Starke Regenfälle

Kritik an Chinas Behörden nach Unwetter-Katastrophe

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Die Warnungen seien zu spät gekommen, zudem sei die Kanalisation Pekings unzureichend. 95 Menschen sind bereits bei Unwettern gestorben.

Peking. Nach den verheerenden Unwettern in China, die mindestens 95 Menschen das Leben gekostet haben, ist Kritik am Krisenmanagement der Behörden laut geworden. Anlass war ein Aufruf der Stadtverwaltung Pekings. Sie bat die Einwohner am Dienstag um Spenden für einen Katastrophenhilfe-Fonds. Dieser werde von Parteimitgliedern und Kadern angeführt, berichtete die Zeitung „Beijing Daily“.

Im Internet löste der Aufruf wütende Reaktionen von Bürgern aus. So wurde etwa kritisiert, dass die Warnungen vor den schweren Unwettern zu spät gekommen seien. Auch sei die Kanalisation Pekings unzureichend. Allein in der Hauptstadt hatten Rekord-Regenfälle und Sturzfluten mindestens 37 Menschen getötet. Angesichts der Kritik sperrten Zensoren die Kommentar-Funktion eines offiziellen Internetblogs. Tausende Nutzer leiteten die Anmerkungen aber über den Kurznachrichtendienst Twitter weiter. „Ich habe meine Steuern bezahlt“, fügten sie hinzu und gaben damit zu verstehen, dass sie nicht zu Spenden bereit seien.

Peking hatte am Wochenende die schlimmsten Regenfälle seit Beginn der Aufzeichnungen vor 61 Jahren erlebt. In einigen Bezirken stand das Wasser in den Straßen einen Meter hoch. Landesweit brachten die Unwetter fast 30 000 Häuser zum Einsturz, weitere 55 000 wurden beschädigt. Zudem fegte jetzt am Dienstag Taifun über Hongkong. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. „Vincente“ war der stärkste Wirbelsturm, der die südchinesische Metropole seit 13 Jahren heimsuchte. Er zog am späten Dienstagvormittag (Ortszeit) weiter, am frühen Nachmittag nahm die Hongkonger Börse den Handel und der Flughafen den Betrieb wieder auf.

Zwar wurde der Taifun inzwischen zu einem Tropensturm heruntergestuft, dennoch waren mehr als 40.000 Menschen in der Stadt Maoming in der Provinz Guangdong dazu aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Chinesische Staatsmedien berichteten, die Behörden träfen Sicherheitsvorkehrungen, um gegen mögliche „Springfluten, Schlammlawinen, Erdrutsche und andere Katastrophen“ gewappnet zu sein. In der Provinz Guangxi würden 300 Millimeter Regen erwartet, bevor der Tropensturm voraussichtlich Richtung Guangdong weiterziehe. (dpa/dpad)