Glühwein und Co.

Weihnachtsmärkte: Das ergeben Lebensmittelkontrollen

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Der Lebensmittelkontrolleur Martin Kühn probiert Glühwein

Der Lebensmittelkontrolleur Martin Kühn probiert Glühwein

Foto: Oliver Berg / dpa

Sind Glühwein und Würstchen wirklich so appetitlich wie sie aussehen? Lebensmittelkontrolleure nehmen die Leckereien unter die Lupe.

Aachen.  Mittags auf dem Weihnachtsmarkt: Die ersten genehmigen sich schon einen Glühwein. Auch Martin Kühn bekommt ein Glas. Der Mann im weißen Kittel steckt ein Thermometer in den Wein: „75 Grad ist ok, 78 Grad sollten Sie nicht überschreiten“, sagt er dem Studenten Timo Bertsch, der gerade Dienst am Glühweinstand „Wolke 7“ hat.

78 Grad ist eine Art magische Grenze für Glühwein: Wird sie überschritten, verdampft Alkohol - und dann ist Glühwein plötzlich kein Glühwein mehr. Das kann zum Beispiel passieren, wenn er in Kesseln auf Kochplatten ordentlich heiß gemacht wird. „Nach sechs bis sieben Stunden ist das dann nur noch Kinderpunsch“, sagt der Wein- und Spirituosenkontrolleur des Landesamts für Verbraucherschutz NRW.

„Kein Karamellgeschmack“

Der Kunde hat aber einen Rechtsanspruch auf mindestens sieben Volumenprozent, wie der Chef des NRW-Landesverbands der Lebensmittelkontrolleure Hans Peter Riedmiller sagt. Viele Glühweinstände im Land haben nach seiner Beobachtung auf Durchlauferhitzer mit Zapfanlage umgestellt. Damit sei das Problem aus der Welt. „Das ist hygienischer und geht viel schneller als mit dem Schöpflöffel“, meint Thekenmann Bertsch von „Wolke 7“.

Kühn hält seine Nase in den aufsteigenden Dampf. Sekundenlang. Konzentriert. „Kein Karamellgeschmack“, gibt er schließlich Entwarnung. Wenn Glühwein zu heiß ist, karamellisiert der Zucker aus. Dann richtet er seinen prüfenden Blick auf die Leitungen - denn es habe schon Fälle gegeben, bei denen die Säure des Weins Metall angegriffen habe.

Eigentlich ist Kühn schon so gut wie weg, da fällt ihm die Flasche mit dem „Teufelszeug“ auf. „Kräuterschnaps ist keine Verkehrsbezeichnung. Das müsste Kräuterbitter heißen“, mahnt er.

„Weihnachtsmärkte in puncto Hygiene auf einem guten Weg“

Die Kontrolleure kommen in der Regel unangemeldet - und sie können wiederkommen und gucken, ob ihre Belehrung etwas bewirkt hat. Schwarze Schafe, die immer wieder bei Verstößen erwischt werden, droht ein Eintrag ins Gewerbezentralregister und ein beachtliches Bußgeld.

Nächste Station für die Aachener Kontrolleure ist eine Feinschmecker-Bude. Tagesempfehlung: Hummer-Ravioli an Hummersauce. Als Anreiz für die Gaumenfreunde sind Gambas, Lachs, Thunfisch und Saucen in Schalen hinter Glas aufgebaut. Spuckschutz heißt das im Fachjargon. Riedmiller erklärt: „Zu der Jahreszeit hat man ja oft eine Erkältung. Es wäre ja unappetitlich, wenn da einer draufniesen würde.“ Und was ist mit erkälteten Verkäufern? „Das ist schon ein Problem, das sag ich ganz offen“, sagt der Verbandschef. Eine laufende Nase gehöre nicht an einen Stand mit losen Lebensmitteln.

An dem Aachener Stand gibt es nichts zu beanstanden: Beim Belegen von Flammkuchen tragen die Leute saubere Arbeitskleidung und Handschuhe. Die Ware in der Vitrine ist gut gekühlt. Die Budenbetreiber auf den Weihnachtsmärkten seien in puncto Hygiene auf einem guten Weg, sagt Riedmiller. Fünf Damen, die in der Feinschmecker-Bude sitzen und auf ihr Essen warten, haben nichts anderes erwartet. „Wir kennen den Betreiber.“

( dpa )