Kenia

Bis zu 150 Tote bei Terrorangriff auf Universität

Ein Soldat der kenianischen Armee begleitet eine Frau, nachdem sie aus einem Gebäude der Universität in Garissa gerettet wurde

Ein Soldat der kenianischen Armee begleitet eine Frau, nachdem sie aus einem Gebäude der Universität in Garissa gerettet wurde

Foto: EPA/DAI KUROKAWA / dpa - Bildfunk

Die Sicherheitskräfte beendeten den Terrorangriff am Donnerstagabend. Die islamistische Miliz Al-Shabaab hat sich zu der Attacke bekannt.

Nairobi. Die kenianischen Behörden haben am Donnerstag in einem mehrstündigen Einsatz einen Terrorüberfall auf eine Universität beendet. Nach ihren Angaben wurden von Extremisten der somalischen Al-Shabaab-Miliz bis zu 150 Menschen getötet. Sicherheitskräfte hätten vier Angreifer erschossen. Mindestens 65 Menschen wurden den Behörden zufolge bei dem Überfall verletzt. Die Islamisten stürmten am frühen Morgen auf das Gelände, schossen um sich und nahmen Dutzende christliche Studenten als Geiseln, wie die Zeitung „Daily Nation“ berichtete. Die Islamisten hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Anschläge in Kenia verübt. 2013 wurden beim Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mehr als 60 Menschen getötet.

Augenzeugen berichteten, die Angreifer hätten wahllos um sich geschossen. Sie nahmen die Sicherheitskräfte von Dächern aus unter Beschuss, um sie an einem Vorrücken zu hindern. „Als unsere Männer ankamen, wurden die Muslime freigelassen, die anderen halten wir als Geiseln“, sagte ein Sprecher von Al-Shabaab Medienberichten zufolge. Laut Innenministerium wurde einer der mutmaßlichen Angreifer festgenommen, als er versuchte, zu fliehen.

Anschlag trotz Warnungen

Einer Studentin der benachbarten Pädagogik-Hochschule zufolge hatte es zuvor Warnungen vor einem drohenden Anschlag gegeben. Am Montag seien sie vom Direktor informiert worden, dass verdächtige Fremde in der Stadt und sogar in der Hochschule gesehen worden seien. Die Hochschule sei daraufhin am Dienstag geschlossen worden, der Universitätscampus aber offen geblieben.

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta äußerte sich am Nachmittag erschüttert und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Kenyatta kündigte an, Zehntausend Sicherheitskräfte, die zurzeit ausgebildet werden, in den Polizeidienst zu übernehmen. Gleichzeitig rief er die Bevölkerung auf, ruhig, aber aufmerksam zu sein. „Dies ist der Moment für jeden im Land, wachsam zu sein, während wir unserem Feind gegenüberstehen“, so der Staatschef.

Die Al-Shabaab-Bewegung, die weite Teile des Nachbarlands Somalia kontrolliert, hat in den vergangenen Jahren immer wieder Anschläge in Kenia verübt, weil die kenianische Armee gegen die Islamisten vorgeht. 22.000 Soldaten kämpfen in Somalia unter dem Mandat der Afrikanischen Union.

In den vergangenen Wochen verdrängten sie die Islamisten aus ihren Hochburgen an der Küste. Trotzdem finden immer wieder Anschläge in Somalia und Kenia statt, zuletzt am Wochenende auf ein Hotel in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. 24 Menschen wurden getötet.

Der bisher blutigste Anschlag von Al-Shabaab in Kenia fand im September 2013 statt, als Kämpfer der Organisation das „Westgate“-Einkaufszentrum in Nairobi angriffen. Damals wurden 67 Menschen getötet. Ende Februar rief Al-Shabaab auch zu Anschlägen auf Einkaufszentren in Europa und Amerika auf.

Der neue Anschlag dürfte auch ein Rückschlag für Kenias wichtige Tourismusbranche sein. Erst am Mittwoch hatte Präsident Uhuru Kenyatta erklärt, sein Land sei wieder ein sicheres Urlaubsziel. Zugleich kritisierte er australische Warnungen vor einem möglichen Anschlag in Nairobi und britische Reisewarnungen für die meisten Küstenregionen.