18 Millionen Euro

Großmutter vergisst Lotto-Gewinnschein im Handschuhfach

Fünf Monate lag der 18-Millionen-Gewinn einer 69-Jährigen unbeachtet in ihrem Wagen - bis sie ein Foto der Tochter in den Nachrichten sah.

San Bernardino/USA. Julie Cervera musste in den vergangenen Monaten jeden Dollar zweimal umdrehen. Lebensmittel für ihre Familie, die Stromrechnung oder die Monatsrate für die Kabelfirma – es reichte immer gerade so. Dabei war die 69-jährige Kalifornierin während der ganzen Zeit Millionärin ohne es zu wissen. Seit Mai lag im Handschuhfach ihres Autos ein Lottoschein über 23 Millionen Dollar (17,8 Millionen Euro).

Ihre Tochter Charliena Marquez hatte das Ticket damals in einem Spirituosengeschäft für ihre Mutter gekauft. Die beiden waren gemeinsam im Auto unterwegs, als Marquez ihre Mutter darum bat anzuhalten, damit sie sich eine Flasche Wasser kaufen könne. „Ihr wird immer schlecht im Auto“, erzählt Cervera.

Ihre Tochter habe ihr einen Lottoschein aus dem Geschäft mitgebracht. „Ich habe ihn dann in meinem neuen Auto gelassen. Es ist ein alter Wagen, aber für mich ist er neu. Ich habe ihn seit fünf Monaten“, sagt Cervera. „In meinem Haus liegen bestimmt 200 Lottoscheine herum. Ich schaue nie nach, ob ich gewonnen habe.“

Am vergangenen Donnerstag suchte sie dann aber doch im Handschuhfach ihres Autos, und das Ticket war noch da. Cervera entdeckten den Schein gerade noch rechtzeitig – am 26. November wäre er abgelaufen. Zuvor hatte ihr jemand ein Foto geschickt, auf dem ihre Tochter beim Kauf des Tickets zu sehen war. Mit der Veröffentlichung der Aufnahme von der Überwachungskamera des Spirituosengeschäfts wollte die Lottogesellschaft nach dem Käufer des Gewinner-Scheins suchen.

„Ich habe meine 99-Cent-Brille aufgesetzt, aber ich musste noch eine zweite aufziehen, um sie zu erkennen“, sagt Cervera. Die Bildunterschrift konnte sie aber immer noch nicht lesen. „Ich dachte sie hätte eine Bank überfallen, weil ich die Worte nicht erkennen konnte. Also habe ich die dritte Brille aufgesetzt und gesehen, dass sie gewonnen hatte. Ich dachte mir: ’Das kann nicht sein’.“

Marquez verpasste zuvor einige Anrufe und Nachrichten von Verwandten und Freunden, die sie auf dem Foto in der örtlichen Lokalzeitung erkannt hatten. „Meine Schwester rief mich dann um elf Uhr abends an und weckte mich auf. Sie sagte: ’Das bist du.’ Ich sagte: ’Nein, das bin ich nicht’, weil ich das Foto noch nicht gesehen hatte“, erzählt Marquez.

Cervera ist Witwe und bezieht seit 20 Jahren Invalidenrente. Ihre Familie hat schwere Zeiten durchlebt. Im vergangenen Jahr kam ihr Sohn bei einem Motorradunfall ums Leben und hinterließ vier Kinder im Teenager-Alter. „Ich würde alles aufgeben, um ihn wieder bei mir zu haben“, sagt Cervera am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich des Lottogewinns unter Tränen. „Für meine Enkel und meine Töchter wird jetzt gesorgt. Ich bin so glücklich. Ich werde mir ein Paar Reeboks kaufen.“

Cervera hat zudem zwei Adoptivsöhne im Alter von fünf und neun Jahren. Beide leiden an Entwicklungsverzögerungen. „Sie bekommen einen großen Teil, damit sie versorgt sind, wenn ich einmal nicht mehr da bin“, sagt Cervera. „Jetzt fahre ich mit ihnen nach Disneyland. Das mache ich wirklich. Und wir werden für alles bezahlen.“

Hätte Cervera ihren Gewinn nicht eingefordert, wäre das Geld kalifornischen Schulen gespendet worden. Im vergangenen Jahr wurden über 20 Millionen Dollar nicht abgerufen. Statt einer gestaffelten Zahlung will Cervera das Geld auf einmal – wegen der Abschläge wird sie 17,8 Millionen Dollar erhalten. „In 30 Jahren bin ich nicht mehr da“, sagt sie.