Flugshow-Unglücke

Unter den Toten sind zwei Fußballer und ein Deutscher

Dunkle Rauchwolken über der

Dunkle Rauchwolken über der

Foto: Paul Jarrett / dpa

Bei Abstürzen in Südengland und in der Nordschweiz sterben insgesamt zwölf Menschen. Kommen jetzt strengere Regeln für Flugshows?

Shoreham-by-Sea/Basel. Die ersten Blumen steckten schon am ges­trigen Sonntag im Zaun. Ganz nah an der Stelle, wo am Sonnabend ein Militärjet mit einem Looping Tausende Zuschauer beeindruckte – und Sekunden später in einem riesigen Feuerball aufging, ausgerechnet auf einer Straße mit reichlich Verkehr. Die schwarze Rauchwolke nahe der südenglischen Küste war aus vielen Kilometern Entfernung noch zu sehen.

Unter den mindestens elf Toten sollen zwei Fußballer aus dem nahe gelegenen Städtchen Worthing sein und ein 24 Jahre alter Personaltrainer. Sie waren nicht einmal Zuschauer der Shoreham Airshow bei Brighton, sondern einfach nur im falschen Moment auf der Straße neben dem Flugplatz unterwegs. Auch eine Hochzeitslimousine soll es getroffen haben, die auf dem Weg zu einem Brautpaar war.

Der Absturz der historischen Maschine vom Typ Hawker Hunter hat die Briten schockiert. Das erste Mal, seit 1952 in Farnborough fast 30 Zuschauer gestorben waren, kamen in Groß­britannien wieder Unbeteiligte ums Leben. Viel öfter trifft es allerdings die Flieger. Erst Anfang August starb ein 39 Jahre alter ehemaliger Pilot der Luftwaffe in der Nähe von Manchester, als er mit einer Folland Gnat abstürzte. Der Pilot des Hawker Hunter soll ebenfalls bei der Luftwaffe gewesen sein. Er kämpft in einem Krankenhaus ums Überleben.

Meterhoch flogen am Sonnabend brennende Trümmerteile durch die Luft. Weil Zuschauer die Flugvorführung festhalten wollten, verbreiteten sich schon kurz nach dem Absturz die dramatischen Bilder und Videos im Netz.

Airshows sind beliebt bei den Briten und ein Ausflugsziel für die ganze Familie. Von Frühjahr bis in den Spätherbst hinein findet ständig irgendwo eine statt. Das Unglück von Shoreham wirft unweigerlich die Frage auf, ob die Schauflüge der historischen Maschinen, die zu Gedenk- und Feiertagen auch gern über den Buckingham-Palast in London hinwegrauschen, eigentlich sicher sind.

Tödliches Unglück auch in der Schweiz

Es ist eine Frage, die jedes Mal gestellt wird, wenn bei einer Flugschau etwas schiefgeht. Am Sonntag, nur einen Tag nach dem Unglück von Shoreham, starb in der Schweiz ein Pilot der deutschen Formation Grasshoppers, als er mit einer anderen Maschine in der Luft nahe Dittingen bei Basel zusammenkrachte.

Laut Medienberichten aus der Schweiz soll beim dortigen Unfall ein zweiter Flieger mit dem Fallschirm abgesprungen sein. Die Show auf dem Flugplatz in Dittingen unweit von Basel wurde unmittelbar nach dem Unglück abgebrochen. Angaben zufolge kam es zu der Kollision bei einem Kurvenflug der Grasshoppers-Dreier­formation. Eines der Flugzeuge sei mit dem Heck eines anderen kollidiert. Eine der Maschinen sei in eine Scheune mitten im Dorf Dittingen gestürzt. Das dritte Flugzeug sei zunächst über der Unglücksstelle gekreist, dann aber gelandet.

Nach Angaben der Facebook-Seite der Grasshoppers handelt es sich um eine Dreierformation mit zweisitzigen Leichtflugzeugen vom Typ Ikarus C42. Die im August 2011 gegründete Staffel würde in ihrem etwa zehnminütigen Programm „die gesamte Bandbreite“ der Ultraleicht-Fliegerei vorführen. Die Staffel ist in Eschbach im Südwesten von Baden-Württemberg zu Hause.

Rufe nach Verboten von Flugshows

Deutschland hat das Ramstein-Trauma, bei dem 1988 70 Menschen starben, als drei Jets einer italienischen Kunstflugstaffel zusammenprallten und in die Zuschauer stürzten.

Vereinzelt forderten Kommentatoren in Zeitungsforen und sozialen Netzwerken am Sonntag, die Shows komplett zu verbieten. „Die Sicherheit aller Flugschaubesucher wird mit viel Mühe sichergestellt“, hielt in England der lokale Parlamentsabgeordnete Loughton dagegen. Der Unfall von Shoreham-By-Sea sei tragisch, aber kein Grund für Verbote. „Die Piloten gehen Risiken ein, aber kalkulierbare Risiken“, sagte Flugsicherheitsexperte David Learmount. Er könne gar nicht genug betonen, wie streng die Showflüge reguliert seien. Trotzdem hält Learmount es für möglich, dass die Experten für zivile Flugzeugunglücke jetzt noch strengere Regeln vorschlagen.