Katholizismus

Deutsche Bischöfe wollen die Kirche deutlich öffnen

Die Vorschläge der Geistlichen sehen einen „menschlicheren“ Umgang gegenüber Geschiedenen vor. Es gelte auch, Abschied vom Selbstbild der Volkskirche zu nehmen: „Wir sind eine Minderheit“.

Magdeburg. Vor der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie im Oktober im Vatikan haben die deutschen katholischen Bischöfe eigene Reformvorschläge mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller diskutiert. Bei dem Gespräch mit dem Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan sei es insbesondere um den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen gegangen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx am Freitag.

Die Mehrheit der deutschen Bischöfe wolle dabei „in eine Richtung gehen, wie sie Kardinal Walter Kasper vorgeschlagen hat“, sagte der Erzbischof von München und Freising. Kasper hatte bereits mehrfach für einen „Weg der Barmherzigkeit“ gegenüber Menschen geworben, die nach einer gescheiterten Ehe eine zweite Zivilehe eingehen. Einen entsprechenden Text wollen die deutschen Bischöfe in die Beratungen der Synode einbringen.

Weiter kündigte Marx an, dass die Bischöfe für eine Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts in Deutschland offen seien. Bereits jetzt gebe es „keinen Kündigungsautomatismus“ für kirchliche Mitarbeiter, wenn sie etwa in homosexuellen Partnerschaften oder in einer zweiten Zivilehe lebten.

„Wir sind eine Minderheit“

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sieht Spielräume beim kirchlichen Arbeitsrecht und im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Zugleich mahnte er eine „Haltungsänderung“ an. Die katholische Kirche in Deutschland müsse sich vom Selbstbild einer Volkskirche verabschieden. „Wir sind eine Minderheit“, sagte Overbeck. Um sich künftig in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen, müsse die Kirche in ihrer Sprache „menschlicher“ werden und transparenter auf allen Ebenen auftreten.

Marx und Overbeck äußerten sich beim vierten bundesweiten Gesprächsforum der katholischen Kirche in Deutschland. Bis Samstag sind in Magdeburg rund 300 Teilnehmer, darunter 29 Bischöfe, zusammengekommen, um vor allem über das Thema Mission zu sprechen.

Das Forum gehört zu einem unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals 2010 gestarteten Dialogprozess. Die Initiative soll verloren gegangenes Vertrauen wiedergewinnen und ist auf fünf Jahre angelegt. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der zum Leitungsteam des Dialogprozesses gehört, ermutigte dazu, mit anderen Menschen das Gespräch über den Glauben zu suchen.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige sagte, er hoffe, dass von Magdeburg der Impuls ausgehe, dass Kirche „kein Nachlassverwalter von irgendwelchen Ladenhütern“ sei. Stattdessen solle sichtbar werden, „dass Kirche eine lebendige Gemeinschaft ist, der das Leben der Menschen ein Anliegen ist und es zu einer größeren Fülle bringt“.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), rief die Teilnehmer dazu auf, sich nicht zu sehr in Strukturdebatten zu verzetteln. „Die evangelische Kirche hat all das, was wir hier diskutieren, bereits verwirklicht, aber wie man sieht, ist das trotzdem kein Garant für den Erhalt des Glaubens in der Gesellschaft.“

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