Mafia-Verdacht gegen Bushido

Musikstar soll mächtigem Clan der Berliner Unterwelt eine Vollmacht über sein Vermögen gegeben haben

Berlin. Gerüchte hatte es schon lange gegeben, jetzt ist es offenbar Gewissheit: Der Rap-Musiker Bushido, 34, ist weit enger mit einer berüchtigten Berliner Großfamilie verbunden als bislang bekannt. Dem Magazin „Stern“ liegt eigenen Angaben zufolge eine Generalvollmacht Bushidos vor, in der er einem Mitglied der Familie eine umfassende Vollmacht über sein eigenes Vermögen einräumt, die sogar über seinen Tod hinaus gilt.

Das Ausstellen einer derart weitreichenden Vollmacht ist selten und bestenfalls unter Eheleuten üblich. Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt die Justiz gegen Bushido wegen des Verdachts eines Steuerdeliktes. Dies bestätigte Justizsprecher Martin Steltner auf Anfrage.

Mit der neuerlichen Enthüllung erhält das schillernde Bild des Rappers eine weitere Facette. Vom kiffenden Gymnasiasten aus dem beschaulichen Stadtteil Tempelhof schaffte er es an die Spitze der deutschen Musikszene und zum Millionär. Aber schon immer hing dem Deutschtunesier, der offiziell Anis Mohammed Youssef Ferchichi heißt, der Hauch des kriminellen Milieus an – zum großen Teil aus Imagepflege für seine Glaubwürdigkeit in der Gangsta-Rap-Szene –, den er mit der Generalvollmacht für ein Mitglied der Großfamilie nun unterstreicht.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), der Angehörige der Familie kennt, weil sie in seinem Bezirk leben, sagte: „Bushido hat seine Zukunft offensichtlich in die Hände der Familie gelegt. Ich habe die Familienmitglieder immer für Bodyguards von Bushido gehalten, aber offenbar sind es seine Adoptiveltern.“ Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte: „Es ist schon häufiger spekuliert worden, dass es engere Verflechtungen gibt zwischen Bushido und diesem Familien-Clan, der eine Reihe polizeibekannter Mitglieder hat. Offenbar bewegt sich Bushido aber noch viel tiefer in diesem Milieu.“ Das legten die neuen Enthüllungen nahe.

Ermittler des Berliner Landeskriminalamts (LKA) hatten seit vielen Jahren Hinweise auf die Verstrickung des populären Sängers in die Geschäfte von Mitgliedern der berüchtigten arabischen Großfamilie. „Es gab Berichte aus der Szene, wonach Bushido sich schon zu Beginn seiner Kariere verpflichtet haben soll, einen nicht unerheblichen Teil seiner Einkünfte an Mitglieder des Clans abzugeben – gewissermaßen als Schutzgeld“, berichtet ein LKA-Beamter. „Diese Herrschaften haben ihm gewissermaßen seinen Weg geebnet und ihn aufgebaut, weil sie nicht nur brutal gegen Konkurrenten vorgehen, sondern auch einen guten Riecher in Sachen Geschäfte haben.“ Einzelnen Familienmitgliedern des Clans wird nachgesagt, in allen Bereichen der organisierten Kriminalität aktiv zu sein – Ermittler sprechen von Drogen- und Waffenhandel, Schutzgelderpressung, Prostitution.

Die Familie gehört nach Angaben von szenekundigen Polizeiführern zu den Machthabern der organisierten Kriminalität in Berlin. Im LKA kursiert eine Sammlung erkennungsdienstlicher Fotos der Clan-Mitglieder – „nur für den Dienstgebrauch“ –, auf dem 15 Männer abgebildet sind. Einer von ihnen ist Bushido, der mit der Generalvollmacht, so die Vermutung der Ermittler, zum Familienmitglied geworden ist. „Sie stehen für Verbrechen, Gewalt und Angst“, so ein Beamter.

Politiker aus verschiedenen Parteien, unter anderen Innensenator Henkel, forderten am Donnerstag den Burda Verlag auf, Bushido den „Bambi“, den er dem Rapper vor zwei Jahren für vorbildliche Integrationsleistungen verliehen habe, wieder abzuerkennen. Die Jury, der auch Verleger Hubert Burda angehört, hatte damals die Auszeichnung so begründet: „Bushido setzt sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.“ Der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören hat jetzt laut „Bild“-Zeitung an Burda geschrieben: „Ich bitte Sie eindringlich, ihm den Integrationspreis abzuerkennen.“ Wer „engen Kontakt“ zu den „Größen der Berliner Unterwelt pflegt“, sei kein Beispiel für Integration, sondern „das genaue Gegenteil davon“.