Coca Cola

Was für 'ne alte Flasche! Die Cola-Bottle wird 100

Cola-Flaschen: Auf den ersten Blick zu erkennen und auf de ganzen Welt bekannt

Cola-Flaschen: Auf den ersten Blick zu erkennen und auf de ganzen Welt bekannt

Foto: abaca / picture alliance

Sie ist eine der bekanntesten Flaschen der Welt: Am 16. November 1915 wurde die Coca-Cola-Flasche patentiert - und kostete fünf Cent.

Atlanta. Cola-Kenner in den USA achten heute genau darauf: Aus Glas muss sie sein und in Mexiko hergestellt, nur dann schmecke sie. Wer da Dosen und Plastik verschmäht, hält zugleich eine Stil- und Kunstikone in der Hand. Die Coca-Cola-Flasche gehört nicht nur zu den bekanntesten Verpackungen der Welt, sie war auch ein Star der Pop Art und beflügelt noch heute - wenn von Andy Warhol gemalt - den Kunstmarkt. An diesem Montag wird die Flasche 100 Jahre alt, denn am 16. November 2015 wurde das Patent auf ihr Design angemeldet

Dabei hatte, das muss man sich vorstellen, der Coca-Cola-Erfinder nie daran gedacht, seine Brause überhaupt abzufüllen. Vom Fass sollte sie verkauft werden, mehr Bedarf gebe es wohl nicht. Joseph Biedenharn, Sohn deutscher Einwanderer, sah das anders und zapfte 1894 die Limonade in Flaschen. Ohne Wissen der Mutterfirma. Der Erfolg war so groß, dass Coca-Cola selbst das Geschäft übernahm - und dass Fälscher auf den Zug aufsprangen. Auf den Falschflaschen stand Koka-Nola, Ma Coca-Co, Toka-Cola oder Koke. Etwas Unverwechselbares musste her.

Kakao wurde zum Vorbild

Die Flaschen erinnerten damals an etwas, in das man Bier oder Medizin abfüllt. Coca-Cola forderte Designer auf, eine Flasche zu entwickeln die man sofort erkennt, „selbst wenn man sie im Dunkeln ertastet oder nur kaputt in Scherben sieht“. Dem Unternehmen zufolge wollten zwei Designer die Form der Hauptinhaltsstoffe, der Kolanuss und des Kokablattes, als Vorbild nehmen - aber beide hatten keine Ahnung, wie Nuss und Blatt aussehen. Selbst in der Bibliothek fanden sie kein Bild; allerdings das einer Kakaopflanze. Die hatte zwar nichts mit Coca-Cola zu tun, sah aber gut aus.

Einer der beiden, Earl R. Dean, entwarf so eine bauchige Flasche mit Riefen in einer Farbe namens „German Green“. Das wurde später zwar in „Georgia Green“ umbenannt, blieb aber bis heute. Die Flasche war noch bauchiger als heute. Das sah gut aus, vertrug sich aber nicht mit den Laufbändern in den Abfüllanlagen. Also wurde sie schlanker - und zur Ikone. Nicht nur, dass jedes Jahr Milliarden hergestellt wurden. Nicht nur, dass man sie in jedem Land der Erde außer Nordkorea und Kuba kaufen kann. Die Flasche brachte es auch zum Popstar, Billy Wilder machte eine köstliche Komödie daraus und Andy Warhol malte sie gleich mehrfach. Das teuerste dieser Bilder kostete vor zwei Jahren fast 60 Millionen Dollar. Die Flasche selbst gab es 1915 übrigens für fünf Cent.

Warum die Coca Cola aus Mexiko besser schmeckt

Eine rauschende Erfolgsstory? Naja, nicht so ganz. Wer in Honduras oder Guatemala eine Cola kauft, bekommt die manchmal in eine kleine Plastiktüte gefüllt und einen Strohhalm in die Hand gedrückt, so rar sind dort die Glasflaschen. Und in den USA lernt jeder Jurastudent „Escola v. Coca-Cola Bottling Co.“. Eine Kellnerin hatte Coca-Cola 1944 verklagt, weil ihr eine Glasflasche in der Hand explodiert sei. Der Fall ist die Mutter aller Verbraucherschutzklagen in den USA. Und letztlich werden Cola und Co. mitverantwortlich für das Übergewicht gemacht, das durch Amerika schwabbbelt. Schließlich sind in jeder Flasche (355 Milliliter) satte 38 Gramm Zucker.

„Christmas Bottle“ wurde sie genannt, weil das Datum des zweiten Patents aufgedruckt war: 25. Dezember 1923. Oder „Mae West Bottle“, weil sie die gleichen Kurven wie der Filmstar haben soll. Längst wird heute mehr Coca-Cola aus Aluminium und Plastik getrunken, aber Kenner setzen auf Glas. Und warum auf Mexiko? Weil in den USA die Cola mit dem viel billigeren Maissirup gesüßt wird. Mit Zucker schmeckt's aber besser, beharrt der Connoisseur. Und so ergibt sich die seltsame Konstellation, dass ausgerechnet die USA ihr Nationalgetränk vom oft belächelten Nachbarn beziehen.