Schicksal

Gott muss Linkshänder sein

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Kai Schiller

Bereits zum zweiten Mal in der Fußballgeschichte sorgte statt des Fußes eines Spielers seine Hand für das entscheidende Tor.

Was haben Alexander der Große, Julius Cäsar und Florian Silbereisen gemeinsam? Zunächst einmal haben alle drei ohne Zweifel ihren Platz in der Geschichte sicher: Alexander dehnte das Makedonische Reich bis nach Indien aus, Cäsar das Römische Reich bis Vorderasien und Florian Silbereisen hätte es zumindest verdient, mit seiner Musik die ganze Welt zu erobern. In Wahrheit hat das historische Trio vor allem eins gemeinsam: Alle drei sind Linkshänder.

Was bis Mittwochabend wahrscheinlich keine große Sache war, hat durch ein Fußballspiel plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommen. Bereits zum zweiten Mal in der Fußballgeschichte sorgte statt des Fußes eines Spielers seine Hand für das entscheidende Tor. Diego Armando Maradona bugsierte einst bei einem WM-Spiel den Ball mit der linken Faust ins Tor der Engländer und entschuldigte sich hernach, es sei "die Hand Gottes". Der Fußball-Gott muss Linkshänder sein, denn auch jetzt war wieder die linke Hand im Spiel: Die entscheidende Partie um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zwischen dem hoch favorisierten Frankreich und Irland in Paris ging in die Verlängerung, eine Sensation lag in der Luft. Doch 17 Minuten vor dem schon absehbaren Elfmeterschießen traf der Franzose William Gallas und stürzte die Iren in Zorn und Verzweiflung. Denn zuvor hatte Mitspieler Thierry Henry den Ball mit der Hand weiterbefördert - der linken.

Somit darf sich Henry im Olymp der Linkshänder, die sich der Legende nach besonderer Intelligenz erfreuen, aufgenommen fühlen. Immerhin bis zu 15 Prozent der Bevölkerung sollen diesem illustren Kreis angehören, der seit dem 13. August 1976 jährlich den Linkshändertag feiert. Ob der Ehrentag in Frankreich von nun an am 18. November gefeiert wird?

Für die Sportzeitung "L'Equipe" stand jedenfalls fest, dass die Grande Nation ihren Sieg nichts anderem als ebendieser "Hand Gottes" zu verdanken hat. Mit so viel übernatürlicher Macht sollte auch die Weltmeisterschaft in Südafrika für die Franzosen zum Selbstläufer werden.

Für die anderen Teams kann womöglich nur zweierlei helfen: verdammt gut Fußball spielen oder: Uri Geller. Der Bühnenmagier, der besonders gerne Löffel verbiegt, soll dem Deutschen Fußball-Bund seine übernatürlichen Kräfte bereits angeboten haben. Sein großer Trumpf: Geller ist Linkshänder.