Hamburger Geschichte(n)

Gemeinsam aufs Johanneum

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Dierk Strothmann über Lotto King Karl, Gottesfürchtigkeit und zahme Affen

Was haben der Erbauer der Dresdner Oper, Gottfried Semper, der Dichter Friedrich Hebbel, der Hamburger Bürgermeister Carl Friedrich Petersen, sein Namensvetter Wolfgang, der Hollywood-Regisseur, Hockey-Olympiasieger "Büdi" Blunck, Schauspieler Volker Lechtenbrink, Literatur-Papst Walter Jens, der Schriftsteller Ralph Giordano und Gerrit Heesemann, besser bekannt als Lotto King Karl und HSV-Barde, gemeinsam? Nun, sie alle waren Schüler der wohl berühmtesten Schule Hamburgs, des Johanneums.

Es fehlen noch 20 Jahre, dann sind die 500 voll. Am 25. Mai 1529 eröffnete der Martin-Luther-Weggenosse Johannes Bugenhagen in den Räumen des ehemaligen St.-Johannis-Klosters am heutigen Rathausmarkt die erste höhere Schule Hamburgs, nachdem eine von Bugenhagen entworfene evangelische Kirchenordnung verabschiedet worden war, zu der auch eine Schulordnung gehörte. Denn die Reformation änderte vieles, aber nicht den Einfluss der Kirche auf die Erziehung der jungen Menschen.

So musste zum Beispiel der Rektor vom obersten Kirchenmann der Stadt dem Rat vorgeschlagen werden. Religion stand auf dem Stundenplan, aber auch Mathematik, Latein, Griechisch, Hebräisch und vor allem Musik. Bugenhagen wollte, dass die "kindere in musica lustich und wol geovet werden" und setzte damit einen Schwerpunkt. Fast drei Jahrhunderte lang war der Kantor der Schule eine der wichtigsten Führungspersonen der Lehranstalt. Es gab nur acht von ihnen, denn Kantor des Johanneums zu sein war eine Lebensaufgabe. Alle waren namhafte Komponisten und Musiker, zwei allerdings ragen heraus: Georg Philipp Telemann, der von 1721 bis 1767 die Schüler des Johanneums unter die musikalischen Fittiche nahm und sein Nachfolger Carl Philipp Emanuel Bach, Sohn von Johann Sebastian.

Das Johanneum war keine elitäre Schule, in die nur Reiche und Mächtige ihre Kinder schicken konnten, sondern das Schulgeld richtete sich nach dem Einkommen der Eltern, und begabte aber völlig mittellose Schüler erhielten Freistellen. Also: Wer arm, aber intelligent und gottesfürchtig war, hatte durchaus eine Chance auf "höhere Bildung".

Bis 1840 war das Johanneum in den alten Räumen des Klosters untergebracht, dann zog man um in einen Neubau am heutigen Speersort, auf das Gelände des abgerissenen Doms. Wie durch ein Wunder blieb das Johanneum beim Großen Brand 1842 weitgehend verschont, aber schon 1914 fand sich ein neues Quartier, entworfen von Fritz Schumacher, genau da, wo es heute noch ist. In der Maria-Louisen-Straße.

Diese Maria-Louise hieß mit Nachnamen Sierich. Sie war die Frau von Adolph Sierich, dem Ende des 19. Jahrhunderts halb Winterhude gehörte. Dorothea war die Tochter. Die andere Hälfte Winterhudes gehörte Julius Gertig, dem Wirt der Gaststätte Mühlenkamp, der durch zwei Dinge auf sich aufmerksam machte: Er hielt ein paar zahme Affen und gründete 1886 eine Trabrennbahn. Aber das ist wirklich eine ganz andere Geschichte ...

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