Liebe Journal-Leser

Hoffen auf ein Wunder

Wir könnten wissen, wie ein Atomkraftwerk funktioniert und versenden Kurzmitteilungen von einem Handy zum nächsten. Wenn wir wirklich wollten, könnten wir auch diesen technischen Zusammenhang verstehen.

Sicher ist, dass es etwas mit Satelliten zu tun hat, wenn uns die Freundin auf ein handflächengroßes Ding übermitteln kann, in welcher Umkleidekabine sie gerade steckt. Trotzdem neigen manche dazu, den SMS-Service als Wunder der Technik zu bezeichnen. Und was ist erst mit dem Empire State Building, den ersten Aufnahmen eines Fötus im Mutterleib, dem Weltall und dem Internet? Sind das Wunder? Wir alle neigen dazu, Dinge, die wir nicht verstehen, als Wunder zu bezeichnen. Wie spektakuläre Weltmeisterschaftssiege oder auch mediale Ereignisse wie die Rettung von Bergarbeitern nach dem Grubenunglück von Lengede. Wunder sind immer schön, und wenn wir hilflos sind und die Fakten gegen eine Verbesserung unserer Situation sprechen, hoffen wir auf ein solches. Dann beten wir zu Gott, zum Universum, zu Shiva, zu Allah oder aber zu Engeln. Wir könnten die Engel darum bitten, dass die Finanzkrise möglichst schnell an uns vorüberzieht, oder um einen sicheren Arbeitsplatz, um eine Gehaltserhöhung, um ein Kind, um die ersehnte Beziehung, um den Klassenerhalt unserer Fußballmannschaft oder die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb. Wir könnten dann von einem neuen Wirtschaftswunder sprechen oder vom Wunder in Frankfurt für den HSV. Vielleicht wird beides nicht eintreten. Aber die Hoffnung darauf verschönert die manchmal grausame Realität: Kündigung, Abstieg, Einsamkeit.

Es gibt Menschen, die an Wunder und an Engel glauben. Haben sie vielleicht recht? Das Journal hat sich auf die Suche nach diesen Phänomenen gemacht und versucht Erklärungen zu finden. Denn Wunder geschehen bekanntermaßen immer wieder. Hoffentlich auch in Frankfurt am Main.

Ihre Journal-Redaktion

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