Das Urlaubs-Gen der Brasilianer

Zé Roberto & Co. - Zuckerhut statt Peitsche

Es ist Jahr für Jahr das gleiche Bild nach der Winterpause der Bundesliga-Vereine. Die brasilianischen Spieler verlängern ihren Urlaub.

Urlaub ohne Unterlass, soll der weise George Bernard Shaw einmal gesagt haben, "wäre ein gutes Training für den Aufenthalt in der Hölle". Kommt ganz darauf an, wo diese Hölle sich befindet.

Haben Sie nicht auch schon mal gedacht, wenn es gerade besonders schön ist unter Palmen: Ich bleibe noch ein paar Tage und lasse meinen Chef einen guten Mann sein? Aber da der nächste Gedanke der Personalakte gilt, packen Sie dann doch mürrisch die Koffer. Wir haben eben nicht das Urlaubs-Gen der Brasilianer, schon gar nicht das der brasilianischen Fußballer.

Es ist Jahr für Jahr das gleiche Bild nach der Winterpause der Bundesliga-Vereine. Blasse deutsche Profis versuchen bei ihren Leibesübungen, das runde Leder unter Kontrolle zu bringen. Die brasilianischen Ballkünstler dagegen genießen noch ein paar Tage länger das süße Leben. Ob es Werder Bremens Kugelblitz Ailton war, der meist ein paar Extra-Kilos aus dem Urlaub zurückschleppte, Herthas Marcelino oder Schalkes Rafinha - viele Südamerikaner legen ihren Urlaub flexibel aus. Einige sagen offen: "Mir ist es zu kalt in Europa." Der vollschlanke Altstar Romário nannte Training einmal "Kalorienverschwendung".

In der Tat motiviert das Bild kaffeebrauner Schönheiten am Strand der Copacabana irgendwie mehr als ein trister Umkleideraum im deutschen Winter oder auch im türkischen HSV-Quartier Belek. Zuckerhut statt Peitsche.

Jetzt macht auch Zé Roberto mit, bislang ein Inbegriff von Disziplin beim HSV. Mindestens 10 000 Euro Strafe soll sein eigenmächtig verlängerter Genesungsurlaub in der Heimat kosten - wer mehr als drei Millionen Euro im Jahr kassiert, kann da nur milde lächeln.

Pech hatte einmal nur ein Brasilianer namens Ricardo Oliveira. Der Profi des spanischen Klubs Betis Sevilla musste für neun Tage Verspätung eine Million Euro bezahlen. Sein Problem: Genau für diesen Fall hatten die cleveren Andalusier eine Klausel in den Vertrag mit dem Lebenskünstler geschrieben.