namen noch Ort ausgedacht habe, eine so perverse Fantasie kann man gar nicht haben!). Pfeiffer-Klärle sagte: "Das Gedicht hat nicht Rummenigge geschrieben, ich war es! Ach, und ich möchte jetzt Tantiemen! Vom FC Bayern. Für jede Zeile!"

Nun kommt die Sache vor Gericht, und Rummenigge, der Dankwart des FC Bayern, ist in Beweisnot, ob er sich die Zeile "Danke, danke, danke sehr" selbst hat dichterisch einfallen lassen. Oder ob er sie Frau Pfeiffer-Klärle gestohlen hat: "Fuchs, du hast den Reim gestohlen./ Gib ihn wieder her!/ Sonst wird dich der Jäger holen/ mit dem Schießgewehr!"

Ich kann Rummenigge, Beckenbauer und dem FC Bayern München aber zu Hilfe kommen. Nicht Frau Pfeiffer-Klärle ist die Urheberin des Gedichts, sondern ich habe es geschrieben und im "Sonntagsblatt" der Erzdiözese Rottenburg am Neckar im Februar 1965 veröffentlicht: Damals lautete das Gedicht, das ich (a) meiner Mutter und (b) meiner mich verlassen habenden Freundin Klärle gewidmet hatte, so: "Ich danke dir fürs Butterbrot, mit dem du mich gespeist in Not. Ich danke dir für deine Brust. Erst brachte sie mir Lust. Dann Frust! Ich danke dir, treuloser Schatz! Und mach auf eine andre Hatz! Dem Ingenieur ist nichts zu schwer! Ich danke, danke, danke sehr!" Bis letzte Woche habe ich mich für diese Verse aber geschämt. Aber für Rummenigge ist mir nichts zu schade. Und so möchte ich mich beim FC Bayern für viele schöne Siege, aber auch für schöne Niederlagen bedanken, indem ich dieses Gedicht auf mich nehme!

Nichts zu danken, Herr Rummenigge! Keine Ursache!