Ein deutscher Juwelier macht an einer Raststätte in Bozen eine Pause – und ist danach um 5 Millionen Euro ärmer. Was ist passiert?

Es ist ein Coup wie aus einem Ganovenfilm – und er beginnt mit der wohl teuersten Kaffeepause, die ein deutscher Juwelier je eingelegt hat. Auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise wollte sich der Mann nur mal eben an einer Raststätte auf der Brennerautobahn nahe Bozen einen Espresso genehmigen. Seinen Wagen sperrte er sorgfältig ab, bevor er die Raststätte Eisack Ost an der italienischen A22 betrat. Immerhin transportierte er wertvolle Fracht: In einer Aktentasche im Kofferraum lagerten Edelsteine im Gesamtwert von rund fünf Millionen Euro, die der Händler von einer Fachmesse mitgebracht haben soll.

Einen solchen Schatz lässt man nicht lange unbeaufsichtigt. Aber lange genug, um den Kriminellen Zeit zum Zuschlagen zu geben: Eine Räuberbande, die dem Mann offenkundig schon länger auf den Fersen war, schlitzte ihm die Reifen auf, verschaffte sich Zugang zum Wagen und entwendete die Juwelen, darunter laut Insidern einige besonders wertvolle Diamanten.

Italien: Juwelen im Wert von fünf Millionen Euro gestohlen

Ihre Aktion brachten die Kriminellen laut Medienberichten sehr schnell über die Bühne. Als der Händler kurz darauf zu seinem Fahrzeug zurückkehrte und den Diebstahl bemerkte, alarmierte er sofort die Polizei – doch die Täter waren bereits über alle Berge. Ob es die italienischen oder österreichischen Berge auf der anderen Seite des Brenners waren, ist unklar.

Die Beamten der Fahndungseinheit machten sich sofort an die Auswertung der Aufnahmen, kontrollierten die Aufzeichnungen von Kameras der Autobahnmautstellen und befragten Personen, die sich zum Zeitpunkt des Diebstahls vor einem Monat an der Raststätte aufgehalten hatten.

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Mit Erfolg: Einer der Juwelendiebe konnte anhand der Überwachungsvideos inzwischen identifiziert und verhaftet werden. Er sitzt seither im Bozner Gefängnis. Nach seinen Komplizen wird noch gefahndet. Die Ermittlungen der Bozner Staatsanwaltschaft laufen auf Hochtouren. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei den Tätern um eine auch Schmuckdiebstahl spezialisierte Bande handelt.

Diebe könnten ihr Opfer schon länger verfolgt haben

Noch unklar sind einige Hintergründe der Tat, beispielsweise, woher die Täter wussten, dass der Händler den Schmuck und die Edelsteine im Auto mit sich führte. Es ist nicht auszuschließen, dass sie ihn bereits bei der Messe ins Auge gefasst haben, dann Richtung Norden verfolgt und einen günstigen Moment abgewartet haben könnten, um zuzuschlagen. Ebenso ist abzuklären, ob die Täter möglicherweise im Auftrag einer dritten Person gehandelt haben könnten.

Ob die Beute inzwischen sichergestellt werden konnte, war vorerst nicht bekannt. Da der Händler der Polizei die Eigenschaften des entwendeten Schmucks genau aufgelistet hatte, könnte es für die Kriminellen schwer werden, diesen wieder auf den Markt zu bringen. Nach den Juwelen wird auf internationaler Ebene auch mit Hilfe von Interpol gefahndet.

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Italien: Überfälle mit Schmuck und Uhren als Beute häufen sich

Überfälle von Räuberbanden, die Schmuck und Uhren erbeuten, sind in Italien keine Seltenheit. In Mailand war es zuletzt bereits wiederholt zu Raubüberfällen auf offener Straße gekommen, bei denen es die Täter auf Luxusuhren abgesehen hatten. So wurde ein österreichischer Unternehmer in der Nacht auf Sonntag im Zentrum Mailands von drei Männern überfallen. Dem 53-Jährigen, der auf einer bekannten Einkaufsstraße unterwegs war, wurde eine wertvolle Uhr der Marke Patek Philippe geraubt. Daraufhin ergriffen die Täter die Flucht.

Im vergangenen Jahr musste auch der Ferrari-F1-Pilot Charles Leclerc eine unliebsame Überraschung erleben: Der Monegasse wurde in der toskanischen Badeortschaft Viareggio von einem Räuber gestoppt und um seine Rolex-Armbanduhr gebracht. Der Überfall ereignete sich abends in einer wenig beleuchteten Straße.

Erst vor wenigen Tagen wurde zudem in der Villa des zweifachen Formel-1-Weltmeisters Emerson Fittipaldi im italienischen Soriano am westlichen Ufer des Gardasees eingebrochen. Der 76-jährige Brasilianer war zum Zeitpunkt des Einbruchs nicht zu Hause. Die Diebe sollen Medienberichten zufolge Gold und Luxusuhren im Wert von über 250.000 Euro erbeutet haben.

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