berlin/Hamburg

„Osmanen Germania“ verboten

Gewalt, Waffen, Drogen: Türkische Rockergruppe als gefährlich eingestuft

berlin/Hamburg. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rockerähnliche Gruppe „Osmanen Germania BC“ verboten und ihr jede Tätigkeit untersagt. „Von dem Verein geht eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus“, erklärte das Ministerium am Dienstag. Nach Schätzungen der Polizei hat der türkisch-nationalistische Verein bundesweit mindestens 300 Mitglieder. Es gab am Morgen Razzien in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen.

Die „Osmanen Germania“ stehen nach Einschätzung von Behörden auch in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Medienberichten zufolge sollen sie aus politischen Kreisen der Türkei auch finanziell unterstützt worden sein. Zudem trat die Rockergruppe bei regierungsnahen türkischen Organisationen in Deutschland als Veranstaltungsschutz auf.

In Stuttgart läuft seit März ein Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder, darunter drei, die zur höchsten Führungsebene gerechnet werden. Den Männern wird unter anderem versuchter Mord, Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution sowie Zuhälterei und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Im Internet posiert die Rockergruppe „Osmanen Germania BC“ martialisch, muskelbepackt und schwer bewaffnet. Sie präsentiert sich als türkische Antwort auf die „Hells Angels“. Nur mit dem Motorradfahren hat man es nicht so: Offiziell gibt man sich als Boxclub aus.

So schnell wie der Club wuchs, so schnell wuchs auch die Zahl der Straftaten, die auf das Konto seiner Mitglieder gehen sollen. Der Verein behauptete, Jugendliche „von der Straße holen“ zu wollen. Tatsächlich sei er durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe aufgefallen, so die Bundesregierung.

Die Gruppierung versuchte vor drei Jahren, sich auch in Hamburg zu etablieren. Innerhalb kurzer Zeit wurden drei „Chapter“ gegründet – die Polizei ging 2016 von etwa 50 festen Mitgliedern aus, 39 davon waren den Ermittlern bereits wegen einschlägiger Delikte wie Waffenbesitz und Drogenhandel bekannt. Nach einer bundesweiten Razzia im November 2016 wurde es in Hamburg still um den „Boxclub Osmanen Germania“. Aktuell haben die Hamburger Behörden keine Erkenntnisse über ein aktives „Chapter“ der Organisation, wie ein Polizeisprecher sagte.

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