Osaka

Japans teure kleine Monster

Maskottchen werben für Regionen oder fürs Steuerzahlen. Jetzt wachsen sie Behörden über den Kopf

Osaka. Maskottchen sind in Japan sehr beliebt: Bunt und niedlich sollen sie Regionen fördern, Spezialitäten unters Volk bringen oder für Initiativen der Behörden werben. Doch viele der unzähligen Puppen verschwenden nur öffentliche Gelder, allein in Osaka tummeln sich 92 verschiedene Kyarakuta oder lockere Figuren, wie sie in Japan genannt werden.

Die von Tieren, Obst, Gemüse oder Robotern inspirierten Plüschfiguren treten bei Veranstaltungen auf, werden tausendfach fotografiert und vermarktet. Nun hat das Finanzministerium die Notbremse gezogen, weil viele mehr kosten als sie einbringen. Schließlich steckt in jedem Plüschkostüm ein Mensch, der bezahlt werden muss.

„Wir bezweifeln die Sachdienlichkeit so vieler Repräsentanten“, sagt eine Behördenvertreterin von Osaka. Die Stadt leistet sich lebensgroße Figuren, um die Leute vom Steuerzahlen zu überzeugen, die Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu rühmen oder die Schönheit und Vorzüge der Provinz anzupreisen. Daher entschied die Stadt, 20 Maskottchen zu streichen. Überlebt hat aber das älteste Maskottchen der Stadt, die Vogelfigur Mozuyan.

Im abgelegenen Rumoi im nordjapanischen Hokkaido vertraten acht Figuren die 53.000 Einwohner. Nun werden sie zu einer Riesen-Puppe zusammengeschmolzen: Ororon Robo Mebius wurde geboren, ein roboterartiges Wesen, dessen Arme, Beine, Gesicht und Körper aus den Maskottchen der verschiedenen Viertel zusammengesetzt sind. Das Forschungsinstitut Yano schätzt den jährlichen Umsatz der Figuren allein in Japan auf umgerechnet 17 Milliarden Euro. Sogar Erwachsene jubeln ihnen mit kindlicher Begeisterung und ohne Angst vor Spott zu. Unternehmen schmücken sich damit. Zum Erfolgsmodell wurde der Bär Kumamon der touristisch wenig entwickelten Region Kumamoto im Südwesten. Weil die Macher so clever waren, den Unternehmen gratis die Rechte an Kumamon zu überlassen, erobert der populäre Bär seither das ganze Land.

Kumamon ist überall: auf Kuchen, Geschirr, Kleidung, Schreibwaren. Wie auch andere illustre Kyarakuta hat er einen eigenen Laden, wo unzählige Kumamon-Produkte angeboten werden. Doch die meisten Maskottchen schaffen es nie zu nationaler Berühmtheit, sondern belustigen oft nur Kinder bei öffentlichen Veranstaltungen.