Sommerurlaub

Immer mehr Bayern-Urlauber – Touristenkollaps in den Alpen

Fünf Corona-Tips für Wanderer

Aufgrund der Corona-Pandemie werden viele Menschen dieses Jahr in Deutschland Urlaub machen und wandern gehen. Hier sind fünf Tips, die den Wanderurlaub garantiert zum Erfolg werden lassen.

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Weil viele Urlauber wegen Corona nicht ins Ausland reisen, wird Bayern 2020 von Feriengästen überrannt. Die Einheimischen verzweifeln.

Bad Tölz. Wie grotesk es sich auswirkt, wenn ein kleiner Ort in den Voralpen von Urlauberscharen heimgesucht wird, wissen die Bewohner der Gemeinde Walchensee aus eigener Erfahrung. 250 Menschen leben in dem oberbayerischen Dorf gut 75 Kilometer südlich von München, es gibt einen Lebensmittelladen, eine Metzgerei, eine Bäckerei und 600 Stellplätze – doch tagsüber parken bis zu 4000 Autos auswärtiger Ausflügler den am gleichnamigen See gelegenen Flecken zu.

Die Touristen verstopfen die Straßen, kampieren illegal am Ufer und verschmutzen die wildromantische Landschaft, weil es nicht genügend öffentliche Toiletten gibt. Den Bewohnern reicht es langsam.

Halb Bayern wähnt sich am Rande der Belastbarkeit. Die Region ist sowieso schon Deutschlands Urlaubsziel Nummer eins, in diesem Jahr aber ist der Ansturm auf die Bergwelt noch größer: Verunsichert durch die Corona-Krise verzichten viele Erholungssuchende auf den Auslandsurlaub und fahren lieber in den deutschen Süden.

„Man merkt, dass viele Menschen unterwegs sind“, berichtet Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht. „Wir gehen davon aus, dass der bayerische Alpenraum in diesem Sommer ein hoch frequentiertes Urlaubsziel sein wird.“

Immer mehr Bayern-Urlauber: Instagram weckt falsche Erwartungen

Es droht ein Freizeitkollaps. Zumal es die meisten Gäste in die gleichen Ferienhochburgen zieht – in die Gegend um den Watzmann, an den Chiemsee, ins Zugspitzgebiet oder nach Kempten.

Geradezu rappelvoll geht es dieser Tage auf dem europäischen Fernwanderweg von Oberstdorf nach Meran zu. In den Pensionen sind die Plätze wegen der Abstandsregeln begrenzt, also schlagen viele Wanderer ein Zelt in der Natur auf. Das ist allerdings verboten. Die örtlichen Ranger haben gut zu tun, Wildcampern droht eine Anzeige.

Thomas Bucher ist einer, der Bayerns schönste Ecken so gut kennt wie sonst kaum jemand. Er arbeitet für den Deutschen Alpenverein und sagt, touristische „Modeberge“ habe es immer schon gegeben. Der diesjährige Ansturm beschäftigt ihn jedoch. „Die sozialen Medien spielen hier eine Rolle“, glaubt Bucher.

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Instagram-Bilder versprächen eine einsame Idylle, in die es dann andere Sommerurlauber ziehe. Doch diese Einsamkeit existiere kaum noch, „Prominenzberge“ wie die Zugspitze seien längst überlaufen. Entlegene Gegenden ohne Massenansturm gebe es zwar noch, man müsse aber wissen, wo.

Eine App könnte für touristische Regionen die Lösung sein

Wie also können Urlauberströme gelenkt werden? Der Tourismusverband Oberbayern hat dazu einen sogenannten Ausflugsticker entwickelt. Der neue Internetservice bietet Informationen, wo es bereits eng zugeht und welche Gebiete noch nicht so überlaufen sind.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) vergleicht das Angebot hoffnungsvoll mit einem Parkleitsystem: „Wenn man in die Tiefgarage zum Parken fährt und es steht draußen drauf ,Alles voll‘, dann fahr ich gar nicht erst rein.“

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