Potsdam

„Charlie Hebdo“ für Meinungsfreiheit ausgezeichnet

Der Chefredakteur von Charlie Hebdo, Gerard Biard, bei der Preisverleihung in Potsdam

Der Chefredakteur von Charlie Hebdo, Gerard Biard, bei der Preisverleihung in Potsdam

Foto: Bernd Settnik / dpa

Der Chefredakteur verteidigte die aktuelle Ausgabe. Darauf ist eine Karikatur, die auf den toten Flüchtlingsjungen Aylan anspielt.

Potsdam.  Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ist am Donnerstag mit dem Potsdamer M100 Media Award ausgezeichnet worden. Chefredakteur Gérard Biard nahm den Preis bei der Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium entgegen. Biard sagte in seiner Dankesrede: „Die Überzeugungen und Werte, für die wir eintreten, sind universelle Werte und als solche gehören sie allen Bürgern dieser Welt.“ Daher sollten alle Bürger dieser Welt für sie eintreten.

Zuvor rechtfertigte der Chefredakteur, dass zwei Karikaturen in der aktuellen Ausgabe auf das Foto des toten Flüchtlingsjungen Aylan anspielen.

Im rbb sagte Biard am Donnerstag, es sei nicht das Ziel gewesen, mit dem Bildern nur zu schockieren. Vielmehr gehe es darum, die Menschen zum Nachdenken zu bringen:

„Mit dem Foto des toten Flüchtlingsjungen ist ein Gefühl der Empörung entstanden - aber keine Reflexion. Die Satire muss nun in Perspektive setzen, was es bedeutet. Sie soll die Aufmerksamkeit auf den Sinn eines Ereignisses lenken, auf den Sinn einer Persönlichkeit oder einer Tagesaktualität.“

Bei einem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ wurden im Januar in Paris zwölf Menschen getötet, darunter mehrere bekannte Zeichner. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach in seiner Rede bei der Konferenz von einem „Angriff auf Freiheit und Demokratie“.

Mit dem Preis wird das Recht der freien Meinungsäußerung gewürdigt. Laudator Ferdinand von Schirach betonte: „Dieser Preis heute ehrt die Toten - und er ehrt die Überlebenden.“ Dass es „Charlie Hebdo“ noch immer gebe sei ein „trotzdem“, sagte der Schriftsteller. Und er betonte, wenn Satire niemandem weh tue, bedeute sie nichts.

Die Potsdamer Konferenz fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bei dem Colloquium in der Orangerie von Sanssouci diskutierten Chefredakteure, Politiker und Historiker.