Zum Tod von Nelson Mandela

Ein großes Licht der Freiheit ist erloschen

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Sogar die Uno unterbrach die Sitzung des Sicherheitsrates: Der Tod von Nelson Mandela lässt die ganze Welt kurz innehalten. Hollywood-Promis kondolieren auf Facebook.

London/Johannesburg. Prinz William kam gerade mit Kate aus dem Kino. Ausgerechnet einen Film über Nelson Mandela hatte sich der britische Thronfolger angesehen: „Mandela: Der lange Weg zur Freiheit“. Dann erfuhr er vom Tod des Friedensnobelpreisträgers. William äußerte sich nach der Vorstellung bestürzt: Der Tod Mandelas sei „sehr traurig und tragisch“, sagte William in Begleitung seiner Frau Catherine. Mandela sei „außergewöhnlich“ und eine „Quelle der Inspiration“ gewesen, sagte William nach zwei Schweigeminuten am Ende der Vorführung. „Meine Gebete und meine Gedanken sind jetzt bei ihm und seiner Familie.“

Ebenfalls unter den Kinobesuchern waren die beiden jüngsten Töchter Mandelas, Zindzi und Zenani. Die 55-jährige Zindzi hatte bei der Ankunft im Foyer in Unkenntnis der Todesnachricht noch die Hoffnung geäußert, ihren Vater noch öfter zu sehen. Als sie telefonisch über den Tod informiert worden seien, hätten sie das Kino sofort verlassen, teilte die Stiftung Nelson Mandela mit. Britische Medien berichteten, Zindzi habe tief erschüttert gewirkt.

Für Südafrika war der frühere Präsident ein Nationalheld, für die Welt eine Ikone der Freiheit: Der Anti-Apartheid-Kämpfer starb im Alter von 95 Jahren. Hunderte Menschen strömten in der Nacht zum Freitag zu seinem früheren Haus in Soweto und tanzten und sangen, nachdem Präsident Jacob Zuma den Tod in einer Fernsehansprache bekannt gegeben hatte. In aller Welt wurde Mandelas Lebenswerk gewürdigt. „Wir haben unseren größten Sohn verloren“, sagte Zuma. „Unser Volk hat einen Vater verloren.“ Er fügte hinzu: „Obwohl wir wussten, dass dieser Tag kommen würde, kann nichts unser Gefühl des tiefen und bleibenden Verlusts lindern“.

Laut Zuma starb Mandela am Donnerstag gegen 20.50 Uhr „friedlich“ im Kreise seiner Familie. Der Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger hatte im Sommer drei Monate lang wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus gelegen. Seit dem 1. September war Mandela zu Hause behandelt worden. Erst am Mittwoch sagte seine Tochter Makaziwe, ihr Vater kämpfe wacker gegen den Tod. Selbst vom Sterbebett aus erteile er seinen Angehörigen noch Lektionen in Geduld, Liebe und Toleranz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Sein Name wird für immer mit dem Kampf gegen die Unterdrückung seines Volkes und der Überwindung des Apartheidregimes verbunden sein. Auch viele Jahre im Gefängnis konnten Nelson Mandela nicht brechen oder bitter machen – aus seiner Botschaft der Versöhnung ist schließlich ein neues, besseres Südafrika entstanden. Nelson Mandelas leuchtendes Beispiel und sein politisches Vermächtnis der Gewaltfreiheit und der Absage an jeglichen Rassismus werden für Menschen auf der ganzen Welt noch lange Zeit eine Inspiration bleiben.“

Jahrzehntelang hatte sich Mandela mit seiner Organisation ANC für ein Ende des rassistischen Apartheid-Systems in Südafrika eingesetzt. Er saß deswegen 27 Jahre lang im Gefängnis. 1990 kam er schließlich frei. Vier Jahre später wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. 1993 bekam er den Friedensnobelpreis.

