Paris. Die Opfer des Germanwings-Absturzes werden in sechs Wochen identifiziert sein. Lotsen wollen Flugzeuge notfalls fernsteuern.

Die Identifizierung der Opfer des Germanwings-Absturzes dauert vermutlich noch gut sechs Wochen. Die französischen Ermittler hoffen, die nötigen Analysen bis Ende Mai abzuschließen, wie der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin am Mittwoch sagte. Bei der Katastrophe in den französischen Alpen waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Der Copilot soll den Kapitän absichtlich aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine zum Absturz gebracht haben. Dies ergaben erste Auswertungen der Flugschreiber.

Hinweise auf einen technischen Defekt an Bord gibt es bislang nicht: „Gegenwärtig gibt es keinen Beweis für irgendeinen Defekt“, sagte Robin. Zur Vorgeschichte des Copiloten warten die Franzosen noch auf den Bericht ihrer deutschen Kollegen. Vertreter aller betroffenen europäischen Länder hatten sich am vergangenen Freitag in Den Haag getroffen, um ihr Vorgehen abzustimmen.

Unklar ist noch, ob die Katastrophe ein juristisches Nachspiel in Frankreich haben wird und wer sich für eventuelles Fehlverhalten verantworten müsste. „Gegenwärtig gibt es kein eröffnetes Ermittlungsverfahren in Frankreich“, sagte Robin. Vermutlich würden formelle Ermittlungen nach Abschluss der Identifizierung aufgenommen. Bis es so weit ist, wollte er keine näheren Informationen zu möglichen Vorwürfen geben.

Lotsen wollen Flugzeuge in Notfällen fernsteuern

Die Deutsche Flugsicherung hat unterdessen vorgeschlagen, Verkehrsflugzeuge im Notfall vom Boden aus zu steuern. Die notwendige Technik sei bei Drohnen grundsätzlich vorhanden, sagte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle am Mittwoch in Langen bei Frankfurt. Er wolle den Vorschlag in der nationalen Task Force zur Flugsicherheit gründlich diskutieren. Mit einer Umsetzung rechne er allerdings frühestens im nächsten Jahrzehnt.

Grundsätzlich müsse dem in Not geratenen Flugzeug ein veränderter Flugplan eingespielt werden, erläuterte Scheurle. Dies könne auch vom Boden oder aus einem Abfangjäger heraus geschehen. Das Flugzeug werde dann auf einem sicheren Weg auf einem nahe gelegenen Flughafen automatisch gelandet. Scheurle verwies auf den Fall eines griechischen Flugzeugs, das im Jahr 2005 mit bewusstloser Besatzung abgestürzt war.

Der Todesflug von Germanwings 4U 9525

Auch am Mittwochabend gedachten an der Schule der verunglückten Jugendlichen in Haltern zahlreiche Menschen der Opfer
Auch am Mittwochabend gedachten an der Schule der verunglückten Jugendlichen in Haltern zahlreiche Menschen der Opfer © dpa | Rolf Vennenbernd
Mit Anbruch der Nacht mussten die Einsatzkräfte die Suche erneut einstellen
Mit Anbruch der Nacht mussten die Einsatzkräfte die Suche erneut einstellen © Peter Macdiarmid
Einsatzkräfte bahnen sich den Weg durch das unwegsame Gebirge
Einsatzkräfte bahnen sich den Weg durch das unwegsame Gebirge © dpa | Guillaume Horcajuelo
Einsatzkräfte bahnen sich den Weg durch das unwegsame Gebirge
Einsatzkräfte bahnen sich den Weg durch das unwegsame Gebirge © AP | Laurent Cipriani
Die deutsche, die französische und die spanische Flagge an der Unglücksstelle
Die deutsche, die französische und die spanische Flagge an der Unglücksstelle © AFP | ANNE-CHRISTINE POUJOULAT
Der französische Präsident Francois Hollande (3.v.l-r), die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kamen am Mittwochnachmittag am Unglücksort an
Der französische Präsident Francois Hollande (3.v.l-r), die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kamen am Mittwochnachmittag am Unglücksort an © dpa | Daniel Karmann
Rajoy, Hollande und Merkel nahe der Unglücksstelle
Rajoy, Hollande und Merkel nahe der Unglücksstelle © AP | Christophe Ena
1/7

Man könne an die Ergebnisse des früheren EU-Forschungsprojekts „Sofia“ (Safe automatic flight back and landing of aircraft) anknüpfen, sagte der DFS-Chef. In dem nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gestarteten Projekt war im Simulator bis 2009 getestet worden, wie man ein entführtes Flugzeug vom Boden steuern könnte. An dem rund 5 Millionen Euro teuren Forschungsprogramm hatten sich mehrere nationale Flugsicherungen und Luftfahrtunternehmen beteiligt und die Technik für grundsätzlich möglich erachtet. Einen Testlauf mit einem realen Flugzeug hatte es aber nicht gegeben.

Deutscher Luftraum einer der sichersten

Der deutsche Luftraum sei auch im vergangenen Jahr einer der sichersten der Welt gewesen, sagte Scheuerle. Bei einer nur leicht um 0,9 Prozent auf 2,98 Millionen gestiegenen Zahl DFS-kontrollierter Flüge habe es keinen einzigen Vorfall mit unmittelbarer Gefahr für Besatzungen und Passagiere gegeben. In der minderschweren Kategorie „Sicherheit nicht gewährleistet“ habe es fünf Vorfälle gegeben. Rund 98 Prozent aller Flüge seien zudem pünktlich abgewickelt worden.

Seit Jahresbeginn gelten zum Ärger der Fluggesellschaften teils stark erhöhte Fluggebühren, aus denen die Leistungen der Flugsicherung bezahlt werden sollen. Das bundeseigene Unternehmen DFS war wegen überhöhter Verkehrsprognosen und hoher Pensionslasten in eine finanzielle Schieflage geraten und hat sich ein Sparprogramm auferlegt. Etwa jeder zehnte der zuletzt noch rund 6000 DFS-Beschäftigten soll 2019 nicht mehr an Bord sein. Der Bund hatte mit einer Eigenkapitalspritze von 500 Millionen Euro geholfen.