Buch: XX XY Männer und Frauen

Die ewige Diskussion: Was machen Frauen anders als Männer?

Das schönste Party-Thema: Was machen Frauen anders als Männer? Männer sind anders, Frauen auch. Aber die erstaunlichsten Unterschiede offenbaren sich erst tief im Dickicht der Alltagsgewohnheiten.

Frauen lügen beim Onlinedating am häufigsten über ihr Gewicht (16,3 %, Männer 14,2 %), Männer über ihr Alter (11,8 %, Frauen7,6%). Die Geschlechter haben auch unterschiedliche Vorlieben bei Haustieren. Mehr Frauen als Männer lieben Katzen (60:40 %) und Kleinsäuger (58:42 %), was aber immerhin heißt, dass auch erstaunlich viele Männer gern mit Meerschweinchen und Kaninchen kuscheln; ganz ausgewogen ist das Sympathieverhältnis nur bei Reptilien. Im Konsum von Medikamenten sind Frauen führend bei den Schmerzmitteln (62,2 %, Männer: 49,1 %). Dafür sind Männer zwischen 45 und 54 Jahren die größten Schnarcher (62,0 %, gleichaltrige Frauen: 45,1 %).

Klar, haben wir immer gewusst: Männer sind anders, Frauen auch. Aber die erstaunlichsten Unterschiede offenbaren sich erst tief im Dickicht der Alltagsgewohnheiten. Die Idee, sie mal übersichtlich in einem ganzen Buch zusammenzutragen, kam dem Journalisten Matthias Stolz und dem Grafiker Ole Häntzschel, als ihnen ein Playmobil-Katalog in die Hände fiel. Da fanden sie Mamis mit Babyschalen und Männer als Drachenkämpfer. Ist der berühmte „kleine Unterschied“ denn 40 Jahre nach Alice Schwarzers Buch immer noch so erheblich? Die beiden suchten nach weiteren Indizien, in Statistiken, bei Standesämtern, in Studien und Befragungen. Jetzt präsentieren sie ihre Erkenntnisse auf 72 Infografiken in „XX XY Männer und Frauen“.

Genüsslich wühlen sie zum Beispiel im Schlammpfuhl unserer Schimpfwörter, wo Frauen zur Schnepfe, dummen Gans, Gewitterziege, Planschkuh und Blindschleiche werden, während Esel, Angsthase, Schmalzdackel oder Bürohengst dem Mann vorbehalten sind. Die weibliche Unke entspricht etwa dem männlichen Knallfrosch. Interessant ist auch, dass sich Frauen am häufigsten vor Schlangen, Spinnen und geschlossenen Räumen fürchten, Männer dagegen mehr vor Höhe – und ausgerechnet vor Verletzungen, obwohl sie doch dauernd unverdrossen mit Hämmern und Kettensägen herumhantieren.

Trotz aller Gegensätze soll es vorkommen, dass sich Männer und Frauen besser kennen lernen wollen. Und wo passiert das heute? Nein, nicht im Internet, sondern meist immer noch über Freunde und Bekannte. Beim Online-Dating sind übrigens kleine Frauen am begehrtesten: Wenn Sie puppige 1,50 Meter als Körpergröße angeben, bekommen Sie doppelt so viele unverlangte Mails wie eine 1,95-Meter-Amazone – bei den Männern ist es genau umgekehrt. Später bei der Hochzeit wählen 74 Prozent der Paare in Hamburg als Familiennamen den Nachnamen des Mannes, nur sechs Prozent den der Frau; aber schon jedes fünfte Paar entscheidet, dass jeder seinen Namen behält (20 %, in Berlin sogar 28 %).

Manche der Grafik-Ergebnisse waren zu erwarten: etwa dass Männer im Schnitt 19-mal am Tag an Sex denken, Frauen nur zehnmal. Oder dass wir geschlagene 81 Jahre warten mussten, bis eine Frau zum ersten Mal einen Filmpreis für die beste Regie gewann. Ebenso, dass 282 Männer wegen Begünstigung und Hehlerei in deutschen Haftanstalten sitzen und nur zehn Frauen.

Aber dass Männer doppelt so viel Wurst essen wie Frauen – das gibt doch irgendwie zu denken.

Matthias Stolz, Ole Häntzschel: XX XY Männer und Frauen – Infografiken erklären die Unterschiede, mit 72 farbigen Schaubildern, Knaur, 160 Seiten, 18 Euro