Mythologie: Neuentdeckung einer Identifikationsfigur

Das Prinzip Kassandra

Christa Wolf wird 80. In ihrer wegweisenden Erzählung machte sie eine 3000 Jahre alte Seherin zur ersten "modernen Frau". Noch heute identifizieren sich Frauen mit dieser Unglücksfigur: wegen ihrer Würde, Freiheit und Integrität.

Am 18. März wird Christa Wolf 80 Jahre alt. Ein schöner Grund, zurückzuschauen auf die Wirkung dieser Schriftstellerin. Denn keine literarische Figur, keine weibliche, keine männliche, hat in den letzten 30 Jahren bei uns so stark gewirkt wie ihre "Kassandra". Dank Wolfs Umdeutung dieses Mythos erkannten sich Frauen jeden Alters wieder in der verfluchten Seherin, der niemand glaubte. Wolfs Erzählung wurde nicht nur viel gelesen, heiß geliebt und von der Presse gefeiert. Sie bestimmte seit den Frankfurter Poetikvorlesungen "Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra" im Jahr 1982 die öffentliche Diskussion, 1983 erschien das Buch dann bei Luchterhand. Die Universitäten setzten sich mit weiblicher Ästhetik auseinander, die Wolf neu begründet hatte. Theaterstücke entstanden, mit Anne Bennent als Kassandra sogar noch 14 Jahre später. "Kassandra" war ein Kultbuch. Wodurch wirkten dieses Werk und seine Autorin so stark? Warum identifizierten sich Frauen überhaupt mit einer uralten Unglücksfigur? Und: Was bleibt?

Der Bogen aus der Mythologie ins Heute war gespannt "Hier war es. Da stand sie. Diese steinernen Löwen, jetzt kopflos, haben sie angeblickt. Diese Festung, einst uneinnehmbar, ein Steinhaufen jetzt, war das letzte, was sie sah. (...) Nah die zyklopisch gefügten Mauern, heute wie gestern, die dem Weg die Richtung geben: zum Tor hin, unter dem kein Blut hervorquillt. Ins Finstere. Ins Schlachthaus. Und allein. Mit der Erzählung geh ich in den Tod."

Das sind die ersten Sätze in Wolfs Erzählung. Das erzählerische Verschmelzen der modernen Autorin und Frau Wolf mit der mythologischen Figur und Frau Kassandra steht für jene weibliche Ästhetik, die nun tonangebend wird. Dies war ein Buch über eine Frau von einer Frau für Frauen. Darin war der Bogen gespannt aus dem trojanischen Krieg um 1200 v. Chr. bis in die Jahre um 1980. Diese Jahre um 1980 waren bestimmt durch die atomare Aufrüstung. Viele rechneten damit, dass dieses "Megatonnen- und Megatotenspiel" - so Fritz J. Raddatz 1983 in der "Zeit" - nicht enden würde denn als Krieg. Wolf schreibt in ihren "Voraussetzungen": "Europa hat, wenn es nicht damit beginnt, eine vollkommen andere Politik zu betreiben, noch eine Gnadenfrist von drei, vier Jahren." Was dann tatsächlich kam, war kein Atom-Krieg, sondern zuerst die atomare Verseuchung durch Tschernobyl, dann Gorbatschows Ausstieg aus dem Wettrüsten und der Zusammenbruch des Sowjetreiches, eingeläutet durch den Fall der Berliner Mauer. Doch Wolfs "Kassandra" entstand, als dieses Ende des Wettrüstens nicht in Sicht war. Und die Geschichte der Kassandra ist ebenfalls die Geschichte eines Krieges.

