Düsseldorf

Sie studiert mit elf Jahren an der Uni Münster

Sie hat schon mit Lang Lang gespielt: Laetitia Hahn

Sie hat schon mit Lang Lang gespielt: Laetitia Hahn

Foto: WAZ FotoPool

Laetitia Hahn hat einen IQ von 145, spricht mehrere Sprachen und ist eine der talentiertesten Klavierspielerinnen der Welt.

Düsseldorf. Mit einer Wasserpistole bewaffnet, öffnet Philip Hahn die Haustür. Dann rennt er zu seiner Schwester Laetitia. Sie spielen Fangen im Wohnzimmer. Laetitia Hahn studiert schon jetzt an der Uni Münster, obwohl sie wohl erst in drei Jahren ihr Abitur in der Tasche haben wird. Sie ist elf Jahre alt. Unter der Woche mag sie zwischen Erwachsenen sitzen und die Unibank drücken, doch zu Hause ist sie immer noch Kind. Ein Wunderkind sagen viele, denn Laetitia zählt zu den talentiertesten Klavierspielerinnen der Welt. Gern hören ihre Eltern den Ausdruck jedoch nicht: „,Wunderkind‘ verkennt vielleicht, dass Arbeit und Disziplin dahinterstecken“, sagt Vater Christian Hahn.

Wunder erklären nicht Laetitias Talent. Dies hat die Neuntklässlerin ihrer enormen Auffassungsgabe zu verdanken. Sie hat einen IQ von 145 und spricht Englisch, Französisch, Alt-Chinesisch und Spanisch. Neu-Chinesisch will sie als Nächstes vertiefen. Auch Bruder Philip ist mit fünf Jahren hochbegabt und spielt beeindruckend sicher Bach-Stücke auf dem Flügel. Sein IQ ist mit 142 ähnlich hoch wie der seiner Schwester. Die Hochbegabung, bei der man ab einem IQ-Wert von mehr als 130 spricht, liegt den Hahn-Kindern in den Genen.

So richtig bewusst wurde dies Vater Christian (IQ 137) erst, als er nach einer Schule für seine Tochter suchte. Mit sechs Jahren wurde beim heutigen Immobilienberater ebenfalls ein hoher IQ festgestellt, doch er hat damals keine Förderung erfahren. In der Schule fühlte sich Christian Hahn eher unterfordert. Ihm fehlten die Erfolgserlebnisse, Herausforderungen gemeistert zu haben. Diesen Frust sollte Laetitia nicht erleben, schwor er. Vier Umzüge haben die Hahns deshalb hinter sich. Die Eltern stellen ihr Leben in den Dienst der Talente der Kinder. Laetitia geht auf eine Privatschule, die es ihr ermöglicht, ihre Ambitionen und Termine unter einen Hut zu bringen.

Dass ihre Tochter etwas Besonderes ist, bemerkte Annette Hahn, als Laetitia acht Wochen alt war und ihr erstes Wort sprechen konnte: „Haare“. Die Ärzte hielten sie zunächst für verrückt, doch mit zwei Jahren konnte Laetitia lesen, mit drei Jahren Englisch sprechen. Mit 14 dürfte sie ihr Abiturzeugnis erhalten – und womöglich einen akademischen Abschluss. Als Junior-Musikstudentin an der Uni Münster im Fach Musik sammelt sie Nachweise in den Kursen, die mit Erlangen des Abiturs anerkannt werden.

Annette Hahn (IQ 132) ist Philosophin, doch erschrak sie, als die Neugierde ihre Tochter bereits im Kindergartenalter zu fundamentalen Fragen trieb. „Mama, wenn alle Menschen sterben, die geboren werden, warum leben wir dann?“ Sie antwortete: „Laetitia, du lebst, um zu lernen.“ Laetitia könnte mit der Schule fertig sein, ehe die Pubertät so richtig angefangen hat. Mit 1,49 Metern mischt das junge Mädchen bereits in der Welt der Großen und Erwachsenen mit, doch die Berührungsängste davor hatte sie bereits am ersten Uni-Tag verloren, als zwei Kommilitonen bei einer Musikgeschichtsvorlesung einschliefen.

Sogar sportlich ist die Kleine, fährt Skateboard und hat schon einmal einen Skiwettbewerb gewonnen. Die meisten Urkunden erhielt Laetitia jedoch für ihr Klavierspiel. Auszeichnungen pflastern eine Wand im Erdgeschoss des Häuschens der Hahns in Velbert (Nordrhein-Westfalen), in dem gleich zwei Flügel stehen. Selbst in der Küche darf ein Klavier nicht fehlen. Bruder Philip träumt von einem Cembalo.

Annette und Christian Hahn betonen, ihren Kindern nichts aufzuzwingen. Der Wissensdurst komme einzig vom Nachwuchs. Ihr Klavierlehrer Heribert Koch pflichtet bei: „Versuchen Sie Laetitia etwas beizubringen, worauf sie keine Lust hat.“ Früher war das schwieriger. Sie schaffte zwar jede Aufgabe. „Doch man merkt an ihrem Klavierspiel, dass viel mehr Gefühl dahintersteckt, wenn sie für eine Sache so richtig brennt.“ Laetitia war in Talkshows zu Gast. Für das chinesische Fernsehen traf sie den Pianisten Lang Lang, und obwohl es keine Proben gab, harmonierten beide, als würden sie sich schon lange kennen. Derzeit bereitet Laetitia eigene Konzerte vor, auch Auftritte mit Orchester. Im Hintergrund laufen die Arbeiten für die erste eigene CD. Laetitia hat das Zeug zu einer Weltkarriere.