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G20 immer in New York?

Bürgermeister Bill de Blasio macht in Hamburg ein interessantes Angebot. Es sei eine Ehre, den Gipfel ausrichten zu dürfen

Nur friedlicher Protest erreicht etwas. Denken Sie an Martin Luther King!“, sagt Bill de Blasio – und führt damit die von dem afroamerikanischen Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger organisierten Friedensmärsche nach Washington als Beispiel für den friedlichen Wandel und die Weiterentwicklung der amerikanischen Gesellschaft an. Der New Yorker Bürgermeister ist kurzfristig nach Hamburg gekommen, um am Sonnabend bei der Kundgebung von „Hamburg zeigt Haltung“ zu sprechen. Außerdem hält er auf Einladung von Intendant Joachim Lux eine Rede im Thalia Theater. Seine Absage an Gewalt ist nur eine von vielen zentralen Aussagen zu Klimapolitik, Wertewandel, Polizeischulung und der politischen Situation nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.

De Blasio, seit vier Jahren Bürgermeister von New York, sieht eine Reihe von Parallelen zwischen der US-Metropole und der Hansestadt. Er lobt die Offenheit Hamburgs und ihr beeindruckendes Engagement während der Flüchtlingskrise. Er freut sich, im Thalia Theater sprechen zu dürfen, einem Ort, der für Freiheit, Demokratie und Vielfalt stehe. „Es ehrt Hamburg, Gastgeber des G20-Gipfels zu sein, und es ehrt die Stadt gleichermaßen, Protestaktionen zuzulassen“, sagt er. Und erwähnt in diesem Zusammenhang, dass die New Yorker Polizei seit einigen Jahren umfassend geschult werde, um deeskalierend aufzutreten. „Sie sind Wächter der Protestzüge, die es auch bei uns gibt“, sagt er. „Es ist gut, dass es Protest gibt. Aber gewaltsamer Protest lenkt nur von den relevanten Fragen ab.“

Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland hat sich De Blasio sich übrigens parallel für regelmäßige G-20-Treffen in seiner Stadt ausgesprochen. „Wir hätten damit kein Problem. Wir haben auch schon die UN-Vollversammlung und den Papstbesuch parallel gemanagt. Und die New Yorker Polizei ist die beste der Welt“, so De Blasio. In Hamburg kommt der Zwei-Meter-Mann in seiner Rede immer wieder auf das Wertesystem und die demokratischen Prozesse zu sprechen.

„Wir erleben bei uns gerade eine verwirrte Mehrheit. Für die normalen Bürger haben Schulen und Jobs die größte Bedeutung, sie wollen eine offene Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt wird.“ Beispiel sei die U-Bahn, in der Moslems und Juden, Schwarze und Weiße, Arme und Reiche auf engstem Raum zusammen führen. „Vielleicht ist die Stadt noch nicht perfekt, aber die U-Bahn ist ein gutes Bild dafür, wie Harmonie funktionieren kann.“

Auch den Klimaschutz möchte De Blasio nicht den Staatenlenkern allein überlassen, wie er sich überhaupt skeptisch zeigt, ob dieser Gipfel zu vernünftigen Beschlüssen führen werde. Doch er räumt ein, dass diese internationalen Gesprächsrunden wichtig seien. „Die Initiativen beim Klimaschutz gehen von den Städten und Bundesstaaten aus. Anders als Trump will die Mehrheit der Amerikaner eine andere Klimapolitik. Wir müssen unsere ökonomische Macht einsetzen und werden das tun, indem wir zum Beispiel mehr auf Solarenergie und Windkraft setzen und den Bau von Hybrid-Autos forcieren“, so De Blasio.

Er zeichnet ein positiveres Bild der USA, als es in Europa vermittelt wird. „Amerika ist nicht kaputt, sondern in einer Identitätskrise“, sagt er. „Die Wahl von Trump ist nicht repräsentativ. Wir müssen jetzt unsere Werte jeden Tag verteidigen. Im Alltag, bei friedlichen Protesten, in der Schule, auf der Arbeit. Wir sind auf dem Weg zu mehr Vielfalt und in einer Phase des Wandels zu einer offeneren Gesellschaft. Wir müssen viele Dinge selber regeln, egal, was die Regierung tut“, sagt er. Auch auf die rassistischen Übergriffe gegenüber Afroamerikanern in seinem Land kommt er zu sprechen. Er kritisiert immer noch existierende Gesetze, die Afroamerikaner benachteiligen und ihnen zum Teil das Wahlrecht verwehren. „Aber auch das wird sich in den kommenden Generationen ändern. Auch die Polizei wird immer multikultureller.“

Angesichts der Krawalle und des Ausnahmezustandes, in dem sich Hamburg befand, sagt de Blasio aber auch: „Ich freue mich, nach New York zurückzukommen. Es ist viel ruhiger und friedlicher als Hamburg.“