Trauer

Sänger Udo Jürgens stirbt mit 80 Jahren an Herzversagen

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Der Sänger, Komponist und Pianist Udo Jürgens starb im Alter von 80 Jahren in der Schweiz. Während eines Spaziergangs soll er zusammengebrochen und kurz darauf in einem Krankenhaus gestorben sein.

Hamburg/Zürich. Er war einer der bedeutendsten Unterhaltungsmusiker im deutschsprachigen Raum: Der Sänger und Komponist Udo Jürgens ist tot. Der Interpret von Liedern wie „Griechischer Wein“ und „Es wird Nacht, Señorita“ starb am Sonntag im Alter von 80 Jahren bei einem Spaziergang in der Schweiz, wie sein Management mitteilte.

Er sei in Gottlieben im Kanton Thurgau bewusstlos zusammengebrochen. Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen sei der Künstler im Krankenhaus von Münsterlingen um 16.25 Uhr an Herzversagen gestorben. Udo Jürgens Manager Freddy Burger, Pepe Lienhard und das ganze Tourneeteam seien „geschockt und in großer Trauer“, hieß es in einer Mitteilung. Nach den Konzerterfolgen der aktuellen Tournee seien alle erschüttert und fassungslos über den unerwarteten und plötzlichen Tod ihres Freundes.

Jürgens war bis zuletzt auf Konzerttouren unterwegs und wurde von seinen Fans verehrt und gefeiert. Erst vor drei Wochen gab er vor 10.000 Fans ein Konzert in der O2 World in Hamburg.

+++ Hier sehen Sie das letzte Konzert von Udo Jürgens in Hamburg +++

Udo Lindenberg hat sich betroffen über den Tod von Udo Jürgens gezeigt. „Bin tief geschockt. Ein schmerzlicher Verlust“, teilte der in Hamburg lebende Rocksänger am Sonntag mit. „Es ist, als wäre ein Familienmitglied von uns gegangen“, fügte Lindenberg hinzu.

Der Maler Manfred Bockelmann ist bestürzt über den Tod seines Bruders Udo Jürgens: „Ich kann nicht fassen, dass es so plötzlich passiert ist“, sagte er am Sonntagabend. Die Nachricht sei „ein großer Schock für die Familie“. Mehr könne er zunächst nicht zum Tod seines Bruders sagen, ergänzte der 71-jährige Künstler, der mit seiner Familie in Kärnten in Österreich lebt. Jürgens hatte Manfred Bockelmann mit seinem Lied „Mein Bruder ist ein Maler“ 1977 ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Tochter Jenny Jürgens traf die Nachricht vom Tod ihres Vaters ebenfalls völlig unvorbereitet, wie ihr Düsseldorfer Management mitteilte. „Der Schmerz und die Traurigkeit sind groß. Ihr ganzes Ansinnen gilt im Moment ihrer Familie, der sie nun in dieser schwierigen Zeit nahe sein möchte“, so das Management von Jenny Jürgens.

Auch der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor trauert um den 80-Jährigen: „Udo Jürgens war ein großartiger Musiker, Entertainer und Komponist. Über Generationen hinweg hat er die Menschen mit seiner Musik und seiner Persönlichkeit begeistert. Die ARD trauert um einen großen Künstler. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigte den Sänger als „Ausnahmekünstler“. „Udo Jürgens hat uns über Jahrzehnte mit seinen Liedern und Chansons tiefgründig und zugleich leicht unterhalten“, erklärte Grütters. „Der Schlager bekam durch ihn eine neue Qualität.“ Mit seinen Liedern seien „ganze Generationen durchs Leben gegangen“. Jürgens habe es verstanden, „einem Millionenpublikum lustige, bewegende, aber auch nachdenkliche Geschichten nahezubringen“.

Der Hamburger Veranstalter des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ hat ebenfalls betroffen auf den Tod von Udo Jürgens reagiert. „Seit der Uraufführung von 2007 haben wir mit ihm eng zusammenarbeiten dürfen. Seine Professionalität und Genialität haben uns alle immer tief beeindruckt und inspiriert“, erklärte die Geschäftsführerin von Stage Entertainment, Uschi Neuss.

