Schlechte Prognosen

Wahrsager lagen 2012 voll daneben

Ein Tiefseemonster wurde nicht gesichtet, ebenso wie schwarze Löcher. Victoria gebar ein Mädchen, und die EU lebt.

Hamburg/Roßdorf. Am 21. Dezember soll also Schluss sein: Das Ende der Welt sei gekommen. So prophezeit es das alte Volk der Maya. Warum sind dann eigentlich so viele Bewohner des Blauen Planeten im vorweihnachtlichen Stress, anstatt die letzten Tage ihres Daseins zu genießen?

Die meisten machen einfach wie gewohnt weiter, weil sie Weltuntergangsszenarien in der Vergangenheit nicht ernst nehmen konnten: Nichts ist eingetreten von dem, was Hellseher, Wahrsager und Astrologen vorhergesagt haben - weder apokalyptische Kometenkollisionen noch Schwarze Löcher, die die Erde verschlingen.

Kann man denn den selbst ernannten Propheten überhaupt noch etwas glauben? Auskunft darüber gibt die Prognoserückschau 2012 der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), die am Donnerstag im hessischen Roßdorf veröffentlicht wurde. Die Experten haben dafür 140 Prognosetexte und Webseiten von über 70 namentlich bekannten Auguren unter die Lupe genommen. Und geben Entwarnung. Die Wahrsager versagten für dieses Jahr auf der ganzen Linie. Auch der Maya-Weltuntergang wird nicht stattfinden. "Die zu diesem Termin seit Jahren kursierenden Mutmaßungen sind allesamt hanebüchener Unsinn", sagt der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit Jahren die Prophezeiungen der aktuellen weltweiten Prognoseprofis sammelt. Er ärgert sich darüber, dass mit solchen Voraussagen bei Leichtgläubigen und insbesondere auch bei Jugendlichen Angst verbreitet wird. Nach seiner Ansicht würden rudimentäre Kenntnisse der Astronomie reichen, "um viele der für dieses Datum behaupteten Besonderheiten zu widerlegen".

Die Highlights an Vorhersagen für 2012 stammen insbesondere von dem kanadischen Medium Nikki Pezaro: Vögel, die Menschen angreifen, Monster, die aus der Tiefsee auftauchen oder der Fund des heiligen Grals. Ein weiterer Kandidat für die Fehlprognose des Jahres ist Thomas Ritter, der aus altindischen Palmblättern Aufstände in verschiedenen europäischen Hauptstädten las. So sollte in Rom auch der Papst einem solchen zum Opfer fallen. Naturkatastrophen hatte Astrologe Kurt Allgeier für die Zeit zwischen Ende Juni und Mitte Juli erwartet, Ereignisse, "die wohl sogar noch heftiger sein werden, als wir sie zuletzt erlebt haben". Die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller hatte für 2012 das Ende von EU und Euro vorausgesagt, andere das Zerbrechen der Euro-Zone. "Traditionell werden für die Zukunft immer Katastrophen aller Art vorausgesagt", sagt Kunkel. "Sie wurden in den letzten Jahren um dramatische Schilderungen der Folgen wirtschaftlicher Krisen ergänzt."

Einen Treffer hatte die Rückschau dann doch noch zu bieten: Die Schwangerschaft von Kate Middleton wurde unter anderem von Blair Robertson und Nikki Pezaro richtig vorausgesagt. Aber das hatte sich auch schon jeder Normalsterbliche ausrechnen können. Aus dem Rennen um die Vorhersage des Geschlechts des royalen Nachwuchses ist Rosalinde Haller. Sie hatte Victoria von Schweden einen Jungen prophezeit - es wurde bekanntlich ein Mädchen.

Eine Hoffnung bleibt noch: Die belgische Skeptikerorganisation Skepp bietet bis zum 30. September 2013 demjenigen eine Million Euro, der ein zukünftiges Ereignis konkret vorhersagen kann. Die bereits vorliegenden Prognosen der Neuzeit-Hellseher haben laut Kunkel allerdings keine Chance: "Bisher gibt es für 2013 nur die üblichen schwammigen Katastrophenprognosen." Sollten die Maya jedoch mit ihrer Weltuntergangsprophezeiung recht behalten, dann hätten sie den Jackpot gewonnen.