Jianli

China: Mehr als 400 Tote befürchtet

Nach der Schiffskatastrophe auf dem Jangtse gibt es kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden

Jianli. Bei der Schiffskatastrophe auf dem Jangtse in China sind möglicherweise mehr als 400 Menschen ums Leben gekommen. „Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten“, berichtete das Staatsfernsehen vom Unglücksort bei Jianli, Provinz Hubei. „Die Chancen, noch Überlebende zu finden, ist gering.“ Es wäre damit die „schlimmste Schiffskatastrophe in fast sieben Jahrzehnten“ in China.

In den beiden Tagen seit dem Kentern des Touristenschiffes „Stern des Orients“ am Montagabend in einem schweren Sturm konnten trotz einer großen Bergungsaktion bisher erst gut zwei Dutzend Leichen geborgen werden. Nur 14 Überlebende konnten gefunden werden. „Wir haben heute kein Glück“, sagte ein Reporter des Staatsfernsehens. Hunderte werden noch vermisst. An Bord waren 456 Menschen – außer 405 Touristen noch fünf Reiseführer und 46 Besatzungsmitglieder.

Die Bergungsarbeiten sind schwierig. In Zweier- oder Vierergruppen suchten Taucher im Inneren des Schiffes nach Opfern. Die Sicht war wegen des trüben Wassers auch mit starken Scheinwerfern extrem schlecht, wie Verantwortliche erklärten. Heftige Strömung und niedrige Wassertemperaturen erschwerten die Suche. Vielfach konnten sich die Taucher nur tastend fortbewegen.

Zwei Bergungsschiffe sollten das 76 Meter lange Schiff anheben. Es liegt kieloben in mehr als zehn Meter tiefem Wasser. Um die Bergung zu unterstützen, wurde der Wasserstand des Jang­tse verringert, indem der Abfluss aus dem weiter flussaufwärts liegenden Drei-Schluchten-Dammes gedrosselt wurde.

Chinas Staatsmedien berichteten über die Bergungsaktion detailliert und hoben besonders die „starke Führung“ von Premier Li Keqiang bei der Koordinierung vor Ort hervor. Das Fernsehen zeigte, wie sich der Regierungschef in Trauer vor zwei mit weißen Tüchern zugedeckten Leichen auf einem Schiffsdeck verneigte und der Opfer gedachte.

Trotz des Einsatzes von mehr als 4600 Helfern, mehr als 200 Tauchern und zahlreichen Schiffen blieb die Suche nach den Vermissten erfolglos. Die Passagiere waren meist ältere Leute, die eine Tour von Nanjing nach Chongqing machten und unterwegs historische Stätten besuchten.