Gätjen trifft ...

Pascal Funke: Firmenchef in Vater-Sohn-Tradition

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Foto: Patrick Piel

Pascal Funke hat das väterliche Imperium aus Konzertkasse und Tourneeveranstaltung vor fünf Jahren übernommen - per Handschlag.

Hamburg. Eins ist sicher: Wo ein geschwungenes "f" wie Funke draufsteht, steckt auch ein echter Funke drin. Wie bei diesem Siegelring, den Pascal Funke trägt, seit er 16 ist. Voller Stolz auf die väterliche Firma und sicher, dass er da eines Tages einsteigen würde. Chef ist er geworden, und den Ring trägt er heute noch. Aber nur im Büro des Firmenimperiums aus Funkemedia, Funke Konzertkassen und Dr. Goette, das unter den wenigen noch unabhängigen Tourneeveranstaltern zu den ganz Großen gehört. Mit 300 Konzerten pro Jahr, 100 Mitarbeitern, Millionenumsätzen.

Vor fünf Jahren hat er es vom Vater übernommen. Per Handschlag, wie bei den Funkes so üblich. Unser Wort zählt - das wurde ihm früh eingetrichtert. Und noch einiges mehr: dass ein Funke nicht durchfällt - bei der Führerscheinprüfung. Dass ein Funke nicht immer der Beste, aber auf jeden Fall besser als der Durchschnitt sein muss - beim Abitur. Dass ein Funke nicht zum Minderheitsgesellschafter im eigenen Unternehmen taugt - bei der Entstehung großer Firmenkonglomerate.

Wenn man den Sohn trifft, kommt man am Vater nicht vorbei. Er lebe ja auch in der Tradition seines Vaters und habe ihn auch nie als übermächtig empfunden. Er sei dessen Gedröhne und Gepolter einfach ausgewichen. Schon als Kind. Tauchte bei den Nachbarn unter, bis abends der Dampf abgezogen war. Und habe das Mitsegeln im Windschatten des Vaters nie als Manko empfunden, sondern als glückliche Konstellation, um richtig hineinwachsen zu können ins Geschäft.

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm gewiss nicht, diesem Pascal Funke. Ein leicht ergrauter Sonnyboy, gerade vor wenigen Tagen "krisenfrei" 40 geworden, mit Grübchen im Kinn und Stoppelbart drüber. Er hat es leicht gehabt im Leben. Als "Hätschelkind" von Mutter und Haushälterin. Ein kleiner verwöhnter Prinz. Zum Horror des als Halbwaise und in bitterer Armut aufgewachsenen Vaters. Ellbogen habe er trotzdem, sagt Pascal Funke schnell. Aber ohne Sägeblätter. Er sei Kopf-, kein Bauchmensch. Und habe auch keinen. Trotz absoluter Sportabstinenz. Und ein Einzelkämpfer sei er auch nicht, sondern ein Teamplayer. Mit Schuhgröße 43½. Eineinhalb Nummern größer als die des Vaters. Also nichts mit Reinwachsen-Müssen und so. Und trotzdem kommen wir nicht von ihm los. Diesem Patriarchen, der sich von seinem ältesten Enkel stolz und gerührt Opa Dickus nennen lässt.

Und so lassen wir ihn weiter um uns herum spuken. Den Alten. Der Junge lästert liebevoll über ihn, seine Marotten, seine stadtbekannte Schlitzohrigkeit, sieht sich an derselben Front kämpfen: der Schnittstelle zwischen Künstler und Publikum. Aber mehr als heimischer Dienstleister denn als Impresario auf dem internationalen Markt. Mit Hans Klok, Ingo Pohlmann, Helmut Lotti, Tim Mälzer und Ina Müller im Programm.

Wie war das noch mal mit den Buddenbrooks, seinem Lieblingsbuch, das er zweimal gelesen hat? Ich weiß schon, worauf Sie hinauswollen, sagt er. Lehnt sich bequem zurück. Also, in der ganz großen Liga, bei Rolling-Stones-Tournee-Auktionen etwa, wollen und können sie nicht mitspielen. Aber in der Bundesliga seien sie perfekt. Und von den Buddenbrooks könne man lernen, dass Geschäftsmodelle einen Lebenszyklus haben, der sich verändert und dem man sich anpassen muss, um nicht unterzugehen.

Ein Rebell ist er nie gewesen. Wozu auch? Es lief alles mehr als passabel: der sechste Geburtstag in der ersten Reihe bei Otto Waalkes mit Freunden; der gute Stand bei Mitschülern dank immer verfügbarer Kartenkontingente. Und dann diese Traumhochzeit mit seiner Silvia. Auf der Hochzeit regnete es Rosen vom Himmel. Vom Vater arrangiert. Wie die Ehe? Na, na, sagt Pascal Funke.

Einmal, sagt er plötzlich, habe er doch rebelliert. Dieser Dauerclinch mit dem Pastor bei der Konfirmation. Um die Geschichte vom verlorenen Sohnes ging es, der einfach ab- und sein Geld auf den Kopf haut, zurückkehrt und trotzdem noch einmal die Hälfte vom Erbe kriegt. Das sei doch nicht gerecht, das verstehe er heute noch nicht! Sie brauchen ja Fehler, unterbricht er sich plötzlich. Hier haben Sie endlich mal einen. Außerdem sei er total unbegabt. Könne nicht singen, malen, musizieren, tanzen. Ein Kosmopolit sei er auch nicht. Habe Hamburg nie für längere Zeit verlassen. Aber die Firma expandiere jetzt immerhin schon bis nach Braunschweig! Und selbst nach 40 Sommern in der Familienvilla am Gardasee kann er sich gerade mal radebrechend das Essen bestellen.

Dann regt er sich noch kurz auf darüber, dass die Stadt die Elbphilharmonie mit einem eigenen Konzertveranstalter bestücken will. Über die Frau an der Spitze in Berlin ("Indiskutabel, ohne erkennbare Führungs- und Gestaltungskraft"). Über die geplante Schulreform. ("Erledigt, Gott sei Dank!").

Selbst im Gehen redet er noch. Bis zu der weißen Villa an der Alsterterrasse. Hier gehöre ich hin, sagt er stolz. Richtig. Es steht ja auch Funke drauf. Funke mit dem geschwungenen "f".