Gigantischer Finderlohn

Ein Zug voll Nazigold? Angebliche Finder wollen zehn Prozent

Einen Zug voller Nazigold wollen Männer in Polen entdeckt haben - wo, das wollen sie erst verraten, wenn der Finderlohn feststeht.

Walbrzych. Zehn Prozent von einem ganzen Zug voller Gold? Davon träumen derzeit offenbar Männer aus Niederschlesien: Sie wollen einen seit Jahrzehnten verschollenen Zug mit mutmaßlichem Nazigold entdeckt haben - und jetzt ordentlich Kasse machen. Medienberichten vom Mittwoch zufolge entdeckten die Einwohner der Stadt Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien den gepanzerten deutschen Zug.

Die Männer, unter ihnen angeblich ein Deutscher, kündigten allerdings an, den genauen Fundort erst nennen zu wollen, wenn ihnen zehn Prozent Finderlohn zugesichert seien, berichtete das Nachrichtenportal „daminfo.pl“, das Kopien des Schreibens der Finder an die städtischen Behörden veröffentlichte. Vertreter der Stadt wollten den Fund weder bestätigen noch dementieren.

Sensationsfund oder Wunschdenken?

Noch ist unklar, ob es sich um einen sensationellen Fund oder reines Wunschdenken handelt. „Das ist ein Dauerthema“, sagte die Lokalhistorikerin Joanna Lamparska im Nachrichtensender TVN24. Seit Jahren werde in der Region nach einem legendären Zug gesucht, der in einem unterirdischen Stollen verborgen sein soll. Nach anderen unbestätigten lokalen Erzählungen soll ein Zug mit Raubgut der Nationalsozialisten auf der Strecke zwischen Breslau (Wroclaw) und Walbrzych verschollen sein. „Es wäre eine unglaubliche Entdeckung“, sagte Lamparska, mahnte aber zur Vorsicht: „Niemand konnte jemals die Existenz dieses Zuges beweisen.“

Rund um Walbrzych sorgt der angebliche Schatz dennoch für Aufregung. Bis zu 300 Tonnen Gold könnten sich in dem Zug befinden, mutmaßte das Online-Portal „wiadomosci walbrzyskie“. Jaroslaw Chmielewski, der Anwalt der Schatzsucher, heizte die Spekulationen am Mittwoch in einem Interview mit Radio Wroclaw an: „Das ist ein Fund von weltweiter Bedeutung, vergleichbar mit der Titanic.“

In der Nähe von Walbrzych befand sich während des Zweiten Weltkriegs der unterirdische Komplex Riese mit einem weitreichenden Tunnelsystem. Wegen der Luftangriffe in der Endphase des Krieges sollte Industrieproduktion unter die Erde verlagert werden.