Sie, die Gefangene, nahm mich gefangen Christa Wolf liest Aischylos' "Orestie", als eine der wichtigsten Quellen für den Mythos um Kassandra, 1980 auf einer Reise nach Griechenland. Dort sitzt Kassandra auf dem Siegeswagen neben Agamemnon - als dessen spektakulärste Kriegsbeute. Über diese erste Berührung mit der mythologischen Frau berichtet Wolf in der ersten Vorlesung: "Sie, die Gefangene, nahm mich gefangen, sie selbst Objekt fremder Zwecke, besetzte mich. (...) Der Zauber wirkte sofort. Ich glaubte ihr jedes Wort. Das gab es noch: bedingungsloses Vertrauen. Dreitausend Jahre weggeschmolzen. So bewährte sich die Sehergabe, die ihr der Gott verlieh, nur schwand sein Richtspruch, dass ihr niemand glauben werde. Glaubwürdig war sie mir in einem andern Sinn: Mir schien, dass sie als einzige in diesem Stück [des Aischylos] sich selber kannte." Dass Kassandra erschlagen wird und dass sie es vorhersieht, ist eine der mythologischen Vorgaben. Doch Wolfs Figur wird über jede Vorgabe hinaus eigenständig, selbstbewusst und wahr, authentisch und für uns Heutige deshalb nachvollziehbar. "Authentisch" bedeutet "zuverlässig, richtig" und leitet sich im Griechischen vom Subjekt "Urheber" ab. Ist eine authentisch, dann denkt und handelt sie in guter, klarer Verbindung mit ihrem Innern: Das war für uns Leserinnen nicht nur nachvollziehbar, sondern so wollten wir auch sein.

Das Schicksal der Frau für 3000 Jahre vorgeformt Was war von Kassandra überliefert? Sie bekam die Sehergabe von Apoll, dem Gott des Orakels. Als sich Apoll ihr daraufhin als Mann näherte, wie es zwischen ihnen vorher abgesprochen war, verweigerte sie sich ihm. Daraufhin verwandelte er seine Gabe in einen Fluch: "Du sollst die Zukunft sehen, aber niemand wird dir glauben." Kassandra wird deshalb aufgrund ihrer Voraussagen für wahnsinnig erklärt und während des trojanischen Krieges sogar in den Kerker geworfen. Sie wurde an einen befreundeten König als Gegengabe für dessen Militärhilfe verheiratet, obwohl sie Priesterin war. Nach der Zerstörung Trojas wurde sie als Kriegsbeute Agamemnon zugesprochen. Zurückgekehrt nach Mykene, werden beide von dessen Frau Klytämnestra erschlagen, weil sie seine Sklavin ist. Wolf schreibt in ihrer dritten Vorlesung: "In Kassandra ist eine der ersten Frauengestalten überliefert, deren Schicksal vorformt, was dann dreitausend Jahre lang den Frauen geschehen soll: dass sie zum Objekt gemacht werden." Wolfs Idee war, den Mythos zurückzustricken auf die Frau Kassandra: Wie diese Frau gewesen sein mochte vor ihrer Mythologisierung durch den Mann. Christine Brückner veröffentlicht ebenfalls 1983 ihren Essayband "Wenn du geredet hättest, Desdemona". Sie gibt Figuren wie Effi Briest und Klytämnestra Sprache, aber auch historischen Frauen wie Katharina Luther, Christiane von Goethe und Gudrun Ensslin. Eine weibliche, literarische Linie war begründet. Buchreihen wie "Die Frau in der Gesellschaft" entstehen. Die "Neue Frau" verkauft sich gut.

