Amerika trotzt der Katastrophe

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Nach dem Hurrikan: Theater und Börsen öffnen wieder. Das Aufräumen beginnt

New York. „Diese Stadt ist trotz allem wunderbar“, sagte Mauro Barbetti, der wegen des Hurrikans „Sandy“ in New York festsaß. Der italienische Tourist war einer der Ersten, die gestern die Aussichtsplattform auf dem Empire State Building besuchten.

Doch die Wiedereröffnung dieser Sehenswürdigkeit ist nicht die einzige gute Nachricht nach dem verheerenden Wirbelsturm. Der Marathon – einer der berühmtesten Laufwettkämpfe der Welt – kann am Sonntag wie geplant in New York stattfinden. Die Veranstaltung ist schon immer ein Symbol für die Lebensfreude und Widerstandskraft der Millionenmetropole. Allerdings dürfte sich die Anreise der 47 000 Teilnehmer aus aller Welt wegen des Ausfalls von 16 000 Flügen und der Schäden an der U-Bahn schwierig gestalten. Rückkehr zur Lebensfreude signalisierten auch die Theater am Broadway. Die meisten Vorstellungen fanden gestern wieder statt, nachdem Hurrikan „Sandy“ mit abgeschwächter Geschwindigkeit nach Norden weitergezogen war.

Nach einem der schwersten Unwetter in der Geschichte der Vereinigten Staaten kehren die Menschen an der Ostküste nach und nach zur Normalität zurück. Im Großraum New York nahmen die Busse den – wenn auch eingeschränkten – Betrieb wieder auf. Trotzdem mussten die New Yorker auf ihrem Weg zur Arbeit viele Hindernisse überwinden. Weil die U-Bahnen wegen überfluteter Schächte noch nicht wieder fahren, nahmen Berufstätige lange Fußmärsche in Kauf. Viele von ihnen hatten eine weitere Nacht im Dunkeln ohne warmes Wasser und Telefon zugebracht. Mehr als 760 000 der drei Millionen Kunden des Energieversorgers Consolidated Edison waren ohne Elektrizität. Die Reparatur des Netzes dauert mindestens eine Woche. An der gesamten Ostküste hatten mehr als acht Millionen Menschen keinen Strom.

Mit dem John F. Kennedy Airport und dem internationalen Flughafen von Newark nahmen zwei der drei wichtigsten Flughäfen im Großraum der Stadt ihren Betrieb in begrenztem Umfang ebenso wieder auf wie die Fähren nach New Jersey. Bahnbetreiber Amtrak fährt ebenfalls wieder auf den wichtigsten Strecken. Die Börsen beendeten ihre mehrtägige Zwangspause. An der Wall Street läutete Michael Bloomberg symbolträchtig die Eröffnungsglocke. Noch am Tag zuvor hatte der beliebte Bürgermeister nach einem Brand im Stadtteil Queens gesagt: „Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass es hier aussieht wie auf den Bildern vom Ende des Zweiten Weltkriegs.“

Doch auch das Ausmaß der Schäden wird jetzt deutlich. So stieg die Zahl der Toten auf 50. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten New Jersey und New York. Die Sachschäden belaufen sich nach Schätzungen auf bis zu 20 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro). In den Stadtteilen Brooklyn und Queens kam es zu Plünderungen. Mehrere Tausend Menschen müssen noch in Notunterkünften übernachten.

Zum ersten Mal in der fast 40-jährigen Geschichte musste die New Yorker Halloween-Parade, zu der gestern rund 40 000 Menschen erwartet worden waren, abgesagt werden. Heidi Klum verzichtete auf ihre alljährliche Party in New York. „Hoffe, euch und euren Lieben geht es gut nach dem Sturm. Sage meine Halloween-Party ab … verschiebe sie auf ein gespenstisches Weihnachten“, twitterte das Supermodel. Auch Präsident Barack Obama hat das traditionelle Halloween-Fest für Kinder im Weißen Haus ausgesetzt. 2011 hatte er mit seiner Frau Michelle noch 2000 Schüler aus der Umgebung Washingtons zu Gast und verteilte, wie Millionen andere, Süßigkeiten.

Weitere Infos und Fotos: www.abendblatt.de/ostkueste

( (imn) )