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„Seefahrt kann schnell zum Albtraum werden“

„Bootschafter“ als Werbeträger: Schauspieler, Moderatoren, Musiker. Im Abendblatt verraten sie ihre persönlichen Wünsche

TV-Moderatorin Bettina Tietjen saß bei den Seenotrettern zwölf Monate lang mit im Boot. Aber nur symbolisch, denn sie trommelte im Jahr 2009 als prominente Werbeträgerin an Land für die Spendenorganisation. Die „Bootschafterin“ von damals wünscht der Gesellschaft jetzt, „dass sie ihre bewundernswerte Arbeit fortsetzen kann, solange es Nord- und Ostsee gibt“. Und dass es gelinge, die junge Generation für Rettungseinsätze in Wind und Wellen zu begeistern.

Das Abendblatt hat prominente Unterstützer der DGzRS danach befragt, was sie zum 150. Geburtstag wünschen. Seit 15 Jahren nämlich ernennt die Organisation jeweils einen bekannten „Bootschafter“, der ein Jahr lang mit dem Promi-Faktor die Spendenbereitschaft ankurbeln soll. Zu den Ehrenamtlichen gehörten Liedermacher Reinhard Mey (2000) genauso wie Schauspieler Jan Fedder (2007).

Der Rocksänger und Musiker Klaus Lage, „Bootschafter“ 2014 und Komponist des Geburtstagsliedes „Volle Kraft voraus“, wünscht den Seenotrettern, „dass die Anzahl der Spender, Förderer und Unterstützer auch in den nächsten 150 Jahren stetig wächst“. Der Musiker und Produzent Achim Reichel, „Bootschafter“ von 2005, sagt: „Mögen die Seenotretter im hanseatischen Geist noch ein langes Leben führen.“ Und fügt hinzu: „Tusch und Paukenschlag. Allzeit gute Fahrt.“ Es liege leider in der Natur der Sache, dass die Elemente hin und wieder verrückt spielten. Außerdem sei der Mensch bekannt für seine Fehlentscheidungen. Wer einmal in Seenot sei, brauche deshalb keine guten Ratschläge mehr, sondern dringend Hilfe.

Der TV-Moderator denkt an die Retter, sobald er ein Schiff oder Boot sieht

Kaum eine „Bootschafterin“ kennt das Element Wasser so gut wie die Kanu-Olympionikin Birgit Fischer (achtmal Gold, viermal Silber). Auch sie wünscht der Organisation, dass die Spendengelder reichlich fließen „und noch mehr Menschen die Seenotrettung als wichtig anerkennen“. Durch ihr Engagement fühlt sich die Sportlerin darin bestätigt, dass jeder Seefahrer den Respekt vor den Naturgewalten nicht verlieren sollte.

TV-Moderator Yared Dibaba war vor zwei Jahren ehrenamtlicher Unterstützer der Seenotretter. „Ihnen wünsche ich, dass sie weiterhin mit so einer Motivation und Leidenschaft ihrer Berufung nachgehen können, wie sie es die vergangenen 150 Jahre getan haben.“ Inzwischen ist es bei ihm so, dass er immer an die DGzRS denken muss, wenn er ein Schiff oder Boot sieht – so stark hat ihn das einjährige Engagement für die Bremer Organisation geprägt. „Ich denke immer: Falls der Besatzung oder den Passagieren etwas auf See zustoßen sollte, gibt es die Seenotretter. Sie setzen alles daran, diesen Menschen zu helfen.“

Bei Dibabas Kollegin Bettina Tietjen hat sich ebenfalls der Blick auf die Seefahrt seit ihrem Engagement erheblich gewandelt. „Ich habe gelernt, dass man als Landratte unterschätzt, wie leicht man in Seenot geraten kann. Eine lustige Seefahrt kann innerhalb kürzester Zeit zum Albtraum werden. Dass es aber Menschen gibt, die zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jeder Windstärke zur Stelle sind, um zu helfen, ist überlebenswichtig.“

In diesem Jahr ist die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen die prominente „Bootschafterin“. Das von Paavo Järvi geleitete Orchester schreibt in seinem Geburtstagsglückwunsch: „Die Welt ist durch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ein wenig sicherer, besser und lebenswerter geworden.“ Sowohl dem Orchester als auch der DGzRS gehe es darum, zu retten – bei der Kammerphilharmonie mit Musik die Seelen. Und bei den Helfern seien es der Mut und ihr Einsatz, Menschen aus akuter Seenot zu befreien.