Anschlag in Tunesien

Tui holt Urlauber zurück – kostenlose Stornierung möglich

Die Regelungen der Reiseveranstalter im Falle einer Stornierung sind im Detail unterschiedlich. Auch Deutsche unter den 39 Opfern.

Hannover. Nach dem Terrorangriff auf ein Strandhotel mit mindestens 39 Toten in Tunesien bieten die großen deutschen Reiseveranstalter ihren Kunden kostenlose Stornierungen an. Bei der Tui können alle Gäste, die bereits gebucht haben, bis einschließlich 15. September 2015 gebührenfrei umbuchen oder stornieren, teilte das Unternehmen mit. Für Urlauber, die sich derzeit vor Ort befinden, organisiert die Tui die Abreise.

Der Reisekonzern hat bereits begonnen, die ersten Urlauber aus der Region zurückzuholen. In der Nacht zum Sonnabend seien 80 Gäste ausgeflogen worden, sagte ein Tui-Sprecher. Weitere 120 sollten am Wochenende folgen - darunter auch einige Urlauber, deren Rückreise ohnehin planmäßig anstand. Auch britische Reiseanbieter stellten mindestens zehn Flugzeuge bereit, um Touristen nach Hause zu holen.

Thomas Cook, zu dem etwa Neckermann gehört, bietet für alle Tunesien-Reisen mit Abflug bis einschließlich 24. Juli kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an. Bei der DER Touristik, zu der etwa der große Pauschalreiseveranstalter ITS gehört, gelten die gleichen Bedingungen für Reisen bis einschließlich 10. Juli. Bei Alltours ist der 31. Juli der Stichtag.

Urlauber, die sich derzeit in Tunesien aufhalten, würden auf eigenen Wunsch und kostenlos in die Heimat geflogen, sagte Alltours-Sprecherin Alexandra Hoffmann. Schauinsland bietet ebenfalls kostenlose Umbuchungen und Stornos an. Gäste des Veranstalters aus Duisburg sind nach dessen Angaben nicht unter den Opfern.

Offiziell: Auch Deutsche unter den Opfern

Unter den Opfern des blutigen Terroranschlags im Badeort Sousse sind nach offiziellen Angaben auch Deutsche - ihr Zahl ist aber weiter unklar. Regierungschef Habib Essid bestätigte am frühen Morgen, dass es deutsche Opfer gebe, nannte aber keine Zahl.

Unter den Toten seien auch Briten, Belgier und Franzosen. 30 Menschen wurden verletzt. Zu dem mutmaßlich islamistisch motivierten Angriff auf ein Strandhotel am Mittelmeer bekannten sich in der Nacht Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Regierung in Tunis kündigte einen entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus an.

Auswärtiges Amt verzichtet auf Reisewarnung

Bei dem Hotel in Sousse, das Ziel des Terroranschlags wurde, handelt es sich um das „Imperial Marhaba“ der Riu-Kette. Diese betreibt der Tui-Konzern zusammen mit einer spanischen Familie. Tui prüft derzeit, ob eigene Gäste unter den Opfern sind. „Wir müssen aber davon ausgehen“, heißt es in einer Mitteilung des Veranstalters. Tui hat für seine Kunden die Hotline 0511/567 80 00 eingerichtet. Aktuell befinden sich rund 260 Urlauber des Veranstalters in der Region. Insgesamt sind etwa 3800 Tui-Gäste in Tunesien.

Das Auswärtige Amt rät in seinem aktualisierten Reisehinweis für Tunesien zu besonders umsichtigem Verhalten. Eine Reisewarnung sprach die Behörde nicht aus.

Im Jahr 2014 reisten 425.648 Deutsche nach Tunesien - etwas weniger als im Jahr 2010 vor dem Arabischen Frühling. Im Revolutionsjahr 2011 fielen die Gästezahlen auf 270 632 Besucher. Für das laufende Jahr verzeichnete Tunesien zwischen 1. Januar und 20. Juni einen Rückgang bei den deutschen Gästen um 20,9 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Erst im März waren bei einem Terrorangriff auf das Bardo-Museum in der Hauptstadt Tunis mehr als 20 Menschen getötet worden, darunter viele Kreuzfahrtgäste.

(dpa)