Sommer: Die Rückkehr des Overalls

Der Anzug für alle Fälle

In den 70ern war er schon mal in Mode. Nun ist der Einteiler zurück: Hauteng oder oversized, lang oder kurz, aus Seide oder Jeans, bunt oder uni - und in jedem Fall bequem. Trotzdem ist nicht jeder gleich von ihm überzeugt.

Kaum ein Kleidungsstück spaltet die Meinungen so wie der Overall. Für die einen gibt es nichts Grässlicheres, außer vielleicht einen Overall mit Schulterpolstern. Die anderen lieben ihn abgöttisch. Letztere haben wahrscheinlich auch ein breites Sortiment an Leggins in allen erdenklichen Farbnuancen in ihrer Kommode liegen.

Klar, so ein Überanzug hat schon seine Vorteile: Er schützt den Träger und seine Kleidung. Vor Schmutz zum Beispiel oder tödlichen Viren. Öffnungen sind auf das Nötigste reduziert, denn Trennstellen zwischen einzelnen Kleidungsstücken gibt es nicht. So gelangt nichts Unliebsames an die Haut.

Der Einteiler bietet maximale Bequemlichkeit bei maximaler Beweglichkeit und Sicherheit. Piloten, Taucher, Mechaniker, Rennfahrer, Babys, Laboranten, Catwoman und die Drei von der Tankstelle tragen ihn. Können sie alle irren? Ein Overall ist für alle Fälle der richtige Aufputz. Fürs Büro, auf der Party oder unter dem Auto.

Er spart Zeit. Kein Grübeln vor dem Kleiderschrank, welches Oberteil zum Rock passen könnte. Wie viel Zeit Sie sparen würden, wenn Sie sieben Overalls hätten. Für jeden Tag einen. Und der ganze Platz im Schrank. Wirklich, kein Kleidungsstück ist praktischer.

Unter ihm lassen sich sogar Speckröllchen verstecken. Allerdings hat der Overall in dieser Hinsicht auch seine Grenzen, wie Hella von Sinnen nur allzu deutlich machte. "Alles nichts oder?!" sah man sich doch nur an, um das neueste schrille Ganzkörpermodell der Ulknudel zu bestaunen. 15 normale und 40 Showoveralls besitze sie, sagte Hella von Sinnen in einem Interview. Schlank wirkte sie in keinem. Ganz so schrill wie ihre Modelle muss es ja auch nicht sein, außer Sie müssen in einer Einkaufsmeile Handzettel verteilen und wollen unbedingt auf sich aufmerksam machen. Dann aber bitte gleich mit dem Schlachtruf "Tschacka-Tschacka". Der Overall steht auch nicht erst seit Hella von Sinnen für Emanzipation. Schon im Zweiten Weltkrieg trugen Frauen den Arbeitsanzug.

Der Begriff Overall kommt übrigens aus dem Englischen: over all. Zu Deutsch: über alles, über allem. Und das ist in dieser Saison wörtlich zu verstehen.

Es kommt nur auf das richtige Styling an. Arme und Hosenbeine hochkrempeln, High Heels an, und schon wird aus dem vermeintlichen Blaumann ein sexy Partyoutfit. Accessoires wie Gürtel und Ketten werten einen simplen Overall auf, aber auch solo überzeugt er. Edel wirkt er in Satin, sportlich in Jeans oder sexy mit superkurzem Bein oder trägerlos. Er kommt in leuchtenden Farben daher oder für den Safarilook in Erdtönen. Gürtel oder Tuch um die Taille - perfekt fürs Büro. Wer es lässiger mag, trägt ihn aufgeknöpft mit einem Träger-Shirt drunter.

Gibt es nur noch eins zu sagen: Nicht zu viel trinken. Denn bei einer Sache ist er dann doch etwas unpraktisch.