Polizeigewerkschaft fordert Internet-Pranger für Sexualstraftäter

Osnabrück. Nach dem Rückfall eines Sexualstraftäters in Dortmund fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft, den Aufenthaltsort entlassener Schwerkrimineller nach dem Vorbild der USA im Internet zu veröffentlichen. "Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, wo sich entlassene Sexualstraftäter aufhalten", sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie müssten wissen, wenn ein Vergewaltiger in ihrer Nachbarschaft wohne. "Namen, Fotos und Adressen von Gewaltverbrechern sollten für jeden einsehbar auf den Internetseiten der Polizei veröffentlicht werden", forderte Wendt. Die Politik habe die Pflicht, die Bevölkerung über drohende Gefahren aufzuklären. Sein Kollege von der Gewerkschaft der Polizei lehnt eine Bloßstellung entlassener Sexualstraftäter im Internet dagegen ab. Das sei mit dem deutschen Rechtssystem nicht vereinbar, sagte der Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. Er spricht von "Effekthascherei und Populismus".

Ein als Sexualstraftäter vorbestrafter Mann war wegen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden. Seit Dezember 2009 lebte er in Dortmund. Im Januar verging sich der Mann an einer Siebenjährigen, kurz nach dem Ende der Polizeiüberwachung.

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