Der Tod der Musiker-Legende bewegte zahlreiche weitere Promis: „Udo, ich bin zutiefst betroffen dass du heute von uns gegangen bist. Vor 50 Jahren bist du in Kopenhagen beim Song Contest aufgetreten, um ihn nur zwei Jahre später nach Wien zu holen. Was ich dir sagen will: Es wäre mir eine sehr große Ehre gewesen vielleicht mit dir gemeinsam auf der Bühne des 60. Eurovision Song Contest zu stehen. Du warst ein großartiger Künstler – Merci!“, sagte die österreichische Dragqueen und Eurovision-Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst. „Ich bin total erschüttert. Seine Musik wird jedoch immer bei uns bleiben“, äußerste sich Sängerin Annett Louisan bei Facebook.

Auch „Tatort“-Star Jan Josef Liefers war ergriffen: „Ein großartiger Typ, eine Legende und dabei ein offener, charmanter und großzügiger Mensch – so habe ich ihn kennengelernt. Nun fehlt er.“ Sänger Tim Bendzko war in der ZDF-Gala zum 80. von Jürgens mit zwei Songs des Stars aufgetreten und reagierte nun geschockt: „Ich kanns nicht fassen! RIP Udo Jürgens. Danke für alles was du uns gegeben hast.“ Skisportlerin Maria Höfl-Riesch twitterte: „R.I.P. Udo Jürgens! Best german entertainer ever. In your music you live forever!“

Jürgens erste Gage betrug 83 Pfennig pro Stunde

Jürgens wurde am 30. September 1934 als Udo Jürgen Bockelmann im österreichischen Klagenfurt geboren. Seine Mutter stammte aus dem schleswig-holsteinischen Prasdorf in der Nähe von Kiel. Seine erste Gage als Musiker betrug 5 Schilling (damals 83 Pfennig) die Stunde für einen Auftritt im Gasthof Valzachi in Klagenfurt. Dort studierte er auch Klavier, Harmonielehre, Komposition und Gesang am Konservatorium.

Jürgens hatte vier Kinder von drei Frauen. Er war von 1964 bis 1989 mit dem ehemaligen Modell Erika Meier verheiratet. Mit ihr hatte er die Kinder Jonny und Jenny. Mit Corinna Reinhold war Jürgens von 1999 bis 2006 verheiratet.

Zwischen Liebe und Gesellschaftskritik

Die Erfolge, die der Chansonsänger in seiner mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Karriere eingefahren hatte, waren beachtlich. Jürgens hat rund 1000 Lieder komponiert und mehr als 50 Alben veröffentlicht. Einige Hits wurden zu Volksliedern. Mit „Je t’aime“ gewann der 16-jährige Udo Jürgen Bockelmann im Jahr 1950 den Komponisten-Wettbewerb des Österreichischen Rundfunks. „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ wurde 1965 zum Titel eines deutsch-italienischen Musikfilms, der 1966 in die Kinos kommt.

Der „Grand Prix“-Siegertitel „Merci, Chérie“ wurde 1966 ein Welthit mit Top-Positionen in mehr als 20 Ländern. „Griechischer Wein“ wurde 1975 der Hit des Jahres. Der griechische Ministerpräsident Karamanlis empfing Jürgens und Textdichter Michael Kunze in Athen.

„Aber bitte mit Sahne“ aus dem Jahr 1976 beginnt als fröhliches Liedchen, in dem ältere Damen „zum Sturm auf das Kuchenbuffet“ blasen – und nacheinander zum Opfer ihrer Tortenleidenschaft werden. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ sang Jürgens im Jahr 2000. Der Hit wird zum Titel der Tournee „Udo 2000“, 440.000 Besucher kommen zu 107 Konzerten.

Aus dem Lied „Ich war noch niemals in New York“ wurde ein ganzes Musical mit 23 Liedern von Udo Jürgens. Das Titellied war 1982 erstmals erschienen. Das Musical feierte im Dezember 2007 Weltpremiere im Operettenhaus Hamburg. Auch das von Udo Jürgens geschriebene Musical „Helden, Helden“ hatte 1974 am Hamburger Operettenhaus seine deutsche Erstaufführung.

( (HA/dpa) )