Obama lebt und Jacksons Comeback fiel aus

Die Unwahrsager 2009

Das bevorzugte Metier der Hellseher ist die Schwarzmalerei. Die Resttage des Jahres sind traditionell gut geeignet, ein wenig Licht in dieses Dunkel zu bringen. Das Gute vorweg: Im Prinzip können wir aufatmen angesichts all jener Prognosen für 2009, die sich nicht bewahrheitet haben.

So sah das kanadische Medium Nikki Pezaro vernichtende Flammen im Buckingham-Palast und im Schloss Windsor. Als wäre das nicht Strafe genug für die britische Königsfamilie, prophezeite die Pythia gleich noch den Diebstahl der Kronjuwelen.

Auch der Indienreisende Thomas Ritter, der seine Prognosen aus einer 1000 Jahre alten Palmblattbibliothek liest, schreckte mit vorhergesagten Terroranschlägen auf Berlins Potsdamer Platz und auf das Bankenviertel von Frankfurt "mit jeweils sechs Sprengsätzen in der zweiten Woche des zehnten Monats". Wunderlich, dass die Palmblätter aus Indien trotz dieser Pulverpräzision Probleme mit der Datierung haben. Fast wortgleich hatten sie den Anschlag schon im Vorjahr parat.

Auch andere Katastrophenprophezeiungen neigen zur Inflation. Mindestens drei "Seher" sahen ein Attentat auf US-Präsident Obama voraus. Zugegeben, eine reale Gefahr. Anschläge auf ihn "gehören zum Standardrepertoire der Wahrsagerzunft", sagt der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der für die Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften alljährlich die Trefferquote der Prognosen auswertet.

Als Vorhersage-Klassiker gelten auch Naturkatastrophen in der Karibik oder pauschal Erd- und Seebeben ohne Ortsangaben. Laut Kunkel machen sich deren Autoren lächerlich, "denn irgendwo auf der Welt werden mit Sicherheit ein paar Tropfen fallen".

Auch die Promiwelt boykottiert regelmäßig sie betreffende Vorhersagen. Carla Bruni wurde offenbar nicht schwanger, und Michael Jackson feierte kein Erfolgs-Comeback. Den überraschenden Tod des King of Pop will allerdings Nikki Pezaro vorhergesagt haben. Mathematiker Kunkel schränkt allerdings ein: Den Namen Michael Jackson habe sie auch 2003, 2004, 2005 und 2007 auf ihrer langen Liste der von Krankheit oder Tod bedrohten Prominenten gehabt. "Die viel längere Reihe der Überlebenden aus ihrer obskuren Liste unterschlägt sie aber regelmäßig."

Das klingt beruhigend. Wer immer auf der Todesliste steht, hat eine faire Chance weiterzuleben.