Köln/Paris

Flugexperten werben für Fernsteuerung von Passagierjets

In Notfällen könnten Maschinen vom Boden aus gesteuert werden

Köln/Paris.  Als Konsequenz aus der Germanwings-Katastrophe hat die Deutsche Flugsicherung eine Art Fernsteuerung von Flugzeugen vorgeschlagen. In Notfällen könnten Flugzeuge damit vom Boden aus gelenkt und zur Landung gebracht werden. An einem ähnlichen Projekt hatten Experten schon nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gearbeitet.

Die Germanwings-Maschine war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Der Copilot soll den Kapitän absichtlich aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit 150 Menschen an Bord gezielt zum Absturz gebracht haben.

Der Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS), Klaus-Dieter Scheurle, sagte am Mittwoch, die Technik zur Steuerung von Flugzeugen vom Boden aus sei bei Drohnen grundsätzlich vorhanden. Er wolle den Vorschlag in der nationalen Taskforce zur Flugsicherheit gründlich diskutieren. Mit einer Umsetzung rechne er allerdings frühestens im nächsten Jahrzehnt, sagte Scheurle.

Man könne an die Ergebnisse des früheren EU-Forschungsprojekts „Sofia“ anknüpfen, erklärte der DFS-Chef. In dem Projekt war im Simulator getestet worden, wie man ein entführtes Flugzeug vom Boden steuern könnte. Einen Testlauf mit einem realen Flugzeug hatte es aber nicht gegeben.

Die Identifizierung der Absturzopfer wird noch etwa sechs Wochen dauern. Außerdem will die französische Luftfahrt-Untersuchungsbehörde BEA in den kommenden Wochen einen Zwischenbericht mit dem genauen Flugverlauf veröffentlichen. Die BEA arbeitet unterdessen weiter an der Analyse der geborgenen Flugschreiber. Derzeit würden die Daten des Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers synchronisiert, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Die französischen Ermittler hoffen, die Analysen zur Identifizierung der Opfer bis Ende Mai abzuschließen, sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin. Hinweise auf ein technisches Problem an Bord gebe es bislang nicht.

In Köln wird am Freitag in einem ökumenischen Trauergottesdienst der 150 Opfer der Katastrophe gedacht. Dazu werden Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Regierungsvertreter aus Frankreich und Spanien erwartet.