Kassandra zwischen Matriarchat und Patriarchat Die Geschichte der Kassandra bei Christa Wolf liest sich so: Die Königstochter Kassandra wird noch hineingeboren in eine matriarchalische Welt. Ihre Mutter, die Königin Hekabe, hat also das Sagen. Derem klugen Denken schmiegt sich der Vater und König Priamos gern an. Bereits Jahre vor dem eigentlichen trojanischen Krieg allerdings verändert sich das. Kassandra wächst heran, während um den gutmütigen, jedoch schwachen Priamos eine Gruppe entstehen kann, die Hekabe und die matriarchalische Kultur aushebelt. Stattdessen wird ein brutaler Überwachungs- und Machtapparat installiert. Mit den neuen Machthabern genau wie mit ihrem Vater gerät die inzwischen erwachsene Priesterin Kassandra immer heftiger aneinander, bis sie für Monate in den Kerker geworfen wird. Nun gehört auch sie zu den Abhängigen, Unterdrückten. Doch damit ist ihre Geschichte nicht zu Ende. Wolf bemerkt in der dritten Vorlesung: "Sie [Kassandra] 'sieht' die Zukunft, weil sie den Mut hat, die wirklichen Verhältnisse der Gegenwart zu sehen. Das schafft sie nicht allein. Unter den heterogenen Gruppen im Palast und um ihn - sozial und ethnisch heterogen - findet Kassandra Anschluss an Minderheiten. Dadurch begibt sie sich bewusst ins Abseits, entledigt sich aller Privilegien, setzt sich Verdächtigungen, Verhöhnungen, Verfolgungen aus: der Preis für ihre Unabhängigkeit. Kein Selbstmitleid; sie lebt ihr Leben, auch im Krieg. Versucht, den Spruch aufzuheben, der über sie verhängt ist: dass sie zum Objekt gemacht werden soll." Diese Figur spiegelt demnach nicht nur die Ängste, Schwächen und bitteren Erfahrungen von Frauen wider. Sie spiegelt auch deren Sehnsüchte und Stärken.

Die Sehnsucht der Frau - diesmal nicht nach dem Mann Klare Sprache, selbstverantwortliches, kreatürliches Handeln, Gemeinschaft Gleichgesinnter, Freundschaft, Naturverbundenheit, Wahrhaftigkeit - all das entwickelt und findet Kassandra in der Gegenwelt am Skamandros, des Flusses in den Hügeln um Troja. Die Gruppe vor allem aus Frauen jeden Alters ermöglicht etwas von gelingendem Leben. Kassandra fasst zusammen: "Das Glück, ich selbst zu werden und dadurch den andern nützlicher - ich habe es noch erlebt." Wolf versteht die Entwicklung ihrer Figur als Befreiung auf das Eigene hin. Dazu gehört weibliches Bewusstsein als vernetztes Denken und Fühlen, am besten in alle Richtungen zugleich. Und die Fähigkeit, sich selbst treu zu bleiben und für die eigene Wahrheit einzustehen, entgegen eigener Ängste genau wie entgegen äußerer Bedrohung. Kassandra wird autonom. Für Wolf wird die uralte Seherin und Warnerin zur Identifikationsfigur. Stefan Neuhaus schrieb in literaturkritik.de im April 1999 über "subjektive Authentizität" als schriftstellerische Haltung der Wolf. Wolf versucht dabei, "(...) persönliche Erlebnisse und gesellschaftliche Entwicklung in der literarischen Darstellung zu verbinden, zu objektivieren und einem größeren Publikum näherzubringen." Der Versuch ist gelungen. Ihr Blick zurück ist dabei der Blick nach vorn: auf die Kräfte und Möglichkeiten in der Frau für die Welt.

