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„Ich hatte Angst, dass sie unser Haus anstecken“

„Bis zu einem gewissen Punkt war ich ganz ruhig. Selbst noch, als die Vermummten anfingen, die Gehwegplatten vor dem Haus aufzunehmen. Die haben sie auf der Straße zerschmettert und Wurfgeschosse daraus gemacht. Das war noch am Anfang, so gegen 21 Uhr.

Eigentlich wollte ich noch meine Schwester vom Flughafen abholen. Sie ist extra für die G20-Demonstrationen angereist. Aber dann haben sie angefangen, direkt unterm Fenster eine Barrikade aufzubauen und anzuzünden. Da habe ich Angst bekommen. In das Feuer kam alles rein, was sie finden konnten. Ich glaube, auch geplündertes Zeug. In den Gruppen wurde viel italienisch gesprochen, so viel habe ich noch verstanden, dann musste ich die Fenster zumachen. Riechst du ja, stinkt immer noch.

Vor G20 hatte ich mich gegen die ganze Hysterie gewehrt – Straßenschlacht, zügellose Gewalt, diese ganzen Szenarien. Doch als einige Typen den Elektrokasten vor der Tür abfackeln wollten, hatte ich echt Angst, dass sie unser Haus anstecken. Das ist ein Scheißgefühl, denn ich wollte ja die Wohnung nicht aufgeben. Mit den Leuten auf der Straße konnte man aber auch nicht reden, die waren voll in ihrem Film.

Als sich mein Freund dann irgendwann über den Flora-Park nach Hause geschlagen hatte, war ich wenigstens nicht mehr allein. Wir haben dann abwechselnd aus dem Fenster und in die Glotze geguckt: hier die brennende Schanze, da Beethoven in der Elbphilharmonie. Krass. Irgendwann wurde es ruhiger, da kam endlich die Polizei. Ich glaube, wir waren um 4 Uhr im Bett.“

Susanne (Name geändert) wohnt am Schulterblatt und war bei den Krawallen zu Hause