Wallenfels

Acht Babys getötet: Mutter legt Geständnis ab

Insgesamt acht Engel aus Porzellan und Kerzen sind auf dem Fensterbrett eines Hauses in Wallenfels (Bayern) zu sehen

Insgesamt acht Engel aus Porzellan und Kerzen sind auf dem Fensterbrett eines Hauses in Wallenfels (Bayern) zu sehen

Foto: Nicolas Armer / dpa

Acht tote Säuglinge in einem Haus - wie konnte das passieren? Die Polizei hat inzwischen die Mutter der Kinder gefunden.

Wallenfels. Nach dem Fund von mindestens acht Babyleichen in einem Haus in Oberfranken hat die Mutter der Kinder ein Geständnis abgelegt. Sie habe eingeräumt, einige Säuglinge lebend geboren und dann getötet zu haben, sagte eine Polizeisprecherin am Sonnabend. Deshalb sei gegen sie Haftbefehl ergangen.

In einem Anwesen in der Kleinstadt Wallenfels in Oberfranken hatte die Polizei die sterblichen Überreste von mindestens acht Babys gefunden. Am Freitagabend wurde die Frau als mutmaßliche Mutter der Kinder festgenommen - sie hatte sich in einer Pension im 15 Kilometer entfernten Kronach aufgehalten und galt als tatverdächtig.

Sie hatte bis vor einigen Wochen in dem Haus gewohnt, sich dann Medienberichten zufolge aber von ihrem Partner getrennt. Offen war nach wie vor der Todeszeitpunkt der Kinder. Die Leichen wurden zur Obduktion nach Erlangen gebracht, ein Ergebnis der Untersuchungen wird erst Anfang der Woche erwartet.

Eine Anwohnerin in Wallenfels hatte am Donnerstag den Notruf gewählt, nachdem sie in der Wohnung die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden hatte. Daraufhin entdeckte die Polizei dort sieben weitere Babyleichen.

Wollte die Mutter ihre Schwangerschaften nicht wahrhaben?

Die Kriminalpsychologin Monika Frommel vermutet einen Fall verleugneter Schwangerschaften. „Das ist ein Symptom, das es gibt, seit es Frauen gibt“, sagte die ehemalige Direktorin des Instituts für Sanktionenrecht und Kriminologie an der Universität Kiel. Psychiatrisch gestörte Frauen, die ihre Schwangerschaft nicht wahrhaben wollten, gebe es in allen Schichten der Gesellschaft.

„Das Interessante ist, dass die Schwangeren selber darauf hereinfallen“, sagte Prof. Frommel. „Es ist medizinisch erwiesen, dass der Leibesumfang bei verleugneten Schwangerschaften deutlich kleiner ist.“ Diese Frauen reagierten erschrocken, wenn die Wehen einsetzten und die Geburt beginne.

Die Zahl solcher Fälle habe in den vergangenen Jahrzehnten eher abgenommen, sagte Frommel. Dass Frauen ihre Neugeborenen sterben lassen oder aktiv töten, sei Folge einer umfassenden Verdrängung: Sie stellten sich nicht dem Geschehen, trauerten nicht und nähmen nicht Abschied. So sei es zu erklären, dass die Leichen - wie jetzt in Wallenfels - auch noch nach Jahren im Haus liegen.