Wolf wollte sich einmischen mit ihrer Kassandra Helmut Böttiger berichtet anlässlich eines Interviews mit Christa Wolf für die "Frankfurter Rundschau" im März 2000 von seinen Erfahrungen mit der "Kassandra": "Die Resonanz war ungeheuerlich. Ich war 1982 bei Ihren Frankfurter Vorlesungen, und etwas in dieser Form habe ich nie mehr erlebt. Das hatte fast etwas Religiöses, das war eine Art Anbetung. (...) Sie [Wolf] waren eine Integrationsfigur, die weit über das Literarische hinausging." Wolf antwortet: "Offenbar war und ist der Hang nach Identifikationsfiguren sehr stark. Da wurde eine Sinnstiftung erwartet, die Literatur zum Teil auch gibt." Nicht nur Frauen sahen in den 80ern die Kriegsgefahr, sondern auch Männer. Aber Frauen lebten in einer Männergesellschaft und kannten von daher die Hilflosigkeit wider besseren Wissens in anderer kultureller und psychologischer Breite, nämlich ganz alltäglich. Das Aktuell-Politische und das Kulturell-Historische legten sich in der Frau Kassandra exemplarisch übereinander: Kassandra wurde zur ersten modernen Frau. Wolf sagte im Interview mit Böttiger außerdem: "Es spielt sicher eine Rolle, dass ich mich - in literarischer Form, natürlich, in andere Figuren verlegt, verhüllt und beschützt - auch selbst offenbare. Es geht immer um eine Auseinandersetzung mit mir selbst, mit Zweifeln und Erschütterungen." Wolf will als Autorin in ihren Figuren sichtbar bleiben, dieses Angebot machen die meisten modernen Autoren nicht mehr. "Meine Haltung ist aufklärerisch", sagt sie anlässlich ihres 70. Geburtstages 1999 in der "Zeit". Wolf mischt sich mit ihren Werken ein in die Gegenwart. Sie will sich einmischen. Damit trifft sie auf empfindliche Punkte bei ihren Lesern. Doch anstatt Lesende abzuschrecken, schafft sie es, sie einzuladen in das Wagnis, sich selbst einmal von anderer Warte aus zu betrachten, und zwar durchaus auch als starke Frau.

Kassandra als Heldin Wolfs Kassandra ist in einer lebensgefährlichen Situation von heldenhafter Tapferkeit im besten Sinn: Wehrlose zu retten. Wir befinden uns mit ihr fast am Ende des zehnjährigen Krieges. Achill hat gerade zwölf trojanische Gefangene hingeschlachtet, um sie als Opfer bei der Totenfeier seines innigsten Freundes zu verbrennen. Unter den Gemordeten sind zwei Brüder Kassandras. Die Trojaner hören die Schreie der zu Tode Gemarterten, sehen die Scheiterhaufen brennen. Ein Trupp trojanischer Krieger stürmt zu den griechischen Gefangenen in den Kerker. Kassandra erzählt: "Eines der Palastmädchen holte mich. Ich trat in den Keller, der nach Moder, Schweiß und Exkrementen stank. In zitternder Stille standen die Troer und die gefangnen Griechen sich gegenüber, zwischen ihnen der Abgrund eines Schrittes, über dem Abgrund der Troer blanke Messer. Da trat ich, ohne Priesterkleid, in diesen schmalen Zwischenraum, ging ihn, vom heißen Atem der Griechen, von den kalten Messern der Troer gestreift, Schritt für Schritt entlang, von der einen Wand zur andern. Alles still. Hinter mir sanken die Messer der Troer. Die Griechen weinten. Wie liebte ich meine Landsleute. Paris vertrat mir den Ausgang. Du also, Priesterin, gestattest meinen Leuten nicht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. - Ich sagte: Nein." Kassandra unterbricht die unheilvolle Vergeltungskette: Sie hält ihre rasenden Landsleute in Schach. So stark, das heißt, so wirkungsvoll, war Kassandra bisher noch nie gewesen, und sie wird es auch danach nicht noch einmal sein. Aber die Stärke, der Mut zu solchem Tun stecken in ihr.

1990: Der Literaturstreit um Christa Wolf "Nachdenken über Christa T." brachte Christa Wolf 1968 in Konflikt mit der DDR-Zensur und machte ihr bei uns einen Namen. Mit ihr wurde die DDR-Literatur im Westen hoffähig. Autorinnen wie Brigitte Reimann, Maxie Wander, Sarah Kirsch und Irmtraud Morgner folgten. Wolfs "Kindheitsmuster" (1977), "Kein Ort. Nirgends" (1979) gingen der "Kassandra" voran. Jedoch keines ihrer vielen Bücher, auch nicht die ebenfalls mythologisch verankerte "Medea" (1996), hat gewirkt wie "Kassandra". Christa Wolf hat europaweit die großen Literaturpreise erhalten, sie wurde vor der Wende für den Nobelpreis gehandelt. Sie war die größte, allerorten geachtete Autorin der DDR.