Mandela ging ohne Groll auf seine früheren Gegner zu und warb für Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß. Als er Staatschef wurde, aß er mit jenem Staatsanwalt zu Mittag, der einst dafür gesorgt hatte, dass er ins Gefängnis kam. Der letzte Präsident des von Weißen dominierten Apartheid-Regimes, Frederik Willem de Klerk, würdigte Mandelas Rolle bei der Überwindung des Systems: „Obwohl wir politische Gegner waren und obwohl unsere Beziehung oft stürmisch war, konnten wir doch in kritischen Momenten wieder zusammen finden, um die vielen Krisen zu bewältigen, die während der Verhandlungen auftauchten.“

Der frühere Erzbischof Desmond Tutu erklärte, Mandela habe als Mensch alle Rassen- und Klassenschranken überwunden, er habe sich durch seine Wärme und seine Fähigkeit zum Zuhören ausgezeichnet. Menschenrechtsaktivist George Bizos sagte dem Fernsehsender eNCA: „Er war größer als das Leben.“

Auch US-Präsident Barack Obama betonte, er könne sich sein eigenes Leben nicht ohne Mandelas Beispiel vorstellen: „Er gehört nicht uns. Er gehört der Geschichte.“ Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte Mandela einen „Giganten für die Gerechtigkeit“. Der Uno-Sicherheitsrat unterbrach eine Sitzung und gedachte Mandelas mit einer Schweigeminute.

Chinas Präsident Xi Jinping hob Mandelas Sieg im Kampf gegen die Apartheid und seinen Beitrag für „die Sache des menschlichen Fortschritts“ hervor. Großbritanniens Premierminister David Cameron sagte: „Ein großes Licht ist heute ausgegangen. Nelson Mandela war ein Held unserer Zeit. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: „Nelson Mandela war eine der ehrenwertesten Personen unserer Zeit. Er war der Vater seines Volkes, ein Mann mit Visionen, ein Freiheitskämpfer, der Gewalt ablehnte. Er war nie arrogant. Er arbeitete daran, die Tränen der südafrikanischen Gesellschaft zu trocknen. Durch seinen Charakter schaffte er es, Ausbrüche von Rassenhass zu vermeiden. Er wird als der Vater des neuen Südafrika in Erinnerung bleiben.“

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Nelson Mandela als „einen der herausragendsten Politiker“ der Zeitgeschichte gewürdigt. „Bis zum Ende seiner Tage blieb er den leuchtenden Idealen des Humanismus und der Gerechtigkeit treu“, sagte Putin in einer vom Kreml veröffentlichten Mitteilung. Der frühere Sowjetpräsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, 82, nannte Mandela einen großen Menschen und Freund. „Sein ganzes Leben ist ein Vorbild für diejenigen, die an ihr Land denken sowie an die Menschen“, sagte Gorbatschow der Agentur Itar-Tass. Dem Revolutionär Mandela gebühre Dank und ewiges Andenken für seinen Freiheitskampf.

Oscar-Preisträger Morgan Freeman, 76, hat Mandela vor vier Jahren im Spielfilm „Invictus – Unbezwungen“ verkörpert. Er stellte ein gemeinsames Foto auf seine Facebook-Seite und schrieb dazu: „Nelson Mandela war ein Mann mit unvergleichbarer Ehre, unbesiegbarer Stärke und unnachgiebiger Entschlossenheit. Für viele ein Heiliger, ein Held für alle, die Freiheit und die Würde der Menschheit schätzen“. US-Starmoderatorin Oprah Winfrey, 59, postete ein Foto auf Instagram, das sie Arm in Arm mit Mandela zeigt. Er sei genauso gewesen, wie man ihn sich vorgestellt habe: „Bescheiden und frei von Verbitterung. Und er hat es immer geliebt, einen guten Witz zu erzählen“.

Bundespräsident Joachim Gauck hat Mandela als „Jahrhundertgestalt“ bezeichnet. Mandelas beeindruckender Lebensweg sei für Menschen weltweit „Inspiration und Quelle der Ermutigung“, sagte Gauck am Freitag in Berlin. Mandelas Kampf gegen die Unmenschlichkeit des Apartheid-Regimes sei unvergessen. „Was für eine Persönlichkeit!“

( (HA) )