FC St. Pauli

Es war einmal ein Fußballklub

Lesedauer: 2 Minuten
Christian-A. Thiel

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Der Sprung nach oben ist geschafft. Das Hamburger Fußballmärchen oder: Was erwartet die Bundesliga, wenn der FC St. Pauli mitspielt?

Willkommen im Oberhaus. Generös werden die Emporkömmlinge vom Millerntor zwischen München und Bremen zurück in der Beletage des deutschen Fußballs begrüßt - außer vielleicht in Berlin. Aber wissen sie wirklich, was sie bekommen? Jeder vierte Deutsche will St.-Pauli-Fan sein, alle kennen das Millerntor, aber die meisten nur aus dem Fernsehen. Die Legenden vom Freudenhaus der Liga, vom sympathischen Stadtteilverein mit rustikalen Kickern, die viel rennen, viel grätschen und einen Acker ihr Spielfeld nennen, haben so viel mit der Realität zu tun wie Schmidts Tivoli mit einem Stripklub.

Was erwartet die Liga also, wenn der FC St. Pauli kommt? Gut, die Farbkombination Braun-Weiß muss man sich schöntrinken. Und "Hells Bells", die Einlaufmusik von AC/DC, signalisiert: Das Millerntor ist noch immer die englischste aller deutschen Fußballarenen. Kein verkaufter Arena-Name, keine Presenting-Sponsoren, mehr Stehplätze als Sitze auch im neuen, modernen Stadion. So viel zum Kult.

Aber der FC St. Pauli ist ein vitaler Hundertjähriger. Die Nähe zum Kiez ist spürbar, aber am Millerntor werden auch nicht mehr "Freistöße" gegeben als in anderen Stadien. Der Totenkopf, der einmal für Rebellion stand, zieht als Marketing-Instrument Millionen - wie die disneymäßig stubenreine Reeperbahn nebenan. Vor Jahren musste sich Bayern-Manager Uli Hoeneß am Millerntor mit Astra übergießen lassen, heute trägt er lässig das "Retter"-Shirt des Weltpokalsiegerbesiegers. Und Trainer Holger Stanislawski, das St.-Pauli-Urgestein, weiß längst, "dass Kult keine Spiele gewinnt". Die Kleinen vom Kiez sind groß geworden - und können Fußball spielen .

Zum Schluss ein Hamburger Fußballmärchen: Es war einmal ein Verein, bei dem ein Trainer länger als ein Jahr arbeitete, bei dem junge deutsche Nachwuchs-Nationalspieler im halben Dutzend spielten, der einen Sportchef hatte und einen Präsidenten, der zwar ein Faible für großes Theater auslebte, sich aber aus dem Sport heraushielt. Und das war nicht der HSV ...