Gegen Plünderungen

Deutsche Telekom schützt Telefonzellen durch künstliche DNA

Drei öffentliche Telefonzellen der Telekom (Symbolbild)

Drei öffentliche Telefonzellen der Telekom (Symbolbild)

Foto: picture-alliance/ dpa

Klingt nach Science Fiction, ist aber Tatsache: Um das Plündern von Telefonzellen einzudämmen, setzt die Telekom auf künstliche DNA.

Mit dem Einsatz von künstlicher DNA (kDNA) soll das Plündern von öffentlichen Telefonzellen eingedämmt werden. Ob das erfolgversprechend ist, wird ein Pilotprojekt in Brandenburg und Sachsen zeigen. Meistens schlagen die Täter zuerst die Deckenbeleuchtung ein. Anschließend wird das Schloss des Münztresors aufgebohrt. Was sich den Dieben dann offenbart, ist dem Zufall überlassen. Manchmal sind es nur wenige Cent. Wenn Diebe sich an den öffentlichen Telefonzellen und Säulen zu schaffen machen und dabei die Geräte beschädigen, ist für die Telekom der Gesamtschaden dadurch aber oft vierstellig.

Telekom meldet erste Erfolge

Seit Juni 2015 laufen die Markierungsmaßnahmen von insgesamt 437 öffentlichen Telefonzellen in Brandenburg und Sachsen mit kDNA. Anschließend werden die Telefonzellen und Säulen mit Warnaufklebern versehen, um die Täter abzuschrecken. Bis Ende des Jahres will die Telekom die Markierung abgeschlossen haben.

Wie erfolgreich es sein wird, muss sich noch zeigen, erste Ergebnisse lassen jedoch hoffen: “An den mit kDNA markierten Telefonzellen gab es bisher keine Schäden”, berichtet die Deutsche Telekom AG.

Künstliche DNA

Die DNA-Substanz ist geruchlos, transparent und nur unter UV-Licht sichtbar. Sie haftet sehr stark an der Haut, Kleidung und den Werkzeugen des Täters. Außerdem lässt sie sich nur sehr schwer entfernen. Auch nach Jahren ist die kDNA unter Umständen so noch an Werkzeugen oder im Fahrzeug des Täters nachweisbar. Die angewendete Technologie wurde in enger Kooperation zwischen der SDNA Technology GmbH und der Deutschen Telekom AG entwickelt und wird so eingesetzt, dass die Techniker bei der Installation damit nicht in Berührung kommen. Die Polizei ist mit entsprechenden Prüfgeräten ausgestattet und kann durch gefundene kDNA-Spuren und der entsprechenden Analyse, eindeutig den Zusammenhang zwischen Tatort und Täter herstellen. Jede Markierung enthält dazu einen einmaligen, individuellen kDNA-Code. Der Einsatz von kDNA zum Schutz von Geldautomaten stößt auf reges Interesse im In- und Ausland. SDNA Technology GmbH erwartet, dass die entwickelte Technologie aufgrund der Erfolge bei der Deutschen Telekom jetzt verbreitet zum Einsatz kommen wird. Der breite Einsatz von kDNA ist sinnvoll, da durch eine eventuelle Übertragung von kDNA-Spuren von einem zum anderen Tatort, Delikte eventuell demselben Täter zugeordnet werden können und sich somit auch das Strafmaß für den Täter deutlich erhöhen kann.

Deutliche Schadensbegrenzung

Die Idee, Infrastruktur mit künstlicher DNA zu schützen ist nicht neu. Die kDNA-Technologie wurde 2004 in England entwickelt und kam in 2009 erstmals in Bremen zum Einsatz. Bereits seit 2013 setzt die Deutsche Telekom AG die Markierungen sehr erfolgreich im Kampf gegen Buntmetalldiebe ein. Bisher sind 30% aller Kabel des Telekomnetzes mit einer unter UV-Licht lumineszierenden kDNA-Flüssigkeit markiert worden. Die Kabeldiebstähle haben sich seitdem um 40% reduziert. Auch andere Kunden der SDNA Technology GmbH, wie die Deutsche Bahn, berichten über ähnliche Erfolge. Die Technologie des Anbieters kommt in Deutschland bereits bei mehr als 1.000 Unternehmen, Behörden sowie bei mehr als 15.000 Privatkunden zum Einsatz. Weltweit werden die Produkte von allen SelectaDNA-Partnern in mehr als 30 Ländern vertrieben.