Zu zweit mit Claus-Günther Budelmann

Der diskrete Charme des Bankiers

Claus-Günther Budelmann pflegt eine dezenter und sehr hanseatische Art von Untertreibung - und er ist ein begnadeter Netzwerkknüpfer.

Hamburg. Er ist ein schwieriger Fall. Für den Schneider und Schuster. Er habe zu kurze Arme, Beine und einen gewölbten Spann. So was sagt er gern. Mit dieser für ihn typischen Mischung aus britischem Humor und genauso viel britischem Understatement. Einer dezenten und auch sehr hanseatischen Art von Untertreibung, bei allem was er treibt und ihn antreibt. Claus-Günther Budelmann, Bankkaufmann, Gesellschafter der ältesten deutschen Privatbank, der Berenberg Bank am Neuen Jungfernstieg, Britischer Honorarkonsul, großzügiger Mäzen und Inhaber so zahlreicher Ehrenämter, dass sie selbst eine ausrollbare Visitenkarte sprengen würden.

Er gilt als begnadeter Netzwerkknüpfer, dieser Mann, den die britische Königin 2004 zum Honorary Member of the Order of the British Empire ernannte. Auf Letzteres ist er verhalten stolz, das andere hasst er. Das rieche zu sehr nach Planung. Bei allem. Wer sitzt auf welchem Posten, wer kann mir nützen, und wie agiere ich da am besten. Nach Leuten, die bei jedem Gespräch über die Schulter schon nach dem Nächsten schielen, der vielleicht wichtiger und bedeutender sein könnte. Das liege ihm nicht. Ginge ihm genauso ab wie Intrigieren und Mobben. Für ihn sei Sympathie und Glaubwürdigkeit wichtig. Und ja, er sei einfach gesellig, habe Spaß an Menschen und liebe seinen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Und er rede gerne, sagt er entschuldigend, das sage seine Frau immer und selbst sein Sohn.

Claus-Günther Budelmann ist ein heiterer, offener und warmherziger Gesprächspartner. Ein Fundus an amüsanten Anekdoten und diskret in Nebensätzen versteckten Seitenhieben. Gebremst boshaft, versteht sich. Und so ist es schlicht ein Vergnügen mit ihm an diesem strahlend schönen Morgen. Hier in der hanseatischen Hochburg britischer Lebensart, dem Anglo German Club am Harvestehuder Weg, dessen Präsident er ist. Der Himmel wolkenlos, die Alster glitzernd. Es gibt Kaffee, Wasser, Teegebäck. Und im Hintergrund lärmend-krächzende Krähen. Wie ein Hinweis darauf, dass doch nicht alles so glatt und schier ist, wie es gerade scheint. Schon das Wort Banker hat einen bitteren Beigeschmack, oder? Ja, sagt Claus-G. Budelmann. Das Berufsbild habe nicht zu Unrecht erheblichen Schaden genommen. Aber verstecken müsse er sich nicht. Als gelernter Bankkaufmann und Banker einer Privatbank, die sich aus "all dem Schlamassel" herausgehalten habe. Seit Jahresbeginn ist er nicht mehr persönlich haftender Gesellschafter. Kein Bankier mehr. Diese feinen Abstufungen! Aber Gesellschafter ist er noch, mit Büro und Sekretärin, ohne operativ engagiert zu sein. Und am Bankhaus an der Binnenalster hängt auch eine eindrucksvolle Version des Wappens des britischen Königshauses und dem Motto des königlichen Hosenbandordens: Honi soit qui mal y pense - ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Ein Brückenbauer zwischen Deutschland und Großbritannien ist er, Ansprechpartner für die knapp 5000 in Hamburg lebenden Briten. Als vor drei Jahren das britische Generalkonsulat aus Kostengründen in Hamburg geschlossen wurde, trug der britische Botschafter ihm den ehrenvollen Posten des Honorarkonsuls an. Auf dem Golfplatz. Ihm, dem Luxemburgischen Honorarkonsul. Ein Problem, das er elegant nach Budelmannscher Art löste, gleich einen Nachfolger präsentierte. Den Unternehmer Hermann Ebel.

Und dann sind wir bei der Queen und Michelle Obama. Ihrem vermeintlichen Fauxpas auf dem G20-Gipfel, als die Ehefrau des US-Präsidenten der Queen allzu nahe kam. Ihr den Arm um die Hüfte legte. Höchst unbotmäßig, sagt Claus Budelmann. Zu vertraulich, respektlos. Und das, wo sie doch sicher genau instruiert worden sei, wie man sich zu verhalten habe. So wie er beim Empfang bei Prince Charles in London. In Stahlstich bekam er die genaue Beschreibung, wie oft "Your Royal Highness" zu sagen sei und wann einfach nur noch "Sir". Der Prinz sei ein fantastischer Mann, mit wunderbar britischem Humor eben. Und nein, überhaupt nicht dödelig, ich bitte Sie, Frau Gätjen. Über den ältesten Sohn, Prinz William, reden wir noch ein bisschen. Wie nett, bescheiden und herzlich er sei. Über seine beiden Begegnungen mit der Queen. Von Weitem nur. 1965 als Lehrling vom Dach des Bankhauses aus mit Blick auf den Rathausmarkt. Zwei Jahre später als Hospitant in London bei Polospielen, wenn sie in den Pausen zusammen mit anderen Zuschauern in Reih und Glied die Grassoden festtrat.

