Band Aid

Kritik an Bob Geldofs Ebola-Hilfe nervt die Stars

Stars und Spendenorganisationen gehen auf Distanz zum Weihnachtshit von Band Aid. Die neue Fassung des Band-Aid-Klassikers spült Millionen in die Kassen. Stars sollten lieber spenden statt singen.

London. „Do They Know It’s Christmas?“ – Die neue Fassung des Band-Aid-Klassikers spült Millionen in die Kassen. Das Geld soll dem Kampf gegen das Ebola-Virus in Westafrika zugutekommen. Doch Organisator Bob Geldof, 63, stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. Namhafte Stars verweigerten sich seinem Aufruf, und es mehren sich die Stimmen, die meinen, Stars sollten lieber spenden statt singen.

Geldof hat den erstmals vor 30 Jahren produzierten Weihnachtshit wieder einmal aufgenommen – mit Stars wie One Direction, Bono und Rita Ora. In Deutschland spielten zwei Dutzend Stars das Lied erstmals auf Deutsch ein, darunter die Toten Hosen, Udo Lindenberg, Max Raabe, Andreas Bourani, Jan Josef Liefers, Jan Delay, Max Herre und Peter Maffay. Der Song belegt Platz eins der Charts.

In Großbritannien entzündete sich die Debatte vor allem an Superstar Adele, die von Geldof dafür kritisiert wurde, dass sie nicht mitwirken wollte. „Adele tut nichts, sie geht nicht ans Telefon“, sagte er. Medienberichten zufolge hatte Adele jedoch in aller Stille eine große Summe für eine Ebola-Hilfskampagne gespendet. Nur vor die Kameras stellen wollte sich die Sängerin nicht. Während sie sich aus dem Streit heraushielt, machten andere Künstler ihre Meinung deutlich: Das Projekt wirke auf sie „selbstgefällig“, sagte etwa Lily Allen: „Ich tue lieber meinen Teil, indem ich richtiges Geld spende, anstatt mit Leuten wie diesen in einen Topf geworfen zu werden.“

Adele spendete lieber selbst in aller Stille

Die Stars bevorzugten es, ein paar Stunden ihrer Zeit zu geben statt Geld, lautet die Kritik in den Medien. So schrieb der „Telegraph“: „Und dafür erwarten sie, dass man sie feiert und sie beglückwünscht. Als hätte niemand gewusst, dass Ebola ein Problem ist, bevor die Stars mit ihren teuer gebleichten Zähnen für das Video in die Kamera lächelten.“ In die gleiche Kerbe schlägt die Autorin Kate Fox. Der Liedtext trage dazu bei, Vorurteile zu verbreiten und Afrikaner nach dem Motto zu bevormunden: „Afrikaner haben kein Weihnachten, die Menschen in Afrika sind arm und brauchen die Hilfe der Weißen, weil sie sich nicht selbst helfen können.“

Rapper Fuse ODG sagte Geldof ab, nachdem er den Liedtext gelesen hatte. Vor allem die Zeilen „Wo ein Kuss der Liebe dich töten kann und wo der Tod in jeder Träne lauert“, sowie „Diese Weihnachten gibt es keinen Frieden und keine Freude in Westafrika“ störten ihn.

„Unmoralisch und menschenverachtend“ sind die Worte, die Melanie Huber vom Berliner Bündnis „Entwicklung hilft“ findet, einem Zusammenschluss großer Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt und Misereor.

„Wer etwas für den Kampf gegen Ebola tun will, sollte sein Geld direkt an eine der transparenten Spendenorganisationen geben, die sich hier engagieren“, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, das das „Spendensiegel“ für vertrauenswürdige Hilfsorganisationen vergibt. Band Aid würde das Siegel wohl nicht bekommen: „Es ist komplett intransparent, wofür die eingespielten Mittel konkret verwendet werden.“

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