Nach der Veröffentlichung ihrer Erzählung "Was bleibt?" (1990) tobte ein erbitterter Streit. Aber, wie Wolf Biermann 1990 in der "Zeit" schrieb: "Es geht um Christa Wolf, genauer: Es geht nicht um Christa Wolf", handelte es sich letztlich um einen Literaturstreit. Wolf wurde stellvertretend für die Autoren angegriffen, die in der DDR geblieben waren und geschrieben hatten. Ihnen wurde vorgeworfen, ein unmenschliches System gestützt zu haben. Die Legitimation ihres Schreibens sowie der Wert ihrer Werke wurden infrage gestellt. Die Schärfe dieses Streits um Literatur und ihre Aufgaben konnte wohl nur anhand einer Autorin stattfinden, die dieses Renommee besaß. Das Verhältnis zwischen Ästhetik und Moral, Literatur und gesellschaftlichem Engagement stand auf dem Plan. Es ging auch um die Glaubwürdigkeit der linken Intellektuellen nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Welt - und natürlich um Literatur für Frauen.

Was bleibt? In seinem "Zeit"-Artikel vom 25. März 1983 fasste Raddatz zur "Kassandra" zusammen: "Ist Christa Wolfs Troja nun rückgewandte Beschreibung, Modell für eine Utopie - oder Menetekel? Was für ein Bild gibt die Zärtlichkeit ihres Umgangs mit der von den Zeitgenossen verächtlich gemachten Königstochter frei? Sicherlich das der Würde, der moralischen Freiheit, der Integrität - das Bild wurde zu einem ,portrait imaginaire', auf dem die Konturen beider Frauen ineinander übergehen." Würde, Freiheit und Integrität: Danach sehnten sich Frauen, als "Kassandra" erschien, und die Wolf stand für diese Werte genauso wie ihre Figur. Die mythologische Unglücksfigur der Kassandra mit ihrem Scheitern wirft Schlaglichter auf das Schicksal der Frau, wie die Frauen selbst es 1980 noch verstanden haben. Vieles wurde deutlich, was viele bis dahin eher dunkel gefühlt haben mögen: Wie abhängig sie als Frauen bei uns auch immer noch waren, wie benachteiligt. Alice Schwarzer hatte längst dasselbe benannt, aber Wolfs Kassandra sprach den Frauen aus der Seele: Sie stand vor dem Löwentor in Mykene und sprach es aus, und lebte, erlebte es stellvertretend für sie alle. Christa Wolf schafft aus der Ohnmächtigen, Scheiternden, Unglückseligen eine Figur, an die sich moderne Frauen anschmiegen können. Wolf ehrt die mythologische Frau, indem sie Kassandra in schlüssiger Weise kämpferisch, verletzt und liebesfähig auf das bezeichnete Ende zugehen lässt. Wolf schreibt in ihrer zweiten Vorlesung: "Also Übertragung eines gegenwärtigen Wunschbildes auf eine mythologische Figur, die so nicht gewesen sein kann? Gewiss. Was denn sonst." Deshalb war dieses Buch ein Kultbuch, und seine Autorin wurde verehrt: Sie hatte das Wunschbild einer neuen Frau entworfen.

Was haben wir Frauen erreicht in den fast 30 Jahren seither? Haben wir uns mehr Würde, Freiheit, Integrität abgetrotzt? Ja, haben wir. Aber sind wir, die wir inzwischen 40, 50 und 60 Jahre zählen, unseren jüngeren Frauen Vorbilder mit unserer Art zu leben, mit den Entscheidungen, die wir getroffen haben? Eigentlich wäre es einmal wieder an der Zeit, dass eine literarische Figur wie die wolfsche Kassandra uns alle, Jung wie Alt, aufschreckt, erfrischt, wachrüttelt - und nach dem letzten Börsenkrach am besten die Männer gleich mit.

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