Tödliche Krankheit

Die große Angst der USA vor dem Ebola-Virus

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Chris Melzer

Zwei mit dem Virus infizierte US-Helfer werden in Atlanta behandelt. Ärzte versuchen, die Bevölkerung zu beruhigen. Es bestehe keine Gefahr, beteuerte auch Präsident Barack Obama.

Atlanta/New York. In Amerika herrscht Angst, Angst vor Ebola. Die Befürchtung vieler Bürger: Können zwei Kranke 320 Millionen Gesunde anstecken? Obwohl Experten die Infektionsgefahr als vernachlässigbar einstufen, blühen im Internet die Verschwörungstheorien. Selbst Milliardär Donald Trump twitterte, dass es die Inkompetenz der US-Führung zeige, Ebola-Patienten ins Land zu bringen und warnte vor einer Seuchenwelle. „Lasst sie draußen!“, forderte er.

Sie, das sind der amerikanische Arzt Kent Brantly, 33, und die amerikanische Missionarin Nancy Writebol, 59. Beide hatten für Hilfsorganisationen in einem liberischen Krankenhaus gearbeitet und sich mit dem tödlichen Virus infiziert, dem in Westafrika in den vergangenen Wochen schon mehr als 700 Menschen zum Opfer fielen. Brantly, der erste Ebola-Patient auf amerikanischem Boden, ist mittlerweile mit einer Chartermaschine in den USA eingetroffen. Von einem Militärflughafen im Bundesstaat Georgia wurde der Mediziner mit einem Krankenwagen in eine Spezialabteilung des Emory University Hospital in Atlanta gebracht. Am Montag soll der mit einer Isolationskammer ausgerüstete Jet auch Nancy Writebol nach Hause holen. Der Zustand der beiden Helfer ist ernst, aber stabil.

Die behandelnden Ärzte versuchen, die Bevölkerung zu beruhigen: „Ich werde einer der wenigen sein, die mit den beiden Kranken direkten Kontakt haben werden. Nichts wird aus dieser Anlage herauskommen, bis es nicht mehr ansteckend ist“, versicherte der Virologe Bruce Ribner. „Wir haben eine übermäßige Anzahl an Sicherheitsvorkehrungen bei der Betreuung dieses Patienten getroffen. Wir glauben nicht, dass irgendein Mitarbeiter, andere Patienten oder Besucher einem Risiko ausgesetzt sind.“ Brantly ist in der Klinik bereits von seiner Frau Amber besucht worden, mit der er – getrennt durch eine Glaswand – 45 Minuten sprechen konnte.

Das hält jedoch einige nicht davon ab, weiter gegen die Behandlung der beiden Kranken in den USA zu wettern. „Ich möchte niemanden mit Ebola nahe der USA haben“, twitterte eine Frau. „Die beiden dürfen nur verbrannt und in einer versiegelten Urne in dieses Land zurückkommen. Punkt!“, schrieb ein anderer. Die größte Zielscheibe ist die Gesundheitsbehörde CDC. Das Vertrauen in die CDC ist nicht mehr felsenfest, seit der Sender CNN von allzu sorglosem Umgang der Wissenschaftler mit ansteckendem Material berichtete. So soll eine Vogelgrippeprobe mit nur minimalem Schutz transportiert worden sein, und einige Forscher hatten gefährliches Material in Ziploc-Tüten transportiert. Das sind Plastikbeutel, die man oben zudrücken kann – praktisch für ein Butterbrot, unpassend für tödliches Material.

Das Grenzgebiet von Guinea, Sierra Leone und Liberia ist Quarantänezone

Mittlerweile wurde bekannt, dass Brantly ein für ihn gedachtes Serum abgelehnt hat, damit es seiner Kollegin Writebol zur Verfügung steht. Da es noch in der Erprobung ist, gab es nur eine Dosis. Dafür erhielt der Arzt Hilfe von einem Teenager, dem er geholfen hatte, Ebola zu überleben. Er bekam das Blut des 14 Jahre alten Jungen gespritzt – mit der Hoffnung auf Antikörper, die seinem Körper beim Kampf gegen das Virus helfen könnten.

Als Zeichen, dass die Sorgen seiner Landsleute unbegründet sind, hat sich Barack Obama am Wochenende auf einem Gipfel in Washington mit Dutzenden afrikanischen Staatschefs umgeben, die eingeflogen waren. Es bestehe keine Gefahr, beteuerte der Präsident, räumte jedoch ein, dass die Sicherheitsmaßnahmen verschärft wurden.

Unterdessen haben die drei von der Ebola-Epidemie betroffenen afrikanischen Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia das gemeinsame Grenzgebiet zur Quarantänezone erklärt. Die als Epizentrum der Seuche identifizierten Gegenden würden von Polizisten und Soldaten isoliert und die Anwohner mit Hilfslieferungen versorgt, hieß es bei einem Sondergipfel in Guineas Hauptstadt Conakry. Auf das Quarantänegebiet entfallen gut 70 Prozent der bekannten Epidemiezone.

Die WHO geht von mehr als 1300 Ebola-Infektionen in Westafrika aus, mindestens 729 Menschen starben. Die Seuche breite sich „schneller aus als unsere Anstrengungen, sie zu kontrollieren“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, sei mit „katastrophalen“ Folgen und einer Ausweitung auf andere Länder zu rechnen. Sie sprach von der „weitaus größten“ Ebola-Seuche seit der Entdeckung des Erregers vor 40 Jahren. Mehrere Hundertschaften medizinischen Fachpersonals müssten zur Unterstützung in die Seuchenregion entsandt werden.