Anschlag auf Marathon

Todesstrafe für Boston-Bomber Dschochar Zarnajew

Eine Gerichtszeichnung des Angeklaten Zarnajew vom März 2015

Eine Gerichtszeichnung des Angeklaten Zarnajew vom März 2015

Foto: Jane Falvell Collins / dpa

Die Brüder Zarnajew hatten 2013 Sprengsätze am Zieleinlauf des Boston-Marathons gezündet. Drei Menschen starben, 260 wurden verletzt.

Boston. Im Prozess gegen den Bombenleger vom Boston-Marathon haben die zwölf Geschworenen am Freitag das Strafmaß festgelegt: Der 21 Jahre alte Dschochar Zarnajew erhält die Todesstrafe. Er soll mit einer tödlichen Giftspritze hingerichtet werden. Die Entscheidung vor dem Bundesgericht in Boston fiel nach rund 14-stündiger Beratung. Für ein Todesurteil war die Einstimmigkeit der zwölf Geschworenen nötig.

Nach dem Entschluss der Jury wird Richter George O'Toole das Strafmaß bei einer späteren Anhörung erneut verkünden, bei dem auch Opfer des Anschlags anwesend sein können. Zarnajew wird dann auch die Gelegenheit haben, sich vor Gericht zu äußern.

Zarnajew hatte am 15. April 2013 mit seinem älteren Bruder Tamerlan zwei Sprengsätze am Marathon-Zieleinlauf gezündet. Drei Menschen starben, 260 wurden zum Teil schwer verletzt. Vielen der Opfer mussten aufgrund der Schwere der Verletzungen Gliedmaßen entfernt werden. Zu den Toten zählte auch ein acht Jahre alter Junge, der sich den Marathon mit seinen Eltern anschaute. Zarnajew ist zudem bei der Flucht an der Tötung eines Polizisten beteiligt gewesen.

Eine Geschworenenjury hatte den Mann Anfang April in allen 30 Anklagepunkten, die mit der Tat zusammenhängen, für schuldig befunden, darunter der Einsatz von Massenvernichtungswaffen.

Der US-Bundesstaat Massachusetts hatte Exekutionen zwar in den frühen 1980er Jahren abgeschafft und die letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Aber da Zarnajew sich in einem Bundesverfahren verantworten musste, gilt für ihn Bundesrecht, das die Todesstrafe erlaubt.

Verteidigung sieht Bruder als Hauptschuldigen

Die Staatsanwaltschaft hatte den Abschluss der Verhandlungen genutzt, um Zarnajew erneut als kaltblütigen Mörder und Terroristen darzustellen. Mit dem Anschlag habe er ein politisches Statement abgeben wollen. Es bestehe kein Zweifel daran, dass Zarnajew den Tod verdiene.

Zarnajews Verteidiger betonten noch im April, dass die Hauptschuld bei seinem Bruder Tamerlan gelegen habe, der die Tat geplant und die Bestandteile der Bomben gekauft habe. Er war wenige Tage nach der Tat während einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen worden.

Bei der Tat handelte es sich um den schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Auf der Zielgeraden des Marathonlaufs hatten Tausende Zuschauer die Läufer angefeuert, als zwei zu Bomben umfunktionierte Schnellkochtöpfe explodierten. Sie waren mit selbst gebasteltem Sprengstoff und Nägeln gefüllt und in Rucksäcken versteckt worden waren.

Dschochar Zarnajew flüchtete nach dem Tod seines älteren Bruders in den Bostoner Vorort Watertown. Zuletzt versteckte er sich in einem auf dem Trockenen liegenden Boot im Garten eines Hauses. Auf die Innenwand schrieb er islamistische Botschaften, bevor die Polizei ihn stellte. (HA/dpa)