Doch zurück zu Claus-Günther Budelmann, den das "Handelsblatt" einen zufällig in Hamburg geborenen Briten nannte. Das passe, sagt Claus Budelmannn lachend. Was den Geburtsort betreffe. Damals in den letzten Kriegsjahren. Sein Vater, der renommierte Internist, Uniprofessor und späterer Chef des Krankenhauses Harburg, hatte seine Ehefrau mit den drei Söhnen in die Lüneburger Heide ausquartiert. Zur Geburt des vierten Sohnes machte sie sich in die Finkenau auf. Was für ein Glück, rückwirkend betrachtet, sagt er lachend. Sonst wäre er, der perfekte Hanseat und totale Großstädter, vielleicht ... in einem niedersächsischen Dorf ... nicht auszudenken.

Am Loogestieg in Eppendorf wächst er auf. In dieser riesigen Altbauwohnung mit dem langen Flur, auf dem die Kinder Fahrrad fahren. Mit Trümmergrundstücken, leeren Straßen zum Kibbel-Kabbel und Fußball spielen, das Rumtoben im Schröders Park beim Kellinghusenbahnhof. In der Schule ist er gut, hat eine allzu flotte Zunge manchmal und dann den totalen Leistungsabfall, als er im Club an der Alster seine Liebe zum Tennis und Hockey entdeckt. "Vier Jahrzehnte Linksaußen." - Im Ranking auf die letzten fünf Plätze abrutscht, das Abitur nur in zähem Durchlauf schafft.

Sein Vater findet, dass er "eine handliche Form" braucht, bringt ihn bei seinem Freund, dem Baron Berenberg, in dessen Privatbank unter. So habe alles angefangen. Auch wenn er sich nach den ersten Monaten geschworen habe, wenn er die Lehrzeit überlebe, würde er nie wieder eine Bank betreten. Doch der enge Kontakt zu den Altvorderen, wie er seine beiden damaligen Chefs noch heute respektvoll nennt, und der von ihnen verordnete Auslandsaufenthalt in London helfen. In London tobt das Leben Ende der Sechzigerjahre. Ein krasser Gegensatz zu seiner heilen Hamburger Welt. Mit 100 Pfund und zwei Anzügen mischt er mit. Dank englischen Freunden aus den "richtigen" Familien an den "richtigen" Stellen. Polospiele in Windsor, Cocktailpartys, Theater, Ausstellungen, die Oper. Er möchte bleiben. Der Baron ruft ihn zurück. Der Kontakt nach London und die Liebe zu allem Britischen aber haben Bestand. Und auch der Hang zum Konservativen. Oder, sagt er, sollte ich etwa einer aussterbenden Generation angehören? Also, er hasse dieses ganze E-Mail-Geschreibe, vor allem mit dem Zusatz "Kopie an alle". Sieht das persönliche Gespräch bedroht, den Kontakt von Mensch zu Mensch. Lobt seinen kleinen Taschenkalender mit sämtlichen Terminen und Telefonnummern und warnt vor den vor-sich-hin-googelnden Schülern, die damit jeden Lehrer aus dem Tritt bringen. Dieser Mann ist einfach nicht zu bremsen. Und so lassen wir es einfach wohlig vor sich hin fließen. Unser Gespräch. Stoppen kurz bei der langen Liste seiner Ehrenämter. Von der Hamburger Literaturstiftung zum Club an der Alster, vom Förderkreis des Universitätsklinikums Eppendorf über den Beirat vom Mammazentrum zum Tierpark Hagenbeck, dessen Ehrenelefantenmann er auch ist. Er, der Elefantensammler. An die zwanzig Ehrenämter sind es. Und zu jedem gibt es eine kleine Geschichte von großem Unterhaltungswert. Halt, halt. Nur dieses noch, sagt er, weil er daran so hänge und an dem Ulli Waller auch: der Förderverein des St.-Pauli-Theaters, den er ins Leben gerufen hat und der jetzt auf 350 Mitglieder angewachsen ist. Viel nützen könne er eigentlich nirgendwo so richtig, sagt er dann. Seinen gesunden Menschenverstand einbringen, das vielleicht. Und finanzielle Unterstützung leisten. Er gebe gern. Denn er habe es gut gehabt im Leben.

Was, sagt er plötzlich, ein paar Laster wollen Sie von mir hören?! Weil alles viel zu gut laufe?! Schwierig, schwierig sei das. Vielleicht sei das sein Laster. Er sei lasterlos. Darüber kann er sich sehr amüsieren. Erzählt von seiner Hypochondrie. Jedes Niesen zu viel ein schwerer Grippeanfall. Jeder Schmerz im linken Arm eine drohende Amputation. Von "Downs und Ups" im Leben erzählt er. Von schlaflosen Nächten bei menschlichen Problemen in der Firma. Und anderen Dingen. Weggeweht von einer leichten Alsterbrise. Von gemeinsamen Wanderungen mit seiner Ehefrau im Engadin und dem Sohn, der auch Banker geworden ist.

Vielleicht sei das ja sein Geheimnis, sagt er dann. Er habe einfach keins. Sei einfach nur ein indifferenter, angepasster, aalglatter Schaumschläger. Ach, Herr Budelmann!!

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