Drama im Mittelmeer

Warfen muslimische Flüchtlinge zwölf Christen über Bord?

Migranten erreichen nach ihrer Überfahrt den Hafen Palermos. Auf einem der Flüchtlingsboote soll es zu einem schockierenden Zwischenfall gekommen sein - die Polizei ermittelt

Migranten erreichen nach ihrer Überfahrt den Hafen Palermos. Auf einem der Flüchtlingsboote soll es zu einem schockierenden Zwischenfall gekommen sein - die Polizei ermittelt

Foto: Alessandro Fucarini / AP

Den Verdächtigen wird „mehrfacher Totschlag erschwert durch religiösen Hass“ vorgeworfen. Sie wurden nach der Ankunft in Palermo festgenommen.

Auf ihrer Überfahrt nach Europa soll eine Gruppe muslimischer Flüchtlinge zwölf christliche Passagiere über Bord geworfen und ertrinken lassen haben. Alarmiert durch schockierende Zeugenaussagen nahm die Polizei von Palermo am Donnerstag 15 Verdächtige fest. Ihnen werde „mehrfacher Totschlag erschwert durch religiösen Hass“ vorgeworfen, teilte die Präfektur mit. Nach dem Untergang eines anderen Flüchtlingsbootes im Mittelmeer wurden am Donnerstag noch 41 Menschen vermisst.

Unterdessen soll sich bislang beispiellose Gewaltexzess der muslimischen Flüchtlinge in der Straße von Sizilien zugetragen haben. Dutzende Zeugen sagten der Polizei, sie seien am Dienstag in einer Gruppe von rund hundert Flüchtlingen in einem Schlauchboot von der libyschen Küste Richtung Italien gestartet. Überwiegend kamen die Menschen aus der Elfenbeinküste, aus Mali und dem Senegal.

Aus Wut über christlichen Glauben über Bord geworfen

Der Polizeierklärung zufolge drohten etwa 15 der Flüchtlinge einer Minderheit aus Nigerianern und Ghanaern, sie „aus Wut über ihren christlichen Glauben“ über Bord zu werfen. Tatsächlich hätten sie ihre Drohung wahr gemacht, zwölf Nigerianer und Ghanaer seien ertrunken. Anderen sei es nur mit Gewalt gelungen, sich zu retten, sie hätten Menschenketten gebildet, um sich zu helfen.

In der Polizeierklärung ist von „erschütternden Einzelheiten“ die Rede, die weinende Zeugen geschildert hätten, als sie am Mittwoch auf Sizilien eintrafen. Medien berichteten von „kohärenten Angaben“ der Überlebenden, es seien auch Fotos gemacht worden. Die Polizei versucht demnach noch weitere Flüchtlinge zu identifizieren, die in das Verbrechen verwickelt sein könnten.

41 Vermisste nach erneuter Seenot nahe Libyen

Auf ihrem Weg von der afrikanischen Küste über das Mittelmeer Richtung EU kommen immer wieder Flüchtlinge ums Leben. Die allermeisten ertrinken, weil ihre überladenen Schiffe kentern. Erst am Sonntag waren vermutlich 400 Menschen ums Leben gekommen , nachdem ihr Boot umkippte und unterging. Am Donnerstag geriet abermals ein Schlauchboot kurz nach dem Start in Libyen in Seenot. Von den 45 Passagieren konnten zunächst nur vier Menschen gerettet werden.

Die vier Überlebende hätten von weiteren 41 Menschen auf ihrem gesunkenen Schiff berichtet, sagte ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am Donnerstag und bestätigte damit entsprechende italienische Medienberichte. Die italienische Küstenwache hatte zunächst keine genauen Informationen zu dem möglichen Unglück.

Die vier Männer, die am Donnerstag in Italien ankamen, waren laut Nachrichtenagentur Ansa mit einem alten Schlauchboot von Libyen aus gestartet und dann in Seenot geraten. Ein Helikopter entdeckte die Schiffbrüchigen und alarmierte die Einsatzkräfte. Als die Küstenwache eintraf, war das Boot mit insgesamt 45 Menschen an Bord den Erzählungen der Flüchtlinge zufolge bereits gesunken. Nur die vier Männer konnten in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt hat Italiens Marine laut Ansa am Donnerstag erneut mehr als 500 Menschen gerettet.

Italien fordert stärkere EU-Unterstüzung

Die italienische Regierung forderte ein Mal mehr stärkere Unterstützung der EU. „Die Überwachung und die Hilfsmaßnahmen im Meer lasten zu 90 Prozent auf unseren Schultern“, sagte Außenminister Paolo Gentiloni der Zeitung „Corriere della Sera“. „Das Problem ist europäisch, aber die Medizin ist italienisch, das geht nicht.“ Gentiloni forderte zudem, die EU müsse mehr in den Ursprungsländern der Flüchtlinge tun.

Rom hatte im Oktober 2014 die italienische Seenotrettungsoperation „Mare Nostrum“ auslaufen lassen. Der Nachfolgeeinsatz „Triton“ der EU-Grenzschutzagentur Frontex dient weniger der Rettung von Flüchtlingen, sondern dem Schutz der EU-Außengrenze.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) zeigte Verständnis für den Ärger in Rom. „Wo Menschen in akuter Seenot sind, da muss man sicher nicht nur die italienische Marine, sondern auch die anderer Länder stärker einsetzen“, sagte er am Donnerstag dem ZDF. Überdies warf Schulz den nationalen Regierungen „Unwillen“ vor, „sich an einer vernünftigen Verteilung der Flüchtlinge zu beteiligen“.