Kolumne

Ich bügel, also bin ich

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Thomas Frankenfeld

Keiner liebt heiße Eisen so wie die Deutschen. Wer hat's herausgefunden? Die Schweizer!

Im Zen-Buddhismus gilt es, einen Zustand der Erleuchtung zu erreichen. Dies kann durch meditative Versenkung, aber auch durch die Ausführung immer gleicher Bewegungen erfolgen - etwa beim Bogenschießen oder Blumenbinden. Noch zählt Bügeln nicht zum klassischen Katalog der Zen-Aktivitäten, sollte es aber. Wo sonst führt man immer gleiche, völlig sinnentleerte Bewegungen aus? Millionen Erleuchtete müssten demnach unser Land bevölkern, denn die Deutschen bügeln gern. Das Luzerner Link-Institut hat sogar herausgefunden, dass fast zwei Drittel der Deutschen das Bügeln als reine Freude empfinden, mehr als jeder dritte bügelt sogar noch seine Unterhosen.

Für Männer war diese Tätigkeit bekanntlich lange ein ganz heißes Eisen. Aber inzwischen ist so mancher von uns bereits ein Meister paralleler Bügelfalten - und zwar auf jedem Hosenbein.

Bügeleisen gibt es seit dem 15. Jahrhundert, sie waren aus Gusseisen. Das war praktisch, denn man konnte damit auch die Dellen aus der Rüstung beulen. Früher gab es sogar mal Gasbügeleisen. Die wurden aber leicht undicht, und dann flog der Bügelkeller in die Luft. Das haute zwar zuverlässig alle Unebenheiten aus der Wäsche, aber auch aus der Hausfrau.

Männliche Bügelneulinge sind oft am Verband am Kopf zu erkennen - die haben sich das Gerät ans Ohr gehalten, als der Wäschetrockner klingelte. Und wer die Kleidung beim Bügeln anbehält, um Zeit zu sparen, muss mit noch schwereren Schäden rechnen. Mancher wackerer Bügler leidet auch an Dauererkältungen, weil er unmittelbar nach dem Duschen bügelt. Dabei gilt die Anweisung "Hemden immer feucht bügeln" wohl eher für das Kleidungsstück.

Vor zwei Jahren brach übrigens ein junger Bundeswehroffizier den Weltrekord einer Schweizer Hausfrau im Dauerbügeln und stand mehr als 58 Stunden am Brett. 2011 erreichte er sogar das Finale der Deutschen Meisterschaft im Haushalts-Fünfkampf, patzte aber beim Bodenwischen. Solche Offiziere brauchen wir, wenn in Afghanistan die Arbeit getan ist.