Jugendschutz

Porno-Portalen droht Sperre – Wissenschaftlerin übt Kritik

Sechs Fakten zu Pornos im Internet

Pornos sind beliebt – und dank Pornoseiten im Internet einfach erreichbar. Offiziell guckt ja keiner. Doch die Zahlen verraten, wie viele Menschen Sexfilmchen schauen – und was sie interessiert.

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Deutsche Porno-Gucker könnten bald in die Röhre schauen. Ein Medienregulierer will Portale sperren. Eine Forscherin sieht das kritisch.

Berlin. Die deutschen Medienregulierer legen sich mit der Porno-Industrie an. Aus Sicht von Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, missachten die meist im Ausland ansässigen Online-Porno-Portale das deutsche Jugendschutzrecht. Deshalb droht Schmid den Portalen nun mit einer Sperre ab Juni oder Juli. Widerspruch kommt von der Porno-Wissenschaftlerin Madita Oeming: Sie wirft Schmid vor, „Pornos zum einfachen Sündenbock“ machen zu wollen.

Der Medienexperte Schmid ärgert sich über den einfachen Zugang zu Pornografie im Netz: „Der Jugendschutz macht keinen Sinn, wenn jedes Kind vom „Kikaninchen“ zu Pornhub wechseln kann.“ Schmid will daher die reichweitenstärksten Porno-Portale zwingen, in ihren deutschsprachigen Angeboten eine wirksame Altersbeschränkung einzuführen.

Längst haben die Anbieter legale .de-Adressen mit einer solchen Verifikation, wie sie der Jugendschutz verlangt. Doch die Masse der Zugriffe kommt weiterhin über die zugangsfreien .com-Adressen. „Das ist ein Taschenspielertrick“, sagt Schmidt. Oeming, die derzeit ihre Dissertation über das Phänomen der Porno-Sucht in den USA schreibt, zweifelt an der Wirksamkeit der von Schmid geforderten Altersbeschränkungen.

Medienregulierer droht Pornhub & Co. mit Sperre

Auf Twitter wirft die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Paderborn dem Medienaufseher vor, „Pornos zum einfachen Sündenbock“ machen zu wollen. Die These der Porno-Wissenschaftlerin: Gelänge es auch nur einem Minderjährigen, eine solcher Beschränkung zu überwinden, könne der junge Porno-Schauer die Erotik-Dateien „runterladen oder screengrabben und mit einem Klick an die ganze Klasse per WhatsApp-Gruppe“ teilen.

Porno-Wissenschaftlerin widerspricht Medienregulierer

Zudem gäbe es für Minderjährige auch andere Wege der Beschaffung – etwa DVDs oder Magazine. Der Medienaufseher Schmid hat derweil einen Bescheid an den vermutlichen Marktführer mit Sitz in Zypern bereits verschickt. Sollten die Anbieter nicht einlenken, könnte eine Sperrung der Porno-Seiten bereits im Sommer erfolgen. Schmid gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Dann werden wir die Infrastruktur-Anbieter, also Telekommunikationsunternehmen, um Sperrung der illegalen jugendgefährdenden Inhalte bitten.“

Porno-Portale könnten ab Sommer in Deutschland gesperrt sein

Statt einer Sperre der Portale schlägt Oeming dem Medienregulierer eine Aufklärungsoffensive vor: Statt ihnen Pornos zu verbieten, müsse man den Minderjährigen erklären, wie die Filmchen funktionieren: „Dass die Menschen bezahlt und gecastet wurden, um ein Drehbuch nachzuspielen, inmitten eines Teams von Ton, Licht und Kamera. Dass wir ganz viel nicht sehen im fertigen Bild. Das Vorher, das Nachher, das Drumherum.“

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Ein Großteil der Eltern in Deutschland scheint hinter Schmids Vorgehen zu stehen, wie eine repräsentative Meinungsumfrage im Auftrag des Kinderhilfswerks ergab: 93 Prozent der befragten Eltern sprachen sich für härtere Strafen für Anbieter bei Verstößen gegen den Kinder- und Jugendschutz im Netz aus. Ebenso viele Eltern sprachen sich für eine verlässliche Altersprüfung aus. Die Porno-Wissenschaftlerin Oeming sieht in Pornografie hingegen „ein wichtiges Hilfsmittel“ für Minderjährige, das ihnen dabei helfen könne, die eigenen Vorlieben zu entdecken.

(phb/dpa)